8. Februar 2014 "Demonstrationstag gegen Neofundamentalismus und Extremismus"

 

 

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Zeit: 15:00 Uhr

Ort: Alter Markt, 41061 Mönchengladbach
Stellungnahmen: Ferdinand Hoeren (Bündnissprecher), Norbert Bude (Oberbürgermeister), Wolfgang Funke (Katholische Kirche)
 
 

Stellungnahmen

Ferdinand Hören

(Bündnissprecher)

 

 

 

Ferdinand Hoeren begrüßte im Namen des Mönchengladbacher „Bündnis: Aufstehen! – Für Menschenwürde – Gegen Rechtsextremismus“ alle, besonders die anwesenden Mandatsträger unserer Stadt herzlich. Er erklärte:

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

wir demonstrieren hier heute, weil Pierre Vogel und seine Salafisten gegenüber von uns eine Veranstaltung durchführen.

Diese Veranstaltung trägt die Überschrift: „Islamophobie in Mönchengladbach“.

Diese Überschrift betrachten wir als eine böswillige Beleidigung.

Denn sie unterstellt, dass alle Mönchengladbacher an Angst vor dem Islam neurotisch erkrankt sind. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Wir stehen auf für ein friedliches Miteinander aller, jenseits ihrer Zugehörigkeit zu Religionen, Kulturen und Ethnien.

Aber wir stehen auch auf gegen einen propagandistischen Salafismus, der die friedlichen Ziele des Islam verrät und mit militanten Mitteln unsere demokratischen Grundrechte missbraucht.

 

Drüben auf der Hindenburgstraße demonstriert Pro NRW.

Sie sind menschenverachtende Populisten aus der rechten Szene.

Sie sind angelockt durch die Salafisten wie Schmeißfliegen, um gegen alle Muslime zu hetzen.

 

Für beide gilt der Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik.

Ich zitiere:

„Wer die Freiheit der Meinungsäußerung (…) die Lehrfreiheit, die Versammlungsfreiheit, die Vereinigungsfreiheit (…) zum Kampf gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung missbraucht, verwirkt diese Grundrechte (…).“

 

Wir, das Mönchengladbacher Bündnis, widersprechen allem Gedankengut und treten allen Bestrebungen entschieden entgegen, seien sie antisemitischer, chauvinistischer, diktatorischer, fremdenfeindlicher, nationalsozialistischer oder sozialdarwinistischer Art.

Wir wollen in Mönchengladbach weder islamistische Neofundamentalisten oder rechte Populisten noch deren Veranstaltungen.

Wir wollen ein friedliches, demokratisches und tolerantes Zusammenleben, das die Menschenwürde aller achtet."

 

Danach übergab er das Wort an Oberbürgermeister Norbert Bude.

 

Stellungnahmen

Norbert Bude

(Oberbürgermeister)

 

 

 

Bild: Redner Funke, Bude, HoerenDer Oberbürgermeister erklärte, es gebe keine Islamophobie in Mönchengladbach und deshalb sei es gut, wenn das Mönchengladbacher Bündnis gegen diese Unterstellung demonstriere.

 

"Islamfeindlichkeit bezeichne die Feindseligkeit und kategorische Abwertung und Benachteiligung von Muslimen.

 

Aber das Gegenteil sei der Fall. Denn das Integrationskonzept für die Stadt Mönchenglabdach und dessen Fortschreibung von 2012 – 2016 sei dafür der Beweis.

Das vorliegende Konzept vertritt die Meinung, dass eine Vielfaltsgesellschaft im Wesentlichen das Ziel der Integrationspolitik sein muss. Eine Vielfaltsgesellschaft steht für ein friedliches und respektvolles Zusammenleben unterschiedlicher ethnischer Gruppen, ohne dass einzelne Gruppen ihre Identität, Kultur und Wertevorstellungen aufgeben müssen. Dabei gibt die Aufnahmegesellschaft die politischen, rechtlichen sowie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor."

 

Integration ist individuell

 

"Jeder nach Mönchengladbach zugewanderte Mensch brachte seine Geschichte, seine Werte und Vorstellungen, Ängste und Erwartungen mit. Migration ist sehr individuell.

 

Hinter jeder Zuwanderung steht eine Geschichte, ein Weg, gepflastert mit Zweifeln, Entscheidungen und Hoffnungen. Daher bedarf gerade die interkulturelle Arbeit hoher Sensibilität, Geduld und Toleranz. Lebensziele der meisten Migranten unterscheiden sich kaum von Lebenszielen der Mehrheit in der Aufnahmegesellschaft.

 

Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und damit auch eine gesamtstädtische Aufgabe. Die gesamte Bevölkerung der Stadt zählt zur Zielgruppe dieses Konzeptes.

 

In Mönchengladbach leben Menschen aus mehr als 150 Nationen mit unterschiedlichen Sprachen, Kulturen, Religionen und Erfahrungen. Eine entscheidende Gemeinsamkeit verbindet sie jedoch: Sie alle sind Mönchengladbacher und identifizieren sich mit unserer bunten und liebenswerten Stadt."

 

Gemeinsamkeiten führen uns zusammen, Unterschiede führen uns weiter!

 

"Es gibt keine Islamophopie in Mönchengladbach. Wir setzen in unserer Stadt auf den Interreligiösen Dialog. Wir beten miteinander während der interkulturellen Woche, die Moscheen öffnen sich besonders am Tag der deutschen Einheit, in zahlreichen Veranstaltungen begegnen sich Menschen unterschiedlichster Religionen mit gegenseitigem Respekt.

 

Wer weiter behauptet, es gibt eine Islamophobie in unserer Stadt, der sagt nicht die Wahrheit. Der ist nicht willkommen in Mönchengladbach. Im Gegensatz zu den rund 55.000 Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kamen. Sie sind willkommen."

 

Nach dem Oberbürgermeister sprach Wolfgang Funke im Namen der Kirchen.

 

Wolfgang Funke

(Katholische Kirche)

 

Liebe Mönchengladbacherinnen und Mönchengladbacher!

Vor einigen Jahren wurde in der Citykirche die Mönchengladbacher Erklärung unterzeichnet.

Die Mönchengladbacher Erklärung ist die Präambel des Integrationskonzeptes der Stadt Mönchengladbach.

Im Integrationskonzept haben der Stadtrat, der Integrationsrat, Parteien, Gewerkschaften, Sozialverbände, viele ausländische Vereine und die Religionsgemeinschaften festgelegt, wie wir in Mönchengladbach unser Zusammenleben zwischen Menschen aus rund 150 Ländern und zahlreichen Religionsgemeinschaften gestalten wollen.

Ganz klar ist: Grundlage unseres Zusammenlebens ist ohne Wenn und Aber das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland.

 

Hierzu gehört im Zusammenhang mit den Salafisten auch der Hinweis auf die gleiche Würde und die gleichen Rechte von Mann und Frau!

 

Ich bin um einen Beitrag bei dieser Veranstaltung heute gebeten worden als  jemand, der im Dialog der Religionen in Mönchengladbach lange engagiert ist, und kann ich bezeugen:

Ja, es gibt in unserer Stadt einen guten, einen lebendigen Dialog der Religionen!

Dialog bedeutet: einander begegnen, zuhören und Gehör finden, miteinander ins Gespräch kommen, Kontakte knüpfen und pflegen.

Dabei soll das Gemeinsame und das Verbindende herausgestellt und das Trennende nach Möglichkeit so erklärt werden, dass die gegenseitige Verständigung voranschreitet.

 

Im Folgenden nenne ich einige Begegnungen zwischen Menschen verschiedener Religionsgemeinschaften:

Im vergangenen Herbst gab es zum wiederholten Mal die ‚Nacht der offenen Gotteshäuser‘, an der sich neben der Synagoge auch mehrere Moscheen sowie zahlreiche christliche Kirchen beteiligt haben.

Es gibt regelmäßige gegenseitige Einladungen zu religiösen Festtagen!

Viele Male bin ich mit weiteren Gästen in den unterschiedlichen Moscheen zu Aschura-Feiern oder Iftar-Essen eingeladen gewesen und ich habe die Gastfreundschaft genossen.

 

Dankbar denke ich an den Besuch einer großen muslimischen Delegation mit ihrem Hodscha und dem kompletten Vorstand der Moschee im Gottesdienst am Hl. Abend um 24.00 Uhr in der Citykirche!

Das Straßenfest zur Auftakt der Interkulturellen Woche beginnt jedes Jahr mit einem Gebet der Religionen.

Regelmäßig gibt es zudem auch ein christlich – muslimisches theologisches Gespräch in einer der Moscheen.

Ein interreligiöser Arbeitskreis hat auch für das Jahr 2014 wieder einen Kalender herausgegeben, in dem die Festtage der Religionen verzeichnet sind, die sich auf Abraham als Stammvater ihres Glaubens berufen. Ein ausführlicher Flyer erläutert  die Feste. 6000 Exemplare wurden gesponsert, die Kalender sind in jede Schulklasse unserer Stadt gegangen.

Schülerinnen und Schüler des Berufs-kollegs Rheydt-Mülfort für Wirtschaft und Verwaltung haben mit Unterstützung der Stadt Mönchengladbach ebenfalls einen reich bebilderten und informativ gestalteten interreligiösen Kalender herausgegeben.

Zur Wiedereröffnung der Citykirche im vergangenen Herbst wurde dort eine umfangreiche interreligiöse Ausstellung mit dem Titel ‚Kinder Abrahams‘ gezeigt.

Dies alles sind kleine Beispiele für den alltäglichen Dialog der Religionen.

 

Ich meine also: Wer will, der kann wirklich ein Einblick in das Leben der unterschiedlichen Religionen gewinnen.

Dies gilt auch und besonders für den christlich- muslimischen Dialog.

Die Religionsgemeinschaften unserer Stadt werden den Dialog mit allen Menschen guten Willens auch in Zukunft unbeirrt fortsetzen!

 

Zum Dialog gibt es keine Alternative!

Von einer Islamphobie, wie sie die Salafisten beschreiben, kann in Mönchengladbach keine Rede sein!

Wir werden den Fanatismus der Salafisten nicht mit Fanatismus beantworten, wohl aber das Grundgesetz mit aller Entschiedenheit zur Geltung bringen!

Wir werden uns auch durch die rechtsextremen Parolen von PRO NRW nicht beirren lassen, wohl aber allem rechtem Gedankengut in der anstehenden Kommunalwahl eine deutliche Abfuhr erteilen!

Wir werden jedem politischen Extremismus, jedem religiösen Fundamentalismus und allen populistischen Fanatikern mit Entschiedenheit entgegentreten!

 

Dabei ist es nicht so, dass bei uns alles in Ordnung wäre!
Es kann durchaus sein, dass wir als Stadtgesellschaft unseren Einsatz verdoppeln müssen im Blick darauf, jungen Menschen in unseren Jugendeinrichtungen und in den Schulen noch bessere Perspektiven für einen gelingenden Start ins Berufsleben zu ermöglichen.

Es kann sein, dass wir den Dialog des Lebens, das Teilen von Freude, Leid und Sorgen, in unseren Parteien und Netzwerken, in Initiativen und Nachbarschaften, in Vereinen und Religionsgemeinschaften verstärken müssen.

Es kann sein, das wir den Dialog des Handelns zwischen den Religionen auf allen Ebenen verstärken müssen und mit Entschiedenheit noch mehr Schritte aufeinander zu tun müssen.

 

Aber ich bin überzeugt: Wer in der Mitte unserer Gesellschaft seinen Platz gefunden hat, wer eine gute Ausbildung, wer Brot und Arbeit hat, der fällt weder auf die Salafisten noch auf die Neonazis herein.

Wir brauchen weder die einen noch die anderen in unserer weltoffenen und liebenswerten Stadt Mönchengladbach!

Politische oder religiöse Extremisten und Fundamentalisten bieten in unserer kompliziert gewordenen Zeit und Gesellschaft schnelle und einfache Lösungen an. Menschen, die unter Druck stehen, die keine Perspektive für ihr Leben haben, die an einem Wendepunkt stehen, sind für die von Extremisten oder Fundamentalisten angebotenen Lösungen oft ansprechbar.

Ich bin überzeugt: Wer einen Platz im Leben und in unserer Gesellschaft gefunden hat, der sucht keinen extremen Ausweg.

Für Menschen, die aus welchen Gründen auch immer in extremistische oder fundamentalistische Kreise geraten sind, bietet das Mönchengladbacher Netzwerk ‚Riskante Wege‘ Hilfe an.

Ein Expertenteam aus den christl. Kirchen, aus den muslimischen Moscheevereinen, aus Jugendverbänden, Polizei,  Stadtverwaltung und Beratungsstellen steht Menschen aus M‘gladbach und Umgebung bei, die von einem ‚riskanten Weg‘ in die ‚normale Gesellschaft‘ zurück finden möchten.

Die Beratungsstelle steht auch für Angehörige, Familienmitglieder, Lehrer, Freundinnen und Freunde derjenigen zur Verfügung, die einen riskanten, extremistischen oder fundamentalistischen Weg eingeschlagen haben oder in Versuchung sind, ihn zu wählen.

Weisen Sie gerade junge Menschen, die oft besonders leicht verführbar sind, gerne auf das Netzwerk ‚Riskante Wege‘ hin. Die Kontaktdaten finden Sie im Internet.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

 

Pressenachberichterstattung

 

RP-Online: Polizei drängt Störer ab

 

 

 

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/polizei-draengt-stoerer-ab-aid-1.4021209

RP-Online: Drei Stunden Ausnahmezustanden in der City

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/drei-stunden-ausnahmezustand-in-der-city-aid-1.4022769

WZ-Newsline: Lauter Protest gegen die Salafisten

http://www.wz-newsline.de/lokales/moenchengladbach/lauter-protest-gegen-die-salafisten-1.1550923

Presseportal der Polizei: Abschlussmeldung zu den demonstrativen Veranstaltungen in Mönchengladbach

http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/30127/2659704/pol-mg-abschlussmeldung-zu-den-demonstrativen-veranstaltungen-in-moenchengladbach

WDR: Salafistendemo

http://www1.wdr.de/themen/politik/salafistendemo104.html

"links eröm" - Das Blog der Jusos Mönchengladbach: Islamophobie oder Islamismus beides Scheiße

http://blog.jusos-mg.de/2014/02/10/islamophobie-oder-islamismus-beides-scheisse/

Vice.com - Livestyle und Jugendmagazin: Chaotischste Demo Deutschlands

http://m.vice.com/de/read/die-chaotischste-demo-deutschlands/?utm_source=vicefb

 

Fotoreportage

 

RP-Online: Salafistenkundgebung und Gegendemos in Mönchengladbach

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/salafistenkundgebung-und-gegendemos-in-moenchengladbach-bid-1.4021473

WZ-Newsline: Salafisten-Demo in Gladbach

http://www.wz-newsline.de/lokales/moenchengladbach/salafisten-demo-in-gladbach-1.1549897

 

Videos

 

WDR.de: Sendung - WESTPOL

http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/westpol/videowestpol226-videoplayer_size-L.html

WDR.de: Sendung - WESTPOL

http://www1.wdr.de/fernsehen/regional/westpol/sendungen/salafisteninterview100.html

CityVision.de / Stadtfersehen auf Facebook: Salafistenkundgebung empört Gladbacher Bürger

https://www.facebook.com/photo.php?v=686022438086995

von den "Salafisten" aufgenommen:

http://www.youtube.com/watch?v=nI25ySMKLSQ

 

Interessante Vorberichterstattung

WDR.de

http://www1.wdr.de/themen/politik/salafistendemo102.html

 

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