Chronik_

Der erneute Anstieg rechtsextremer Gewalttaten (Gewalttaten mit erwiesenem oder zu vermutendem rechtsextremen Hintergrund im Jahre 1999 von 749 auf 998 im Jahr 2000) veranlassten im Jahr 2000 engagierte Demokratinnen und Demokraten in Mönchengladbach über ihre Organisationen das Mönchengladbacher Forum: "Aufstehen - Für Menschenwürde - Gegen Rechtsextremismus" zu gründen, ab dem Jahr 2007 Mönchengladbacher Bündnis: "Aufstehen: Für Menschenwürde - Gegen Rechtsextremismus". Hier zur Erinnerung einige schrecklicher Ereignisse: Duisburg (NRW) 17.03.1999, Eschede (Niedersachsen) 9.08.1999, Kolbermoor (Bayern) 15.08.1999, Dessau (Sachsen-Anhalt) 11.06.2000, Dortmund/Waltrop (NRW) 14.06.2000 sowie Greifswald 24.06.2000, Wismar 09.07.2000 und Ahlbeck 27.07.2000 (alle Mecklenburg-Vorpommern). In der Folgezeit hat sich unser Bündnis gegen Bestrebungen der Rechtsextremisten bzw. Demokratieverweigerer gestellt.

27. Januar 2017 | Gedenkstunde am „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“

Christuskirche innen KreuzDas Mönchengladbacher Bündnis: "Aufstehen! – Für Menschenwürde – Gegen Rechtsextremismus" und das "Gladbacher Haus der Erinnerung e.V. luden am Freitag, 27. Januar 2017 um 18:30 Uhr (Beginn: 18:30 Uhr) in die Christuskirche am Kapuzinerplatz ein.

Das Thema der diesjährigen Gedenkstunde lautet:

„ Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!“

Dies ist der letzte Satz aus dem Theaterstück „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“, das Bertold Brecht nach seiner Flucht vor den Nationalsozialisten im Jahr 1941 im finnischen Exil als Gleichnis zur Hitlerdiktatur geschrieben hat.

Epilog

„Ihr aber lernet, wie man sieht statt stiert Und handelt, statt zu reden noch und noch. So was hätt einmal fast die Welt regiert! Die Völker wurden seiner Herr, jedoch Daß keiner uns zu früh da triumphiert – Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!“

 

Lscher

 

Den musikalischen Rahmen gestaltete Jürgen Löscher an der Klarinette.

Titel „Erinnern gegen Vergessen“

Titel „Mahnung für Demokratie“

Ausklang

BeuchelPfarrerin Annette Beuchel begrüßte die gut 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. (Ansprache folgt)

Ansprache Probst Dr. Peter Blättler

"Erinnern gegen Vergessen"

Propst Dr. Peter BlättlerSehr geehrte Damen und Herren, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer!

Am 27. Januar 1945 - vor 72 Jahren - war die Befreiung der letzten Überlebenden im Konzentrationslager Auschwitz. Auschwitz steht für den millionenfachen Mord - vor allem an Juden, aber auch an anderen Volksgruppen. Heute ist ein Tag des Gedenkens an alle Opfer des Nationalsozialismus. Wir erinnern uns hier in unserer Stadt besonders an die Opfer aus Mönchengladbach.

Im Bundestag standen heute besonders die Euthanasieopfer im Mittelpunkt des Gedenkens. Es ging um die Vernichtung von so genanntem - nach Nazidefinition - „unwertem Leben“: Betroffene waren geistig, körperlich oder sozial Behinderte, hauptsächlich Kinder und Jugendliche, auch aus Deutschland. Diese Vernichtung wurde von den Nazis erledigt wie eine politische Vision zur "Erneuerung und Gesundung" des deutschen Volkes und war in Wirklichkeit nichts anderes als ein widerliches Verbrechen und das Ergebnis einer niederträchtigen, bösartigen und menschenverachtenden Ideologie.

Wie fühlt sich der Tag des Gedenkens heute im Jahr 2017 an? In den vergangenen Jahren hat man sich oft Gedanken gemacht, wie dieses Gedenken wach und lebendig gehalten werden kann und nicht in einem immer wieder kehrenden Ritus erstarrt. Mir geht es so - vielleicht ja auch Ihnen -, dass das in 2017 anders ist als in den letzten Jahren. Unsere Welt wird anders, rechtes und nationalistisches Gedankengut wird auch in der Politik wieder salonfähig. Wir spüren, dass das Vergessen eine neue Qualität bekommt. Ich weiß es ja nicht, aber vom Gefühl her ist es bereits kurz vor 12, um noch wach zu werden und aufzustehen. Der neuen Qualität des Vergessens muss die Erinnerung und das Gedenken entgegen gestellt werden. Mir geht es so, dass ich an diesem Gedenktag 2017 anders bewegt bin als in früheren Jahren.

Ich nenne die Stichworte, die dieses Gefühl in mir wach rufen:

  • Sorge vor Populismus verbunden mit Fakenews; bewusste Falschmeldungen werden zum politischen Stilmittel in den neuen Medien und im politischen Diskurs.

  • Die große Sorge vor neuem Rechtsextremismus und Fundamentalismus weltweit.

  • Der Anstieg eines ungebremsten Nationalismus weltweit.

  • Eine verschlechterte weltweite Sicherheitslandschaft

  • Die Vereidigung des neuen amerikanischen Präsidenten. Seine Äußerungen zu Atomwaffen und zum Klimawandel, sein Eintreten für Folter und bewusste Menschenrechtsverletzung, wenn es Amerika dient.

Papst Franziskus (zitiert im folgenden nach https://www.domradio.de/themen/papst-franziskus/2017-01-24/papst-franziskus-fordert-schonfrist-fuer-trump) gibt dem vielkritisierten neuen US-Präsidenten Donald Trump trotzdem eine Bewährungschance: "Warten wir ab, was er macht, und danach wird bewertet". Mit Kritik an Populismus hielt sich Franziskus dann allerdings nicht zurück. In Krisenzeiten suchten die Völker oft nach "Rettern", die sie "mit Mauern und Stacheldraht vor anderen Völkern" beschützen. Das sei "sehr schlimm". Als warnendes Beispiel nannte der Papst in diesem Zusammenhang das Naziregime in Deutschland: "Adolf Hitler hat nicht die Macht geklaut. Er wurde von seinem Volk gewählt und danach hat er sein Volk zerstört", sagte der Papst und fügte an: "Darin liegt die Gefahr. Das Urteilsvermögen funktioniert in Krisenzeiten nicht." Franziskus weiter: "Wir erleben zur Zeit einen Dritten Weltkrieg in kleinen Stückchen. Und in jüngster Zeit redet man über einen möglichen Atomkrieg als würde es sich um ein Kartenspiel handeln. Man spielt Karten. Und das bereitet mir die größten Sorgen."

Blttle2Der Gedenktag im Jahr 2017 ist irgendwie anders: Das Vergessen hat eine neue Qualität bekommen. Dem Vergessen wird von bestimmten Kreisen eine neue Qualität gegeben. Das Vergessen soll einen neuen Boden bereiten für eine neue Saat und die Saat, die da schon mitten unter uns gesät wird, bereitet mir mehr als Sorge! Für diese rechtsextreme Saat steht für mich beispielhaft die Rede von Björn Höcke am 17. 1. in Dresden, von der sich der AFD Vorstand distanziert hat. In dieser Rede hatte er über die „dämliche Bewältigungspolitik“ der Deutschen geklagt und eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert. Ich zitiere Höcke: "Wir Deutschen ... sind das einzige Volk der Welt, dass sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat. Und anstatt die nachwachsende Generation mit den großen Wohltätern, mit den bekannten, weltbewegenden Philosophen, den Musikern, den genialen Entdeckern und Erfindern in Berührung zu bringen, ... wird Geschichte, die deutsche Geschichte, mies und lächerlich gemacht."

Dazu passt übrigens, dass im Landtag von Baden Württemberg die AFD dafür steht, keine Klassenfahrten und Zuschüsse mehr für NS-Gedenkstätten geben zu wollen. Begründung: Die Partei will Schülern und Migranten ein „positiveres Bild Deutschlands und der deutschen Geschichte“ vermitteln. Hier wird die Distanzierung des Parteivorstandes von Höcke und seiner Dresdener Rede wieder fraglich.

Aber zurück zur Höcke Rede in Dresden: Höcke zitiert in seiner Rede Franz Josef Strauß,

der sich wohl einmal - (habe ich nicht überprüft) - mit der deutschen Vergangenheitsbewältigung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe kritisch auseinandergesetzt hat und fügt den Gedanken von Strauß das Wort "dämlich" hinzu. So legitimiert Höcke seine Botschaft von einer "dämlichen Bewältigungspolitik", die ein ganzes Volk lähmt. So wird Vergessen zu einem gefährlichen politischen Programm, das auf neue Gräueltaten hinauslaufen wird.

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

wir brauchen keine erinnerungspolitische Wende. Wir brauchen neue Impulse für eine wegweisende Erinnerungskultur, die uns nicht in rechtsextreme Sackgassen führt. In der jüdisch - christlichen Weltsicht führt "das Vergessen" meist ins Elend der alten Knechtschaft. Die Erinnerung aber - auch die Erinnerung an Leiden und Elend - führt in die Freiheit und in eine bessere Zukunft. Erinnerung wird zu einer wegweisenden Kraft, wenn sie lebendig wird. Dazu eine Erfahrung von mir: Im Jahr 2006 war ich mit Studenten in Auschwitz, wir standen still und mit einer gewissen Beklommenheit vor den Öfen dort. Dann kam eine israelische Schulklasse, Jugendliche mit Tränen in den Augen. Plötzlich waren die Öfen für uns nicht mehr nur Vergangenheit, sondern spielten hinein in unsere Gegenwart und rührten uns tief an. Erinnerung, die greifbar wird, die hineinspielt in die Gegenwart, die innerlich anrührt, die so verwandelt und zu einem Handlungsimpuls für die Zukunft wird. Dies ist - in Klammern gesagt - auch der innere Bauplan der Feier des Abendmahls/Eucharistie, die unsere abendländische Kultur tief geprägt hat. Erinnerungskultur gehört zu uns, sie prägt und verwandelt uns und wird so zum Impuls, Zukunft menschlicher zu gestalten. Der Gedenktag 2017 ist durch die politische Großwetterlage anders als sonst und darum brauchen wir wie vielleicht nie zuvor in den letzten Jahren neue Ideen und eine gemeinsame Kraftanstrengung für dieses unser Mönchengladbacher Bündnis: Aufstehen!–Für Menschenwürde–Gegen Rechtsextremismus!

Blttle3Ich zitiere abschließend einen Text von Papst Johannes Paul II, die wie ein feierliches Bekenntnis klingt: "Wir müssen uns an die Shoah erinnern, an den grausamen Plan, ein Volk zu vernichten - einen Plan, dem Millionen von Juden zum Opfer fielen. ... Um Gottes und der Menschen willen erhebe ich noch einmal tief betrübt meine Stimme und rufe: Ein solches verbrecherisches Tun darf sich nie mehr wiederholen, an keiner ethnischen Gruppe, an keinem Volk, an keiner Rasse, nirgendwo auf dieser Welt! Es ist ein Schrei, der allen gilt: allen Menschen guten Willens; allen, die an den Ewigen und Gerechten glauben; allen, die sich in Christus, dem menschgewordenen Wort, verbunden wissen. Wir alle müssen zusammenstehen. Die Würde des Menschen ist es wert. Es gibt nur eine einzige Menschheitsfamilie."

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

es gibt nicht die Deutschen und die Flüchtlinge; es gibt nicht die Deutschen und die Muslime; es gibt nicht die Deutschen und die Juden. Es gibt nur eine einzige Menschheitsfamilie. "Amerika first" sollte und darf bei uns in Deutschland keine Schule machen! Denn Deutschland zuerst, Deutschland "über" alles anderem, das hatten wir schon einmal und das brauchen wir nicht noch einmal. "Erinnern" wir uns und stehen wir miteinander auf für ein Deutschland, das das Wohl aller Menschen, der ganzen Menschheitsfamilie im Blick hat und sich weltweit für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde einsetzt.

Ansprache Superintendent Dietrich Denker

Denker1Sehr geehrte Damen und Herren,

„Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch“ – mit diesen letzten Satz des brechtschen Theaterstücks „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ hat das Mönchengladbacher Bündnis zur heutige Gedenkveranstaltung eingeladen. Das ist schon etwas provokant formuliert, bringt aber zum Ausdruck welche Sorge uns umtreibt. Allen Gedenktagen zum Trotz besteht immer und immer wieder die Gefahr, dass einmal Erreichtes verloren gehen kann und nicht sicher ist. Weil die Zeiten sich ändern und wir das Denken und Fühlen der Menschen nicht im Griff haben, werden wir immer wieder überrascht, von dem, was alles passieren kann. Was im Privatleben gilt, gilt nun auch im Großen: Trump als Präsident, Großbritannien nicht in der EU..., islamistischer Terror, Ängste vor Wohlstandsverlust und Überfremdung... Irgendwie scheint alles im Umbruch zu sein und unsicher.

I. „Deutsche Zustände“

Zugleich aber, wenn man genau hinsieht, geht es uns in unserem Land sehr gut. Es ist Arbeit da, Wohlstand, gesellschaftliches Engagement. Freiheit.... Und doch sind die „Deutschen Zustände“ im permanenten Wandel. In einer Langzeitstudie mit diesem Titel „Deutsche Zustände“ wird der Zusammenhang zwischen sozialen und ökonomischen Verhältnissen und der Entwicklung von Vorurteilen gegenüber gesellschaftlichen Minderheiten in Deutschland untersucht. Ich möchte jetzt keine Studie referieren, stelle aber fest:

Ein gutes gesellschaftliches Miteinander und ein wohltuendes Klima zwischen den unterschiedlichen Gruppen in unserem Land im Sinne der Werte unseres Grundgesetzes versteht sich nicht von selbst. Vielmehr ist es immer auf vielfältige Weise bedroht.

Es wichtig, dass an Gedenktagen wie dem heutigen, einerseits erinnert wird an das, was geschehen ist, und andererseits darüber nachgedacht wird, was getan werden kann und muss, damit unsere Demokratie, wie wir sie von unseren Gründertagen her kennen, ihr Profil, ihre Werte und ihre Grundlagen behält.

Foto: Superintendent Dietrich DenkerZur Erinnerung:


Roman Herzog hat 1996 diesen nationalen Gedenktag proklamiert und eingeführt. Der 27.1.1945 ist der Tag, an dem die Soldaten der roten Armee die Überlebenden des KZ Auschwitz-Birkenau befreit haben. Dieser Tag sollte und ist zum Gedenktag geworden für alle Opfer während der Zeit des Nationalsozialismus. In seiner Gedenkansprache zu diesem Tag bringt der Bundestagspräsident Norbert Lammert 2008 die Vielzahl der Opfer auf den Punkt, in dem er beschreibt wer alles zu diesen Opfern gehört: „Juden, Christen, Sinti und Roma, Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende sowie Männer und Frauen des Widerstandes, Wissenschaftler, Künstler, Journalisten, Kriegsgefangene und Deserteure, Greise und Kinder an der Front, Zwangsarbeiter und an die Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden.“

Dass ein solches Totalversagen aller Menschlichkeit und der Achtung der Würde des Menschen sich niemals wiederholen, und dass die Opfer nicht vergessen sind, ist der Grund, warum auch wir heute hier zusammengekommen sind.

Roman Herzog sagte 1996:

„Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“

Um der Gefahr der Wiederholung der Schuld und der Fehler in unserer Geschichte entgegen zu wirken, braucht es eine stabile und wehrhafte Demokratie. Die allerdings lebt davon, dass sich die Menschen, sprich das Volk, aktiv an den demokratischen Entscheidungs- und Meinungsbildungsprozessen beteiligen. Dabei müssen auch komplexe Zusammenhänge in den Blick genommen und erklärt werden können. Das braucht sicher Zeit, aber die müssen sich alle, Medien, Politik und Bürger nehmen. Nur wer den gesellschaftlichen Diskurs sucht, hinhört, mitdenkt und nachdenkt, kann von sich sagen. Ich bin auf der Suche nach dem richtigen Weg. Was uns lieb und wert ist, darum gilt es sich auch zu mühen.
Eine Demokratie lebt davon, dass Menschen sich engagieren und einsetzen für Meinungen und Ansichten und um Wählerstimmen für ihre Meinungen und Ansichten werben.

Darin liegt zum einen die Chance und zum anderen auch das Risiko unserer Demokratie. Wenn mit einfachen Parolen und populistischen Schlagwörtern Wählerstimmen gewonnen werden, geht der Diskurs verloren. Nicht einmal die Suche nach der Wahrheit ist dann noch erforderlich. Entscheidend ist nur, dass das, was man sagt, gefällt und eingängig ist. Ob es stimmt ist zweitrangig. Wenn postfaktische Erkenntnisse plötzlich entscheidend sind für Wählerstimmen müssen die Alarmglocken der Demokraten läuten.

Das hatten wir nämlich schon mal:

Aggressiver Antisemitismus, eine radikalen völkische und rassistische Weltanschauung, Verachtung des Parlamentarismus und der politischen Parteien der Weimarer Republik. Eine Wirtschaftskrise, in der „postfaktisch“ die Schuldigen auch schnell gefunden wurden. Nationalisitsche Problemlösungsstrategien, die sich gut verkaufen und bewerben ließen und zwar unabhängig davon, ob das, was gesagt und behauptet wurde, Hand und Fuss hat oder nicht.

Wie schnell ist es auch damals zur Mobilisierung von „Nicht-Wählern“ gekommen. Zugleich gab es auch eine starke Wählerbewegung weg von den etablierten Parteien, weil man denen die Lösung der anstehenden Probleme nicht mehr zutraute. So ist es dazu gekommen, dass Hitler demokratisch gewählt wurde.

Und heute? Die Verachtung des sogenannten „politischen Establishments“, die Lügenpresse, „Merkel muss weg“-Parolen. Eine aggressive Stimmung gegen Menschen islamischen Glaubens und Flüchtlinge sowie Migranten. Ein Flucht- und Migrationsproblem in Europa, die Sorge um unser Hab und Gut und die Werte, die bei uns gelten sollen... Schuldige sind hier auch wieder schnell gefunden. Und schwindendes Vertrauen in die etablierten Parteien, die keine schnellen Antworten parat haben für die komplexen Probleme unserer Zeit, kennen wir auch zur Genüge.

DESHALB: AUFGEPASST!

Mit der Mobilisierung der „Massen“ haben die Pegida-aktivisten und wir bereits Erfahrungen gemacht. Ein Narr, wer meint, die Gefahren von früher seien heute ausgemerzt. „Der Schoss ist fruchtbar noch aus dem das kroch.“ Nun waren die rechtspopulistischen Aufmarschführer unserer Tage hier und da erfolgreicher, als wir es gedacht haben. An vielen Orten waren und sind sie aber auch entsprechend erfolglos, weil die Demokraten in unserem Land wachsam sind und die Wölfe im Schafspelz entlarvt haben. Bündnisse wie unser Mönchengladbach Bündnis und auch MSSQ (Mönchengladbach stellt sich quer) sind da sehr aufmerksam. Dieser offene und deutliche und von allen demokratischen Kräften gemeinsam praktizierte Widerstand ist bitter nötig. Damit schützen wir unsere Demokratie.

Niemand sollte sich dem Gedanken hingeben die „Höckes“ unserer Zeit seien parlamentarisch einzufangen. Es ist ein Trugschluss zu glauben, das, was sie sagen, würden sie nicht tun. Sind sie einmal an der Macht, tun sie, was sie sagen. Meistens halten sie, was sie versprechen. Wer Hitlers „Mein Kampf“ gelesen hatte, konnte wissen, was passiert. Und es war ein Irrtum der Geschichte zu glauben, so schlimm kommt es nicht.

Ganz gleich, in welcher Weise und mit welchen Inhalten Menschen mit radikalen Ansichten unterwegs sind, sie tun meistens das, was sie sagen. Wir sehen es auch daran, wie Trump seine Wahlversprechen einlöst.

Wachsamkeit und das rechtzeitige Aufstehen gegen Unrecht und populistische Welterklärer jeglicher Couleur sind das Gebot der Stunde. Rechte und linke aber auch religiöse Populisten haben das Zeug mit einfachen Parolen Menschen zu verführen. Diese Gefahr zu kennen und dagegen anzugehen und zwar auch mit Demonstrationen und öffentlichen Kundgebungen ist wichtig. Der Chor der Stimmen der Vernunft, der das Lied von der Achtung der Würde des Menschen und der Gleichheit jedes Menschen vor dem Gesetz unabhängig seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen, singt, dieser Chor kann gar nicht laut genug sein.

Unsere Demokratie braucht Menschen, die für sie streiten und sich den komplexen Fragestellungen unserer Tage widmen. Sie braucht Menschen, die es sich antun, diese Zusammenhänge immer wieder zu erklären und dann auch noch die Bereitschaft mitbringen Verantwortung zu übernehmen. Von daher ist der Job, den unsere Mandatsträger und –trägerinnen und Politikerinnen und Politiker der demokratischen Parteien machen, gar nicht hoch genug einzuschätzen. Gut, dass Sie sich hier engagieren für den demokratischen Zusammenhalt in unserem Land auf der Basis unseres Grundgesetzes. Ich hoffe, Sie erhalten in allem Streit um die politischen und gesellschaftlichen Positionierungen je und je auch die ihnen zustehende Wertschätzung.

Und auch das lehrt uns die Geschichte:

Populistischen Quertreiber und Welterklärer sind nur schwer zu bremsen.

Leider ist es so, dass sich politische Minderheiten durch ihre Radikalisierung bedeutungsvoller und einflussreicher machen als sie es wirklich sind.

Auch wenn Vergleiche immer hinken, ich möchte diesen Effekt einmal mit einer Situation vergleichen, die sie alle kennen:

Da hat eine Familie drei Kinder, bei zweien läuft alles prima, da ist aber das dritte Kind, das immer Probleme macht. Das „schwarze Schaf“ in einer Familie gewinnt die meiste Aufmerksamkeit und hat großen Einfluss auf das Gesamtgefüge in der Familie. Man fragt sich: Warum macht unser Kind das? Warum ist es so? Und man überlegt: Was kann ich ändern? Wie kann ich unserem Kind entgegenkommen? Manchmal ist dieses Entgegenkommen falsch. Es ist falsch, wenn dabei Grundprinzipien aufgegeben werden, die für das Zusammenleben und das faire Miteinander in einer Familie eigentlich richtig und wichtig sind. Das Kind lernt, wenn ich nur unbequem genug bin, bekomme ich am Ende, was ich will.

Ja: Verständnis entwickeln für die Ängste der Menschen vor Überfremdung oder Wohlstands- und Werteverlust,
sich fragen, was treibt die Pegida-Aktivisten auf die Straße und Wählerinnen und Wähler zur AfD,
sich fragen, was müssen wir vielleicht auch ändern... –
solche Fragen sind wichtig.

Aber man muss darauf achten, damit nicht denen auf den Leim zu gehen, die zu verstehen man bemüht ist. Am Ende besteht die Gefahr des Verrats an den eigenen Werten und Grundprinzipien.

Die Tatsache, dass sich eine Minderheit in der Gesellschaft medienwirksam mit radikalen Taten und Überzeugungen positioniert, birgt für die etablierten Parteien die Gefahr in sich, dass Meinungen, Gefühle und Behauptungen, die zur Radikalisierung von Menschen beitragen, von ihnen nun selbst, ohne Faktencheck als berechtigt wahrgenommen werden. Schnell werden diese dann auch als Begründungszusammenhang für eigenes Umdenken ins Feld geführt.

II. Demokratie stärken

Wie also kann man dieser Gefahr wehren und unsere Demokratie und das Wertesystem unseres Grundgesetzes schützen?

Drei weiterführende Impulse – es gäbe sicherlich mehr – möchte ich hier kurz aufgreifen. Ich habe sie den „Leitmotiven politischer Bildung“ entnommen, wie sie in der Studie: „Gespaltene Mitte – Feindselige Zusta¨nde, Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2016, formuliert werden. (Herausgegeben wurde die Studie fu¨r die Friedrich-Ebert-Stiftung von Ralf Melzer. Der Text ist im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.)

1. Anerkennung des zivilgesellschaftlichen Kapitals

Es gibt ein breites gesellschaftliches Bündnis von Menschen, die sich einsetzen und ehrenamtlich mitarbeiten in der Hilfe für Flüchtlinge, Migranten und überhaupt Menschen, die Hilfe benötigen. Es gibt die Vielen, die offen und zugewandt den Menschen begegnen. Hilfsbereit und mit Liebe zum Nächsten. Sie übernehmen Verantwortung dafür, dass die Würde des Menschen, die im Gesetz steht, auch erfahren wird. Sie sorgen dafür, dass Menschen die Erfahrung machen wertgeschätzt zu sein und Hilfe zu finden. Sei es bei Arztbesuchen oder der Wohnungssuche. In Kirchen, Parteien, „care communities“ und Stadtteilen tragen Menschen dazu bei, das Leben von Flüchtlingen und Migranten würdevoll zu gestalten. In der Erwachsenenbildung in unserer Stadt wird schon im Miteinander verschiedener religiöser und kultureller Organisationen in gemeinsamen Projekten viel getan für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Es ist ja doch so, dass die Menschen in aller Verschiedenheit eigentlich nur ein gelingendes, gemeinsames und gutes Leben suchen.

Diese Kapital an Herzenswärme und Hilfsbereitschaft und politischer Bildung muss unsere Gesellschaft wertschätzen und fördern. Auch finanziell! Das trägt zum Gelingen und zum Erhalt unserer Demokratie bei.

2. Zivilgesellschaftliche Bildung ermöglichen und für Konflikte fit machen

Zu dieser Bildung gehört es, die Komplexität der Zusammenhänge deutlich zu machen und immer wieder zu erklären. Ein Beispiel:

Die Mütter und Väter unseres Grundgesetztes haben gewusst, was sie taten und warum sie z.B. in Artikel 3 formulierten:

Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ (3) „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.

Das heißt dann: Auch das Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung, Meinungsäußerung und Religionsausübung... oder der Schutz der Familie und die Unverletzlichkeit der Wohnung gilt für alle Menschen gleich.

Nun haben sich seit 1949 die Zeiten gewandelt. Wir stehen vor der Situation, dass es nicht wenige Menschen in unserem Land gibt, die sagen, diese Rechte des Grundgesetzes sollen nicht für alle Menschen gelten. Wir müssen sie begrenzen auf die Menschen in unserem Land. Und wir müssen darauf achten, dass nicht so viele in unser Land kommen, denen wir dann diese Rechte zuerkennen müssten, sonst würden wir sie auf diesem Wege selbst verlieren.

Und schon ist ein Dilemma aufgezeigt: Was ist denn nun? Sind Menschenrechte teilbar und mit welchem Recht entscheiden wir, wem wir sie zuerkennen und wem nicht? Wir alle wissen, dass wir durch die Entscheidung, die Menschen in den Flüchtlingslagern der Türkei oder in Syrien oder Marokko oder anderswo in Nordafrika außerhalb unserer Grenzen und der EU auf Abstand von uns zu halten, daran mitwirken, dass Frauen und Kinder, Väter und Mütter in menschenunwürdigen Zuständen leben müssen. Und selbst an den Fluchtursachen sind wir bei genauerer Betrachtung alles andere als unschuldig. Hier gibt es keine einfachen Antworten, wenn wir die uns selbst verordneten Werte unseres Grundgesetzes ernstnehmen wollen.

Es bedarf politischer Bildung um hier für die Kontextualität unseres Handelns zu sensibilisieren. Wer die Zusammenhänge kennt, geht den einfachen Parolen nicht mehr auf den Leim. Und die in diesem gesellschaftlichen Kontext entstehenden Konflikte und Meinungsverschiedenheiten müssen eben auch ernstgenommen werden. Von daher, braucht es eine konfliktfähige Gesellschaft, die auch im Diskurs zusammenhält. Das alles müssen wir lernen und lehren! Deshalb ist die Bildungsarbeit so wichtig!

Denker33. Eine Kultur der Gleichwertigkeit schaffen

auch hier ein Beispiel:

Im Zug von Rheydt nach Köln sitzt ein 16 jähriger Jugendlicher. Die Mutter ist Deutsche, der Vater Marokkaner. Die Abstammung vom Vater sieht man ihm an. Der Zug füllt sich von Station zu Station. Es sind immer weniger Plätze frei. Und viele stehen schon im Gang. Nur der Platz neben diesem Jugendlichen bleibt frei. Erst nach einer langen Weile, nimmt eine Seniorin dort Platz, weil das Stehen doch schwer fällt. Was geht wohl im Kopf des 16-jährigen um? Weil ich so aussehe werde ich gemieden? Die Menschen haben Angst vor mir..? Das war vor zwei Jahren noch nicht so? – Ich weiß, dass es ihm sehr schwer geworden ist zu sehen, dass niemand neben ihm sitzen möchte.

Mit wem und wo wird er über seine Erfahrungen reden? Interessiert sich überhaupt jemand für ihn und das, was er fühlt? Gibt es eine Kultur der Gleichwertigkeit, in der wir das Zusammenleben der verschiedenen Menschen in unserem Land mit all ihren Vorstellungen, Lebenserfahrungen und eigenen kulturellen oder religiösen Hintergründen einüben und einander auf Augenhöhe begegnen?

„Der Kulturbegriff erscheint vielleicht auf den ersten Blick sperrig, aber er bietet eine Brücke zwischen Institutionen, Werten, Normen und Einzelinteressen von Gruppen“ so formuliert es Andreas Zick in der genannten Studie auf S.216.

Wo uns diese Kultur der Gleichwertigkeit gelingt, stärken wir unsere demokratischen Grundwerte. Wo sie uns misslingt, werden Überfremdungsängste geschürt. Wenn Demokratie funktionieren soll, muss es eine Kultur der Gleichwertigkeit auch in der Beteiligung an politischen Prozessen bis hin zu Wahlrechtsfragen geben. Auch hier kommt es darauf an, Erfahrungsräume gemeinsamen Lebens zu schaffen.

Sehr geehrte Damen und Herren, Sie merken es gibt viel, dass wir tun können. Aus der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus und dem erklärten Willen jeder Wiederholung solcher Schuld entgegen zu wirken, erwächst in uns die Erkenntnis: Wir sind es, die heute in der Verantwortung für unsere Demokratie und unsere Werte stehen. Aus dieser Verantwortung können wir uns nicht herausstehlen. Wir sind es unserem Land und den Menschen und unseren Werten schuldig, mitzuwirken und mitzubauen an einer gelebten Demokratie, die sich den Herausforderungen unserer Zeit wehrhaft zu stellen vermag. Lassen Sie uns das auch im Wahljahr 2017 gemeinsam tun.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

Alle Fotos: Torben Schulz

Dezember 2016 - Weihnachtsgruß

bgfjghfjLiebe Bündnismitglieder

Ein Jahr geht zu Ende mit all seinen Ereignissen: Erfreuliches, Bedenkliches, Ermutigendes und Enttäuschendes ist geschehen. Regierungen und Präsidenten wurden gewählt, Konflikte wurden befriedet, viele dauern weiter an. Immer noch und immer wieder ist der Weihnachtsfriede mehr Sehnsucht als Realität. Sie haben als Mitglieder des Bündnisses mitgeholfen und mitgewirkt an einem menschenfreundlichen und gastfreundlichen Mönchengladbach. Sie sind eingetreten für unser Grundgesetz und die darin verbürgten Menschenrechte. Sie haben Stellung bezogen gegen Rasissmus und jegliche Form des Fanatismus. Weil es Menschen wie Sie gibt, finden Menschen, die in unserem Land Zuflucht suchen, Obdach und Herberge. Ob die Herberge ihnen zur Heimat wird ist nicht sicher. Aber dass ihnen die Herberge sicher sein soll, dafür setzen Sie sich ein. Für dieses Engagement möchten wir Ihnen seitens unseres Bündnisses mit diesem Weihnachtsgruß „Danke“ sagen. Es ist gut, dass es Menschen wie Sie gibt, die für ein buntes und weltoffenes Mönchengladbach stehen, in dem sich Menschen unabhängig von Herkunft, Nationalität oder Religion zuhause fühlen können. Wir wünschen Ihnen am Ende dieses Jahres, dass Sie in diesen lauten und schnellen Zeiten Ruhe und Frieden finden für sich und Ihre Lieben, dass Sie Kraft tanken für die Herausforderungen Ihres Alltags, und nicht müde werden auch im Wahljahr 2017 das Gute zu tun und dafür zu streiten in unserer Stadt. Die Weihnachtsgeschichte zeigt uns einen Stall, der zur Herberge wird für Hirten, Handwerker, Weise und Könige. Hier finden wir ein ziemlich buntes und weltoffenes Szenario. Eine wunderbare und an Wundern reiche Geschichte. Im Stall von Bethlehem begegnen sich Menschen. Unabhängig von Herkunft, Nationalität oder Religion teilen sie miteinander , Hoffnung, Wärme, Licht und Leben. So kommt Gott zur Welt. Immer noch und immer wieder.

Wir wünschen Ihnen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für das neue Jahr.

Für das Bündnis

Pfarrer Dietrich Denker und Fedinand Hoeren (Bündnissprecher)

20. November 2016 - Demo-Sontag (MSSQ) gegen das Rechtsradikale Sammelsurium "Pegida"

Bildquelle: Jusos MG
Bildquelle: Jusos-MG

Rede von Heinz-Willi Körfges

(es gilt das gesprochen Wort)

Demo201116 Mittelstrae 2Liebe Anwesende, ich spreche heute nicht als Vertreter einer demokratischen Partei und nicht in meiner Funktion als Abgeordneter sondern als Bürger dieser Stadt, der stolz darauf ist, dass sich so viele Menschen zum friedlichen Protest zusammengefunden haben.

Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher religiöser Einstellung, unterschiedlicher Hautfarbe und unterschiedlicher politischer Einstellung. Aber in einem sind wir uns einig: Wir lehnen alle Versuche ab, Menschen wegen dieser Unterschiede zu diskriminieren, das Zusammenleben in unserer Stadt zu gefährden und unsere Gesellschaft zu spalten.

Intoleranz und Fanatismus dürfen keine Chance haben. Das gilt für diejenigen, die eine Weitreligion dazu missbrauchen, Hass.. Gewalt und Unfrieden zu säen. Das hat mit Religion nichts zu tun. Das ist mörderischer Fanatismus und Gotteslästerung. Und hat auch mit der Religion- von Millionen von Muslimen nichts-gemein.

Das gilt aber auch für Rechtsextreme, alte und neue Nazis, Rechtspopulisten und Nationalisten, die predigen Hass und Ausgrenzung gleichermaßen. Wir nehmen nicht hin, dass dies rechten Hassprediger unwidersprochen demonstrieren. Wir wollen, dass unsere Stadt bunt, friedfertig und tolerant bleibt und nicht intolerant braun und einfältig wird.

Wes Geistes Kind die Organisatoren der rechten Hassveranstaltung sind zeigt doch, dass sie den Totensonntag für ihre Aktion ausgewählt haben. Viele evangelische Christen haben mit Empörung darauf reagiert. Es ist nicht patriotisch sondern nationalistisch, es ist nicht christlich sondern unreligiös, es ist nicht demokratisch sondern totalitär, wenn der Versuch unternommen wird in unserer Stadt gegen Menschen mit anderer Herkunft und anderer Religion zu hetzen.

Wir sagen deutlich, haut ab, für Euch ist kein Platz in einer friedlichen, weltoffenen und toleranten Stadt. Vielen Dank an alle, die das heute gemeinsam zum Ausdruck bringen.

Rede von Ferdinand Hoeren

(es gilt das gesprochen Wort)

Demo201116 Mittelstrae 1Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, im Namen des „Mönchengladbacher Bündnisses: Aufstehen! - Für Menschenwürde – Gegen Rechtsextremismus“ begrüße ich Sie herzlich und danke Ihnen für Ihre Teilnahme und den – von meinen Vorrednern namentlich genannten Prominenten aus Rat und Verwaltung – ganz besonders. Jemand, der immer dabei war und oft zu uns gesprochen hat, lässt sich für heute durch mich entschuldigen: Pfarrer Dietrich Denker, Superintendent des Kirchenkreises Gladbach-Neuss; er ist dienstlich verhindert.

Wir demonstrieren hier und heute unter dem Motto „Islamismus und Islamophobie – Beides Scheisse!“. Wir demonstrieren Notgedrungen. Notgedrungen, weil heute Totensonntag ist. Ein stiller Trauertag, der durch das Feiertagsgesetz in Nordrhein-Westfalen genau wie Allerheiligen gesetzlich geschützt ist. Die Schutzzeiten für öffentliche Veranstaltungen gelten ausdrücklich bis 18:00 Uhr. Nun hat ein Sammelsurium von Rechtsradikalen – was für mich nicht nachvollziehbar ist – für diesen Tag vor 18:00 Uhr die Erlaubnis erhalten mit seiner religionsfeindlichen und menschenverachtenden Hetze die stille Trauer vieler unserer Mitmenschen missachtend zu stören. Damit offenbaren diese rechten Heuchler, wer sie wirklich sind.

Die selbsternannten Verteidiger des deutschen Kulturgutes und der Werte des christlichen Abendlandes. Nein, sie sind Lügner und Volksverhetzer. Wir dagegen sind für eine bunte Stadt, in der die Menschenrechte aller und unsere demokratischen Gepflogenheiten geachtet werden. Deshalb demonstrieren wir heute notgedrungen. Gleich um 15:00 Uhr findet auf dem evangelischen Hauptfriedhof – also unweit unserer nächsten Station Am Rheydter Marktplatz – ein Gedenkgottesdienst statt. Viele unserer Mitbürger werden dorthin gehen und teilnehmen, viele werden die Gräber lieber Verstorbenen besuchen, manche in großer Trauer zu erst In diesem Jahr verstorbenen. Deshalb habe ich eine große Bitte an uns: Wir werden an unseren Stationen sagen, was gesagt werden muss. Wir werden auf unserem Zug durch die Straßen unsere Meinung durch unsere Transparente zeigen. Aber wir werden unterwegs die Trauer unserer Mitmenschen achten.

Ich danke Ihnen.

Andere Presseartikel zur Demonstration

Polizei hält Rechte und Linke auseinander >>> www.rp-online.de

Bilderstrecke

Veranstaltungsreihe 2016 | Dr. Eva Högl (MdB) | Dr. Hans-Georg Maaßen (BfV-Präsident) | Prof. Dr. Beate Küpper (Hochschule Niederrhein)

Donnerstag, 10. März | Podiumsdiskussion in der Citykirche/Alter Markt

Gast: Dr. Eva Högl - MdB

Heinrichs Högl Yücksel HoerenPult Hgl2016Podium Hgl2016 1

Freitag, 23 Mai | Podiumsdiskussion in der Citykirche/Alter Markt

Gast: Dr. Hans-Georg Maaßen - BfV-Präsident

Ferdinand HoerenMaaen2016Podium1

Mittwoch, 15. Juni | Podiumsdiskussion in der Hochschule Niederrhein Mönchengladbach

Gast: Prof. Dr. Beate Küpper 

Beate Kpper 2016Stellvertretende Leitung des Institutes SO.CON

Social Concepts - Institut für Forschung und Entwicklung in der Sozialen Arbeit

 

27. Januar 2016 - Tag des Gedenken an alle Opfer des Nationalsozialismus | Citykirche

Citykirche InnenraumAm 27. Januar 1945 wurde das KZ Auschwitz‐Birkenau befreit. Im Jahr 2005 erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 27. Januar zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. In Deutschland wird bereits seit 1996 an diesem Tag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

In diesem Jahr gestalteten die Bündnismitglieder Arbeitskreis Asyl der Hauptpfarre (Rede Alex Micha), Flüchtlingsrat Mönchengladbach e.V. (Dr. Jürgen Wintgens), Gesellschaft für Christlich‐Jüdische Zusammenarbeit MG e.V. (Rede Rolf Hock), Theo‐Hespers‐Stiftung e.V. (Rede Ferdinand Hoeren) und Jürgen Löscher (Dozent für Klarinette und Saxophon an der Kreismusikschule in Viersen), Dietrich und Dirk Hespers (Gitarre/Gesang) die Gedenkstunde in der Citykirche am Alter Markt

Uwe ReindorfJürgen LöscherUwe Reindorf (Citykirche) begrüßte die rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, unter denen auch Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners weilte.

Nachbericht RP-Online > http://www.rp-online.de

 


Redebeitrag von Fedinand Hoeren (Theo-Hespers-Stiftung e.V.) zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Bundespräsident Roman Herzog hat den 27. Januar zum Tag des Gedenkens an alle Opfer des Nationalsozialismus erklärt, um – wie er geschrieben hat - „eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt und jeder Form der Wiederholung entgegenwirkt“.

Wir gedenken hier und heute der 6 Millionen, die ermordet worden sind, lediglich weil sie Juden waren, und ebenfalls der vielen Millionen anderer unschuldiger Opfer. Wir trauern über das unsägliche Leid der Opfer.  Wir sind entsetzt  und erschrocken über die grauenvolle Bestialität, zu der Menschen fähig sind.

Wie konnte es dazu kommen.

Ferdianand HoerenDie deutschen Wählerinnen und Wähler  wählten bei der Reichstagswahl 1932 die Nationalsozialisten zur stärksten Fraktion im Reichstag. Im Januar 1933 ernannte Reichspräsident von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzel.

Schon wenige Tage danach leitete Hitler seinen Weg zur absoluten Machtergreifung ein, indem er damit begann, seine politischen Gegner auszuschalten und einzusperren: Zuerst die Kommunisten.

Nach dem Ermächtigungsgesetz im April 1933, das praktisch alle demokratischen Gesetze außer Kraft stellte, waren auch die Sozialdemokraten vogelfrei.

Von Mai bis Juni 1933 schaffte es die NSDAP, die Gleichschaltung der gesamten Bevölkerung einzuleiten. Die Gewerkschaften wurden aufgelöst, die Presse wurde unter Kontrolle gesetzt, alle Bücher unliebsamer Schriftsteller wurden öffentlich verbrannt und die Kunstwerke moderner Künstler wurden als „Entartete Kunst“ beschlagnahmt.

Trotz Abschluss des Reichskonkordates im Juni 1933 wurden sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche bespitzelt und in ihrer Arbeit zunehmend eingeengt.

Nach einem knappen Halbjahr hatte der Weg in die Barbarei begonnen.

Hitler hatte während seiner Haftstrafe 1923/24 seine Weltanschauung und seine Ziele in seinem Buch „Mein Kampf“ für alle offen gelegt. Im Mittelpunkt steht seine „Rassenlehre“. Danach gäbe es höherwertige und minderwertige Rassen. Nur die „arische „ Rasse hätte in der Geschichte die großen Leistungen erbracht. Der Kern dieser „arischen“ Rasse seien die Germanen, aus denen als Kernvolk die Deutschen hervorgegangen wären. Aus dieser Gleichstellung „arisch-germanisch-deutsch“ leitete Hitler einen Anspruch der Deutschen auf eine Führungsrolle in der Welt ab.

Diesen Rassenwahn haben die Nationalsozialisten ab der zweiten Hälfte 1933 Schritt für Schritt konsequent umgesetzt. Schließlich führte er 1939 zum Überfall auf Polen und damit zum Ausbruch des 2. Weltkrieges mit all seinen Zerstörungen und seinem Elend und seinen millionenfachen Morden.

Hitler und seine Nazis hatten ein ganzes Volk in den kollektiven Wahnsinn geführt.

Auch in unserer Stadt haben wir weit über 1 400 Opfer des Naziterrors zu beklagen. Mehr als 600 waren deutsche Juden, über 500 waren Euthanasieopfer und über 200 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Die Zahl der Sinti- und Romaopfer aus unserer Stadt sind nicht bekannt.

Als Opfer bekannt sind jedoch 10 katholische Priester, Nonnen und Mönche und 15 Opfer der evangelischen Bekennenden Kirche sowie 10 Deutsche aus politischen Gründen; der bekannteste ist Theo Hespers.

Es wurden also 39 wegen ihrer religiösen oder weltanschaulichen oder politischen Überzeugung ermordet alle, anderen rund 1 400 Ermordeten aus rein rassistischen Gründen.

Nach Beendigung des 2. Weltkrieges haben sich die Vereinten Nationen gegründet und 1948 in der Una Charta die Allgemeinen Menschenrechte erklärt und damit einen Grundstein für eine bessere Welt gelegt. Ein Jahr später hat in Westdeutschland der Parlamentarische Rat 1949 das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland verabschiedet.

Ein leuchtendes Beispiel für einen Neubeginn von Gesellschaft und Staat.

Theo Hespers hatte 1938 in seiner Widerstandszeitschrift unter der Überschrift „So wollen wir Deutschland“  geschrieben:

„Die Erneuerung der Lebensverhältnisse ist aber nur dann praktisch durchführbar, wenn ihr eine neue Gesinnung zu Grunde liegt.“

Theos  Gedanken zu einer neuen Gesinnung sind in unserem Grundgesetz verankert.

Leider müssen wir jedoch seit den 90er Jahren erleben, dass in Deutschland immer wieder unschuldige Menschen aus rassistischen oder religiösen oder menschenverachtenden Gründen verleumdet, bedroht, angegriffen und sogar ermordet worden sind.

Und die Verunsicherung großer Teile unserer Bevölkerung wächst einerseits durch Terroranschläge und andererseits durch die bisher noch nicht gelösten Probleme infolge der rund  1 Million Flüchtlinge.

Diese Unsicherheit wird verstärkt von denjenigen, die schon immer eine andere Republik wollten, indem sie Hass schüren, um daraus Nutzen für ihre Ziele zu ziehen.

Den tieferen Ursachen – warum Menschen fliehen – nämlich den Stellvertreter-Kriegen in den muslimischen Ländern und der bittersten Armut von Menschen in vielen Teilen der Welt steht die internationale Politik bisher ohne ein geschlossenes und überzeugendes Konzept gegenüber, jedoch leider oft mit scheinheiligen Erklärungen.

Derweil tönen die Rechtsradikalen und Rechtsextremisten aller Couleur immer lauter und dreister mit ihren menschenverachtenden Parolen.  Dabei bieten sie ihre einfachen Lösungen wohlfeil an, die jedoch alle die Probleme verschärfen würden. Dabei schrecken sie selbst nicht vor offensichtlichen Lügen zurück. Und sie mischen sich immer mehr unter die verunsicherten Bürgerinnen und Bürger.

Sie instrumentalisieren Pegida für ihre Ziele und übernehmen sie damit. Und wenn sie dann zum Beispiel „Lügenpresse“ schreien, zeigen sie ihr nationalsozialistisches Gesicht, denn „Lügenpresse“ war ein Kampfruf der Nazis in den 30er Jahren.

Ja, unsere momentane gesellschaftpolitische Situation ist schwierig, aber sie ist lösbar und zwar mit menschenwürdigen  Mitteln und auf menschenachtende Art.

Ich erinnere an den vorhin zitierten Ausspruch von Theo Hespers bezüglich der Erneuerung der Lebensverhältnisse; er gilt auch für die Verbesserung der Lebensverhältnisse. Ja, wir können die Probleme lösen, wenn wir dem Geist unseres Grundgesetzes treu bleiben und entschlossen danach handeln, denn das – und genau das - sind wir den Opfern des Nationalsozialismus schuldig.   

Redebeitrag von Alex Mischa (Arbeitskreis Asyl der Hauptpfarre) zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus und aktuellen Flüchlingssituation in Deutschland und Europa

Alex MichaLiebe Damen und Herren,

erlauben Sie mir bitte, bevor ich mich meinem Thema, der "aktuellen Flüchtlingspolitik in Deutschland und Europa", zuwende, einige Worte der Erinnerung an zwei Freunde, die Ende des vorigen Jahres mitten aus ihrem rastlosen Einsatz nicht nur für die Flüchtlinge, sondern für alle zu kurz gekommenen, an den Rand gedrängten und gedemütigten Menschen in dieser Stadt herausgerissen wurden: Stephan Lingnau und Edmund Erlemann.

Der eine, Stephan Lingnau, war in unserem Arbeitskreis Asyl die entscheidende Ansprechperson für zahlreiche Hilfesuchende, die mit den schwierigen Lebensumständen einer ihnen fremden Umgebung, mit den verschlungenen Wegen des deutschen Asylrechts und den schwer verständlichen Entscheidungen einer distanziert-kalten Verwaltungspraxis nicht zurechtkamen und für ihre alltäglichen Sorgen Rat und Hilfe suchten. Da bewies Stephan Lingnau seine Sachkompetenz im Sozial- und Ausländerrecht, seine Verfahrenssicherheit im Umgang mit Ämtern und Gerichten, vor allem aber seine Empathie mit der Not der Bedrängten und seine entschiedene Bereitschaft zu helfen, wo Hilfe nötig und möglich schien. Es sind nicht wenige Menschen, die Stephan ein dauerhaftes Bleiberecht oder zumindest eine erträgliche Lebensperspektive in diesem Land und dieser Stadt zu verdanken haben.

Oder den anderen, Eddi Erlemann, brauche ich hier nicht viel zu sagen, oft genug hat er bei feierlichen Anlässen wie diesem, aber auch bei öffentlichen Aktionen des Bündnisses 'Aufstehen!" gegen Naziumtriebe auf der Straße oder vor Flüchtlingsunterkünften gesagt, was zu sagen war. Ich denke an seine Worte bei der Mahnwache vom 16.03.2013 gegen die Pro NRW-Pöbeleien vor der Flüchtlingsunterkunft Luisenthal, als er - wie eben Ferdi Hoeren - an die Greuel der Faschisten in der Todesfabrik Auschwitz-Birkenau erinnerte, denen 1 Mill. Juden und Hunderttausende Sinti und Roma zum Opfer fielen. Aber er erinnerte auch an unser großartiges Grundgesetz von 1949, das die "unantastbare Menschenwürde" zur Richtschnur allen staatlichen Handelns erklärte und mit dem Recht auf Asyl, wie der Schriftsteller Christoph Hein formulierte, ein "Mahn- und Denkmal gegen Hass und Völkermord schuf, "um das uns die Welt beneidete". Was ist von diesem Mahnmal übrig geblieben? fragte Eddi mit Blick auf die Grundgesetzänderung von 1993, die das Recht auf Asyl auf eine damals schon lauthals geforderte "Obergrenze" und auf die wirtschaftlichen Interessen des Landes zurückschnitt? Seit damals erschüttert eine Welle der Gewalt unser Land, von Hoyerswerda über Solingen und Mölln bis zu den Morden des NSU und den Brandanschlägen unserer Tage und zieht, von deutschen Sicherheitsbehörden weitgehend ungestört, eine Blutspur durch das Land. Im vergangenen Jahr hat das Bundesinnenministerium 850 Gewalttaten mit fremdenfeindlichern Hintergrund gezählt, viermal so viele wie im Jahr davor.

Was würden Stephan und Eddi heute sagen? habe ich mich bei der Vorbereitung dieses Redebeitrags gefragt. Vor allem hätten sie auf das grundsätzliche Missverständnis verwiesen, bei Einwanderung und Flucht handele es sich um eine Ausnahmesituation, bei der eine Mehrheitsgesellschaft - unabhängig von ihrer Willkommensbereitschaft - auf eine segregierte Zuwanderergruppe stoße, die sich - unabhängig von ihrer Größe - als "dazu gekommen", am Rande stehend, "marginalisiert" zu verstehen habe. Bei diesem Missverständnis liegt es nahe, von "Krisensituationen" zu sprechen, sich gegen die "Krise" zu wappnen und Abwehrmechanismen zu organisieren. Das Gegenteil ist aber richtig: Migration ist keine einmalige "Krise", sondern eine dauerhafte Erscheinung, die sich in einer globalisierten Welt durch alle Gesellschaften zieht oder, wie die Migrationsforscherin Manuela Bojadzijev formuliert, ein "Passepartout", ein "durchgehendes" Merkmal moderner Gesellschaften im wörtlichen Sinn. Wir treffen auf dieses Phänomen überall auf der Erde, wo Kriege, Hungersnot und andere Katastrophen die Menschen bewegen, um ihr nacktes Leben zu retten, die Heimat zu verlassen und dorthin zu ziehen, wo ihnen ein einigermaßen erträgliches, friedliches, vom täglichen Überlebenskampf entlastetes Leben möglich scheint. Ich frage uns alle: Wer von uns würde nicht aus einem Bürgerkriegsland wir Syrien, in dem seit Ausbruch des Krieges mehr als 250.000 Menschen, allein im Vorjahr 21.000 Zivilisten, darunter 2.500 Kinder, ihr Leben lassen mussten, vor Bombenterror, Vertreibung und Misshandlung fliehen? Das gilt für alle Krisenherde dieser Welt, ob im nahen oder Ferneren Osten (Syrien, Irak, Afghanistan, Jemen ...) in Afrika (Eritrea, Somalia, Südsudan, Mali, Burkina-Faso ...) in Süd- und Mittelamerika oder Ostasien: Millionen und Abermillionen machen sich Tag um Tag auf den verzweifelten Weg - über Minenfelder, Meere und Grenzzäune hinweg, um ihr Leben und das ihrer Familien zu retten.

Die "Lösungen" der falsch verstandenen "Krise", wie sie sich die europäische und deutsche Asylpolitik ausdenken, sind nichts anderes als Ergebnisse einer Vogel-Strauß-Politik: Kopf in den Sand, ohne uns oder an uns vorbei, Grenzzäune, Frontex-Einsätze im Mittelmeer, Push-back-Operationen in der Ägäis, Auslagerung der Probleme, d.h. doch der Menschen, in Auffanglager am Rande Europas, die man mit selten-offenem Sarkasmus "Hotspots" nennt, kostenträchtige Vereinbarungen mit windigen Regierungen, damals mit Gaddafi, heute mit den nicht minder fragwürdigen Vertretern eines "failed states" in Libyen, mit dem neuen türkischen Sultan Erdogan, der mit der Bombardierung Kurdischer Orte und Unterdrückung der kurdischen Minderheit seinerseits Fluchtursachen schafft. Der Fantasie in diesem ebenso abstoßenden wie hilflosen Abschreckungsszenario sind keine Grenzen gesetzt, auch nicht in Deutschland: Nachdem sich die Dublin-Regelungen, mit denen sich die Mitte Europas auf Kosten der südlichen Erstaufnahmeländer wie Griechenland und Italien die Zuwanderungsprobleme vorn Hals schafften, vor dem unaufhaltsamen Migrationsschub als unwirksam erwiesen, verfiel die deutsche Flüchtlingspolitik auf den Trick der sogenannten "sicheren Herkunftsländer" und definierte die Balkanstaaten Serbien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina und Albanien, Länder, in denen die Rechte von Minderheiten, vor allem der Sinti und Roma, mit Füßen getreten werden, kurzerhand zu Oasen der Rechtsstaatlichkeit und des friedlichen Zusammenlebens. Die ganze Verlogenheit dieser Auslagerungsstrategie belegen neuerliche Vorstöße, das "Qualitätssiegel" der "sicheren Herkunftsländer"auch nordafrikanischen Staaten wie Algerien und Marokko zuzusprechen, wo Flüchtlinge aus den Subsaharaländern wie Freiwild behandelt, ausgeplündert und weit von menschlichen Ansiedlungen entfernt in die Wüste verfrachtet und dort ihrem Schicksal überlassen werden.

Die unselige Trennung in "gute" und "schlechte", Bürgerkriegs- und "Wirtschaftsflüchtlinge" spielt die Hintergrundmusik zu der erneut forcierten Abschiebungspraxis, die einigen, wie dem CDU-Generalsekretär Tauber, nicht weit und schnell genug geht: "Wir brauchen 1.000 Abschiebungen täglich", fordert er in einem RP-Interview vom 13. Januar, als ob es um die Einhaltung von Produktionsziffern ginge, und mahnt: "Hier müssen NRW und Rheinland-Pfalz deutlich nachlegen." Und wenn das alles nicht reicht, müssen eben die "Anreize" geschliffen werden, etwa eine menschenwürdige Unterbringung oder die Aussichten auf zügige Arbeitsaufnahme oder Möglichkeiten des Familiennachzugs, der für die sogenannten "subsidiären Schutzberechtigten" (auch dies eine definitorische Glanzleistung!), z.B. aus dem Irak oder Afghanistan, für zwei Jahre ausgesetzt wird, oder schließlich die Unterstützungsleistungen zum Lebensunterhalt nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, die sich in entmündigende und demütigende Sachleistungen umwandeln oder - den jüngsten Vorschlägen des Bundesfinanzministers zufolge - deutlich in Richtung Hungerlohn absenken lassen.

Das alles, so schäbig es auch ist, verfolgt nur den einen Zweck, den Flüchtenden den hiesigen Aufenthalt "unattraktiv',' d.h. so unerträglich zu machen, dass sie "freiwillig" das Land verlassen. Aber es wird nicht greifen, um sich den Herausforderungen des "Passepartout" zu entziehen und auf einer "Insel der Seligen" einzumauern.

Aber dieser Passepartout hat noch eine zweite Funktion: Er wirkt wie ein Schlüssel zum Verständnis der inneren Verfasstheit einer Gesellschaft, wie ein Seismograph ihres zivilisatorischen Selbstverständnisses. Die Migration zwingt die Gesellschaften Europas, Farbe zu bekennen in der Frage, ob sie die Probleme der Gegenwart in gemeinsamer und solidarischer Anstrengung zusammen mit den Zugewanderten lösen oder in überlebte nationalstaatliche oder nationalistische Muster der Abgrenzung und Isolation zurückfallen wollen: Ungarn ist so ein Beispiel für den rückwärts gewandten Versuch, sich aus der gesamteuropäischen Verantwortung für ein zivilisiertes und humanes Zusammenleben herauszustellen; Polen ist auf dem besten, nein, schlechtesten Weg, die europäischen Werte zusammen mit den demokratischen Errungenschaften funktionierender Gewaltenteilung und der Pressefreiheit über Bord zu werfen; ringsum in Europa, in den Niederlanden, in Frankreich, in Dänemark und auch bei uns ist der Chauvinismus bedrohlich auf dem Vormarsch und erhält durch leichtfertige oder bösartige populistische Politikersprüche und die Brandbeschleuniger in den "sozialen" Medien Schützenhilfe und scheinbare Legitimität.

Europa bietet in der Frage der Verteilungsprozedur von Flüchtlingsquoten gerade ein erbärmliches, beschämendes Bild, das die Frage aufwirft, ob die Verleihung des Friedensnobelpreises für seine Verdienste um die Menschenrechte und den Frieden nicht zu Unrecht oder zumindest zu früh erfolgte.

Um zum Ausgangspunkt meiner Überlegungen zurückzukommen: Menschen wie Eddi und Stephan, die sich um eine Wahrung der "unantastbaren Menschenwürde", um die Überwindung der angstbesetzten Spaltung in Hiesige und "Fremde", um eine humanere Form des Zusammenlebens, um ein respektvolles Miteinander und die Bereitschaft zu schwierigen, gelegentlich auch verstörenden und konfliktreichen wechselseitigen Lernprozessen bemühen, werden von den Schreihälsen auf Pegida—Niveau gern als naive "Gutmenschen" verunglimpft. Nachdem dieser rechte Kampfbegriff es nun mal zum Unwort des Jahres 2015 geschafft hat, nehme ich mir die Freiheit, allen Pegidisten, Mögidisten und sonstigen Hasspropagandisten, die nationalistische Hetzparolen mit Argumenten verwechseln, aus tiefster Seele zu sagen: "Ich bin stolz, ein Gutmensch zu sein."


Redebeitrag von Rolf Hock (Gesellschaft für Christlich-Jüdische-Zusammenarbeit e.V.)) - Unsere Verantwortung

Rolf HockWir haben die Beschreibung der Not der Flüchtlinge gehört. Was hat dies mit unserem heutigen Holocaust-Gedenktag zu tun?

2005 begann die Zeit der 3ten Nachkriegsgeneration. Ich gehöre zur 1ten Nachkriegsgeneration und habe in der Schule gelernt, dass ich nicht persönlich schuldig, aber vor der Geschichte verantwortlich bin, ob ich aus diesem Schandfleck unserer Geschichte positive Lehren gezogen habe, um mich den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen besser zu stellen.

In seiner Rede zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels berichtet Navid Kermani von Pater Jaques und Pater Paolo aus Qaryatein in Syrien. Sie halfen in diesem kleinen Örtchen allen Menschen ohne Unterscheidung bzgl. ihrer Religion. Die Christen waren in diesem Ort in der Minderheit, so dass sie auch viel Besuch von Muslimen bekamen. Deshalb hatten sie für die Muslime einen eigenen Raum in der Klosterkirche zum Beten eingerichtet. Es gelang ihnen, dass die gegnerischen Gruppen sich darauf einigten alle schweren Waffen aus diesem Ort zu verbannen. Eine Insel des gegenseitigen Respekts in diesem durch Bürgerkrieg gezeichneten Land. Aber beide Patres wurden vom IS entführt. Ja, später wurde der ganze Ort vom IS eingenommen und alle 200 Christen verschleppt.

Kermani begründet die Entstehung der radikalen Ideologien von IS und Alqaida mit dem Zusammenbruch der Kultur des Islams durch den Kolonialismus der westlichen Völker. Die östlichen Völker erlebten dies als Konfrontation mit einer Kultur, die offensichtlich mächtiger, erfolgreicher war als ihre eigene. Um sich selber nicht aufzugeben, ging man an die Wurzeln der eigenen Kultur zurück und stilisierte sie als Gegenmacht. So entstand ein religiöser Faschismus, ähnlich wie Deutschland nach dem Zusammenbruch des 1ten Weltkriegs sein Heil im nationalen Faschismus suchte.

Aber der Faschismus verrät durch seine Radikalität gerade die Werte, für die er vorgibt einzutreten.

In unserer Antwort auf die Herausforderung der Flut der Flüchtlinge müssen auch wir aufpassen, dass wir unsere Werte nicht verraten. Stammtisch Parolen, die auf Abschottung und Ausgrenzung setzen, wie sie leider auch Politiker vertreten, widersprechen unserem Selbstverständnis als offener und Dialog orientierter Gesellschaft.

Es ist sicherlich erforderlich, dass wir für die anstehende Aufgaben auch institutionelle Rahmenbedingungen schaffen müssen. Vielleicht müssen auch einzelne Gesetze und Bestimmungen der geänderten Situation angepasst werden. Aber dabei ist dann wichtig, kritisch zu überprüfen, welche Freiheitseinschränkungen wir dem Staat zugestehen. Als Lehre aus unserer Geschichte müssen wir beherzigen, dass Hitler ganz legal an die Macht kam und auch die Ausgrenzung der Juden durch Gesetz und Verordnungen im Detail regelte, so dass ein Adolf Eichmann sich im Prozess darauf zurückziehen konnte er habe nur seinem Amtseid entsprechend gehandelt.

Die in unserem politischen System verankerte Freiheit ist ein hohes Gut, um das uns viele Staaten beneiden. Aber Freiheit muss auch positiv gestaltet werden und das erfordert Anstrengung und Engagement. Gruppen, die auf die da Oben schimpfen und lamentieren, dass die alles falsch machen, aber sich selber nicht engagieren, bleiben in einer kindlichen Anspruchshaltung. So gesehen ist die Pegida- Bewegung ein Fortschritt gegenüber dem dumpfen Gemaule im Untergrund. Wichtig wäre nun, sie zu einem politischen Dialog herauszufordern, wie Minister Gabriel es versuchte. Die Angst, sie dadurch aufzuwerten, kann nur durch das Vertrauen auf die besseren Argumente bewältigt werden.

Damit diese Auseinandersetzung auch fruchtbar geführt werden kann, brauchen wir eine kritische Öffentlichkeit, die nicht von hysterischen Showveranstaltungen, sondern differenzierenden Argumenten geprägt ist. Wir müssen lernen, kritisch darauf zu achten, ob die Redner, Politiker sich konstruktiv um Lösungen bemühen oder mehr auf die öffentliche Selbstdarstellung achten. Hier sind auch die Medienvertreter gefordert, dies kritisch aufzuzeigen und nicht nur ängstlich auf die politische Korrektness zu achten. Hierzu bedarf es des Muts, für die eigene Überzeugung einzustehen und hierfür evtl. kritisiert zu werden.

Als Antwort auf die Ereignisse in Köln formieren sich jetzt „Bürgerwehren“. Dabei machen diese doch nur öffentlich, was sich in unserer Gesellschaft falsch entwickelt hat. Das Problem, dass bestimmte Gruppen das Gewaltmonopol des Staates nicht mehr ernst nehmen, betrifft nicht nur die Nordafrikaner auf dem Domplatz. Deutsche Hooligans gibt es genauso und für die Ausschreitungen bei Fußballspielen gibt es seit Jahren Programme und Bemühungen zur Prävention. Dass Kriminelle über die von deutschen Gerichten verhängten Strafen lachen, wie der Vorsitzende der NRW-Gewerkschaft der Polizei in der ARD-Sendung schilderte, ist ein Armutszeugnis für unsere Gerichte. Es darf nicht sein, dass es in Deutschland No-Go-Areas gibt, dass es rechtsfreie Räume gibt, in denen Subkulturen ihre eigenen Gesetze mit Gewalt durchsetzen. Das dürfte nicht sein, aber es ist wichtig, die Ereignisse von Köln als Weckruf für dieses ungelöste Problem zu verstehen.

Die Ereignisse der letzten Zeit machen deutlich, wie brüchig unsere Zivilisation ist. Sie stellen uns vor eine entscheidende Aufgabe für ein gutes Fortbestehen unserer Gesellschaft. Gibt es Hoffnung? Der eingangs erwähnte Pater Jaques wurde von Muslimen aus den Händen des IS befreit. Der Dialog und Begegnung über Konfessionen und Kulturen hinweg hat hier der Bedrohung durch die brutale Gewalt stand gehalten und Früchte getragen. Wobei nicht verschwiegen werden soll, dass sich Pater Paolo und die 200 Christen immer noch in den Händen des IS befinden.

Liedvortrag: Dirk Hespers, begleitet von Jürgen Löscher

Dirk Hespers und Jürgen Löscher- ES IST AN DER ZEIT -
Die Melodie stammt von dem Amerikaner E. Bogle, der Text von Hannes Wader aus dem Jahr 1980.
***
Weit in der Champagne im Mittsommergrün
dort wo zwischen Grabkreuzen Mohnblumen blüh‘n,
da flüstern die Gräser und wiegen sich leicht
im Wind, der sanft über das Gräberfeld streicht.
Auf deinem Kreuz finde ich toter Soldat,
Deinen Namen nicht, nur Ziffern und jemand hat
die Zahl neunzehnhundertundsechzehn gemalt,
und du warst nicht einmal neunzehn Jahre alt.
Refrain
Ja, auch Dich haben sie schon genauso belogen
so wie sie es mit uns heute immer noch tun,
und du hast ihnen alles gegeben:
Deine Kraft, Deine Jugend, Dein Leben.
Hast du, toter Soldat, mal ein Mädchen geliebt?
Sicher nicht, denn nur dort, wo es Frieden gibt,
können Zärtlichkeit und Vertrauen gedei‘n,
warst Soldat, um zu sterben, nicht um jung zu sein.
Vielleicht dachtest du Dir, ich falle schon bald,
nehme mir mein Vergnügen, wie es kommt,
mit Gewalt.
Dazu warst du entschlossen, hast dich aber dann
vor dir selber geschämt und es doch nie getan.
Refrain
Soldat, gingst du gläubig und gern in den Tod?
Oder hast zu verzweifelt, verbittert, verroht,
Deinen wirklichen Feind nicht erkannt bis zum Schluß?
Ich hoffe, es traf dich ein sauberer Schuß?
Oder hat ein Geschoß Dir die Glieder zerfetzt,
hast du nach deiner Mutter geschrien bis zuletzt,
bist Du auf Deinen Beinstümpfen weitergerannt,
und dein Grab, birgt es mehr als ein Bein,
eine Hand?
Refrain
Es blieb nur das Kreuz als die einzige Spur
von deinem Leben, doch hör‘ meinen Schwur,
für den Frieden zu kämpfen und wachsam zu sein:
Fällt die Menschheit noch einmal auf Lügen herein,dann kann es gescheh‘n,
daß bald niemand mehr lebt,
niemand, der die Milliarden von Toten begräbt.
Doch finden sich mehr und mehr Menschen bereit,
diesen Krieg zu verhindern, es ist an der Zeit.
Refrain
Ja, auch Dich haben sie schon genauso belogen
so wie sie es mit uns heute immer noch tun,
und du hast ihnen alles gegeben:
Deine Kraft, Deine Jugend, Dein Leben.
***

Liedvortrag: Dietrich und Dirk Hespers (Liedtext: Moorsoldaten)Dirk und Dirk Hespers

Text: Johann Esser, Wolfgang Langhoff (1933) Musik: Rudi Goguel (1933)

Wohin auch das Auge blicket, 
Moor und Heide nur ringsum. 
Vogelsang uns nicht erquicket, 
Eichen stehen kahl und krumm. 
Wir sind die Moorsoldaten  
und ziehen mit dem Spaten  
ins Moor. 

Hier in dieser öden Heide 
ist das Lager aufgebaut, 
wo wir fern von jeder Freude 
hinter Stacheldraht verstaut. 
Wir sind die Moorsoldaten  
und ziehen mit dem Spaten  
ins Moor. 

Morgens ziehen die Kolonnen 
in das Moor zur Arbeit hin. 
Graben bei dem Brand der Sonne, 
doch zur Heimat steht der Sinn. 
Wir sind die Moorsoldaten  
und ziehen mit dem Spaten  
ins Moor.

Heimwärts, heimwärts jeder sehnet, 
zu den Eltern, Weib und Kind. 
Manche Brust ein Seufzer dehnet, 
weil wir hier gefangen sind. 
Wir sind die Moorsoldaten  
und ziehen mit dem Spaten  
ins Moor. 

Auf und nieder gehn die Posten, 
keiner, keiner kann hindurch. 
Flucht wird nur das Leben kosten, 
Vierfach ist umzäunt die Burg. 
Wir sind die Moorsoldaten  
und ziehen mit dem Spaten  
ins Moor. 

Doch für uns gibt es kein Klagen, 
ewig kann's nicht Winter sein. 
Einmal werden froh wir sagen: 
Heimat, du bist wieder mein. 
Dann ziehn die Moorsoldaten  
nicht mehr mit dem Spaten  
ins Moor!

 

8. Januar 2016 - Gedenkstunde an die Flucht nach Ägypten | Demonstration

Logo: MG-Heute.de„Jeder Mensch hat das Recht auf ein Leben in Freiheit und Würde. Egal woher er kommt, egal welcher Rasse, Religion oder Kultur er angehört, oder welches Geschlecht er oder sie haben. Das sind die Werte, unsere Werte und die gilt es zu leben und auch zu verteidigen. (...)

Zum Artikel aufwww.mg-heute.de

Ansprache von Ferdinand Hoeren für das Bündnis "Aufstehen!":

Wir haben uns heute hier versammelt, um ein Zeichen zu setzen für unsere abendländischen Werte und unser Grundgesetz und damit gegen jegliche Barbarei.

Meine Ansprache steht unter dem Thema:

„Wir schaffen das“ ? !

Die momentane Situation von 1 Millionen Flüchtlingen schafft ganz natürlich viele Probleme.

Und damit komme ich zum Fragezeichen hinter meinem Thema:

Erstens wollen wir die Probleme lösen und zwar menschenwürdig ?

Zweitens können wir die Probleme lösen und zwar menschenwürdig ?

Wollen wir das schaffen ?

Für alle Christen hier unter uns, in unserer Stadt und in unserem Land haben sowohl Frau Rietdorf ihre Rede und mit einem Gedicht Herr Dr. Barbers deutlich gemacht:

Wir sind verpflichtet zu versuchen, es mit allen unseren Kräften zu schaffen.

Für uns alle als Demokratinnen und Demokraten gilt Gleiches. Dabei setzten unser Grundgesetz und die Genfer Flüchtlingskonvention sehr enge Grenzen für das, was wir reglementieren dürfen.

Wenn ich dies voraussetze und dann dabei an die vielen Millionen freiwilligen Helferinnen und Helfer und die zahlreichen Hilfsorganisationen in unserem Lande denke, die Bewunderungswürdiges leisten,

jedoch auch an die vielen Kommunal- und Polizeibeamten, die weit mehr als ihre Pflicht tun, dann sage ich:

Wir wollen das schaffen !

Aber können wir das auch schaffen ?

Vorab möchte ich nochmals daran erinnern, dass wir – die Bundesrepublik – jährlich rund 500 000 Zuwanderer benötigen, um die Überalterung unserer Gesellschaft aufzufangen und damit unsere Sozialsysteme zu erhalten.

Diese Zahl haben wir in den letzten vorangegangenen Jahren eklatant unterschritten. Wir haben also Nachholbedarf und momentan rund 600 000 offene Arbeitsstellen.

Dazu

Monitor (WDR), Das Erste, 05.11.2015

Unter:

http:/www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/videodeutschlanueberfordertwaskostetdieintegration100.html

Dauer: 23 Minuten

Kurzfassung

Deutschland überfordert? Was kostet die Integration?

Rekord-Überschüsse, Rekord-Arbeitsplätze, Rekord-Rentenerhöhung. Trotzdem glauben mehr und mehr Menschen, dass Deutschland durch die Zuwanderung von Flüchtlingen auch finanziell überfordert ist. Und während die Politik über Abschottung und Obergrenzen diskutiert, wird das Thema Integration – mal wieder – auf die lange Bank geschoben. Was aber kostet die Integration von Millionen Flüchtlingen tatsächlich? Was müsste in Bildung, Arbeit, Wohnungen investiert werden? Und würde uns das tatsächlich überfordern? MONITOR-Reporter waren in ganz Deutschland unterwegs – und präsentieren die Rechnung.

Wohnraum

(Statt Massenunterkunft bezahlbarer zentraler Wohnraum)

Beispiel „Schwäbisch Gemünd“

1 Millionen Flüchtlinge benötigen 400 000 Wohnungen. Deren Bau kostet 9,7 Milliarden € - verteilt auf drei Jahre sind dies 3,2 Milliarden €.

Schulbildung

Beispiel „Hauptschule Gelsenkirchen“

Von 1 Millionen Flüchtlingen sind 174 000 schulpflichtige Kinder und Jugendliche. Ein Schulplatz kostet jährlich 7 900 €. Dies sind jährliche Gesamtkosten von 1,4 Milliarden €.

Nicht- mehr-Schulpflichtige 18-24jährige

Beispiel „Franz-Jürgens-Berufskolleg Düsseldorf“

Von 1 Millionen Flüchtlingen haben 222 000 ein Alter zwischen 18 und 24 Jahren ohne Abschluss. Ein Platz an einem Berufskolleg kostet jährlich 7 000 €. Dies sind jährliche Gesamtkosten von 1,6 Milliarden €.

Die Zwischensumme beträgt 6,2 Milliarden €.

Arbeitsmarkt

(600 000 freie Stellen)

Beispiel „Berlin und München“

Von 1 Millionen Flüchtlingen bleiben 130 000 arbeitslos. Deren Alimentierung kostet 1,3 Milliarden €.

Die Gesamtkosten betragen 7,5 Milliarden €.

Schussbemerkung

Die Bundesregierung schätzt die jährlichen Gesamtkosten zwischen 10-20 Milliarden €.

Der momentane Haushaltsüberschuss beträgt 23 Milliarden €.

Wir können das schaffen !

Wenn wir es jedoch schaffen wollen und schaffen können, dann sollten wir trotz aller Probleme, Schwierigkeiten und Irritationen weder in Angst verfallen – Angst ist ein schlechter Ratgeber – noch vorab die Schere im Kopf ansetzen – denn sie behindert die Kreativität – sondern optimistisch an die menschenwürdige Lösung der Probleme gehen mit der Überzeugung:

Wir schaffen das !

Rede von Frau Rietdorf

Gedenkstunde „Flucht nach Ägypten“

Die heutige Veranstaltung steht unter der Überschrift „Flucht nach Ägypten“. Das Mönchengladbacher Bündnis „Aufstehen! Für Menschenwürde – gegen Rechtsextremismus“ hat damit durchaus bewusst ein religiöses Thema gewählt, ein Thema, das in die jetzt ausklingende Weihnachtszeit passt. Ich bin keine Theologin, aber ich habe mich gern der Herausforderung gestellt, mich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Zuerst möchte ich die Geschichte nacherzählen, um die es geht: Der Evangelist Matthäus berichtet, dass die Weisen aus dem Morgenland den neugeborenen König der Juden suchen. Sie kommen nach Jerusalem, fragen den König Herodes und die Schriftgelehrten und ziehen auf deren Rat hin nach Bethlehem, wo der Messias geboren werden soll und wo sie das Kind finden. Herodes hat durch die Weisen von der Geburt Jesu erfahren und fürchtet um seine Macht – schließlich soll da ein König geboren worden sein. Er will das Kind töten lassen. Aber, so schreibt Matthäus, der Engel des Herrn erscheint Josef im Traum und Josef flieht mit Maria und dem Kind nach Ägypten. Dort sind sie in Sicherheit, während Herodes, ganz Machtmensch und Gewaltherrscher, in Bethlehem ein fürchterliches Massaker anrichten und alle Kinder, die jünger als zwei Jahre sind, töten lässt. Die Heilige Familie bleibt in Ägypten, bis Herodes gestorben ist, erst dann kehren sie zurück.

Die Geschichte von der Flucht nach Ägypten reiht sich ein in zahlreiche Fluchtgeschichten, von denen die Bibel berichtet. So ziehen die Kinder Israel nach Ägypten, als in ihrer Heimat eine Hungersnot herrscht. Später fliehen sie aus dem Land, weil sie dort als Sklaven leben müssen und diese Flucht wird zum identitätsstiftenden Ereignis schlechthin, denn sie erfahren, dass Gott selbst sie führt. Auch Josef wird beauftragt zu fliehen und sich und seine Familie vor dem mörderischen Machtanspruch des Herodes in Sicherheit zu bringen. Und mit Jesus ist Gott selbst auf der Flucht.

Die Flucht selbst ist also immer wieder ein Mittel des Überlebens. Jesus ist ein Flüchtlingskind, wie es in einem Gedicht, das wir gleich noch hören werden, formuliert ist. Aber er hat die Flucht überlebt, er hat Sicherheit gefunden in einem Land, das ihn und seine Familie – anscheinend ohne zu fragen, jedenfalls wird nichts von Grenzkontrollen oder Asylanträgen berichtet – aufnahm. Im Gegensatz dazu steht uns allen sicher noch das Bild des kleinen Jungen vor Augen, der tot an einen griechischen Strand gespült wurde und stellvertretend für viele steht, die die Flucht nicht überlebt haben. Auch heute wie vor 2000 Jahren fliehen Menschen, weil sie ihre Familien und sich selbst vor Mord, Terror und Hunger schützen wollen.

Die Aufnahme von Flüchtlingen ist aus christlicher Sicht eine grundlegende menschliche Aufgabe, weil mit den Flüchtlingen Gott selbst an unsere Tür klopfen kann. Nein, nicht nur kann, sondern es tatsächlich tut, wenn wir das Evangelium ernst nehmen. In dem Abschnitt über das Weltgericht sagt Jesus: „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich bekleidet.“ Und als die Angesprochenen fragen, wann sie das denn getan hätten, antwortet er: „Was ihr einem von diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan.“ Deutlicher kann man es eigentlich nicht sagen.

Die Hilfe für Schwache und Schutzbedürftige gehört zu den Werten, auf denen unsere Gesellschaft im besten Sinne ruht. Ebenso wie auf der Überzeugung, dass jeder Mensch ein Recht auf Leben, Freiheit und Würde hat. Egal woher er kommt, welcher Rasse, Kultur, Religion oder welchem Geschlecht er oder sie angehört.

Das sind unsere Werte und die gilt es zu leben und auch zu verteidigen, wenn nötig. Gegen die, die die unerträglichen Vorfälle in der Silvesternacht zur Hetze missbrauchen. Und gegen die, die in dieser Nacht die Werte des Landes, in dem sie leben, mit Füßen getreten haben, egal welchen Aufenthaltsstatus sie haben oder woher sie kommen. Das kann und darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Dass es dazu gekommen ist, ist furchtbar, in diesem Ausmaß sicher auch überraschend. Was aber nicht überrascht, ist die Tatsache, dass sich unter den Flüchtlingen gute und schlechte Menschen finden, friedfertige und gewaltbereite, genau wie unter allen anderen Menschen auch. Und weil das nicht überraschend ist, können und dürfen diese Vorfälle nichts ändern an der grundsätzlichen Bereitschaft, Menschen auf der Flucht aufzunehmen. In einer Erklärung der EKD vom September zur Flüchtlingssituation heißt es: „Der Mensch steht im Mittelpunkt aller Bemühungen. Viele Menschen sind weltweit auf der Flucht. Die große Herausforderung besteht darin, jedem Einzelnen gerecht zu werden.“ Dem ist nichts hinzufügen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Gedicht

Zu Weihnachten 2015

Das Flüchtlingskind

Friedrich Schwandt

In einer Notunterkunft kam er zur Welt.

Alle Quartiere waren vergeben.

Und als Herodes ihm nachgestellt,

retteten sie durch Flucht sein Leben.

Ob wir reich oder glücklich sind -

Jesus war ein Flüchtlingskind.

Heimatlos zog er durch das Land,

suchte Verlorene, heilte Kranke.

Er blieb als Messias meist unerkannt.

Von zehn Geheilten sagte einer nur „danke“.

Damit wir barmherzig sind -

Jesus war ein Flüchtlingskind.

Und zuletzt ist er nicht gefloh'n,

wurde gefangen, gefoltert, getötet.

Ostern befreite Gott seinen Sohn,

Er brach aus dem Grab, als der Morgen sich rötet.

Ob wir arm und einsam sind -

Jesus war ein Flüchtlingskind.

Wir feiern nun die Weihnachstage,

satt, zufrieden, mit Kerzen und Kuchen,

und bei gesunder Wirtschaftslage

werden wir auch die Kirche besuchen.

Und während wir das Christkind loben

wird der Flüchtling abgeschoben.

Weihnachtsfrieden und Vorweihnachtshetze

Weihnachtslieder und Bombenkrachen

unsere Welt voller Gegensätze.

Wer kann uns heute den Frieden machen?

Draußen Kälte, Regen und Wind -   

Jesus kommt als Flüchtlingskind.

 

1. Mai 2015 - Demonstrationstag gegen NPD

1 Mnchengladbach stellt sich querAnsprache von Ferdinand Hoeren (Sprecher des Mönchengladbacher Bündnis: "Aufstehen! Für Menschenwürde - Gegen Rechtsextremismus"

"Liebe demokratische Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich begrüße Sie herzlich im Namen des „Mönchengladbacher Bündnis: Aufstehen! – Für Menschenwürde – Gegen Rechtsextremismus“ und auch der Aktionsinitiative „Mönchengladbach stellt sich quer“ zu unserer gemeinsamen Demonstration „1. Mai Nazifrei“. Ich danke den Initiatoren,

denn sie haben für heute unsren Kreis vergrößert und stärker gemacht.

Besonders begrüßen will ich unsere Bundestagsabgeordnete Gülistan Yüksel und unseren Landtagsabgeordneten Hans-Willi Körfges sowie alle Damen und Herren aus dem Mönchengladbacher Stadtrat sowie alle Bürgerinnen und Bürger aus umliegenden Ortschaften.

Wir demonstrieren heute gegen die NPD, die unsere Verfassung und hier die Meinungsfreiheit und das Demonstrationsrecht dazu benutzt, gegen Asylbewerber und Flüchtlinge in menschenverachtender Art zu hetzten.

Weiterlesen > Ansprache Ferdiand Hoeren

Demo1Mai2015 HBFAnspracher von Pfarrer Dietrich Denker (Superintendent des Kirchenkreises Gladbach-Neuss)

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

am 1. Mai eine Kundgebung des „Mönchengladbacher Bündnisses "Aufstehen! Für Menschenwürde - Gegen Rechtsextremismus" ?

Eine überparteiliche Maikundgebung, bei der alle Bündnismitglieder, Gewerkschaften und Kirchen und viele andere gesellschaftliche Gruppen Hand in Hand zusammen stehen.

Wir treten heute laut und öffentlich ein für die Würde aller Menschen und stehen auf gegen jede Form rechtsnationaler Hetze gegen Ausländer und Asylanten.

Ein internationales Manifest – das ist und das war der 1. Mai. Es ging schon am Ende des 19. Jahrhunderts um die Würde des Menschen. Konkret: um die internationale Forderung aller Arbeiterinnen und Arbeiter, aufzustehen und für menschenwürdige Arbeitszeiten einzutreten. Nach einigem Hin und Her, nach Erfolgen und Misserfolgen auch politischen Debatten zwischen Kommunisten und Sozialisten haben die Nazis 1933 diesen Arbeiter- und Streiktag sozusagen als Feiertag okkupiert. Sie haben die Gewerkschaften gleichgeschaltet. Hitler hat den Tag zum Tag der NATIONALEN Arbeit erklärt.

Und heute? Die Arbeiterbewegung (eigenlich nicht nur die) hat sich den Tag nach 1945 zurückerobert.

Weiterlesen > Ansprache Dietrich Denker

Nachberichterstattung Demo1Mai2015 Wegstrecke

Internet

Kommentar R.Jüngermann Lokalredakteur der Rheinischen Post

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/das-polit-gezanke-um-die-demonstration-aid-1.5064570

MGstelltsichquer

https://www.facebook.com/MGstelltsichquer

IG Metall Mönchengladbach

http://netkey40.igmetall.de/homepages/moenchengladbach/jahresbersicht/2015/1mai2015inderregion.html

Blick nach Rechts

http://www.bnr.de/artikel/hintergrund/braune-hetzparolen-zum-1-mai

Ruhrbarone

http://www.ruhrbarone.de/nazis-spuken-am-1-mai-liveticker/106052

RP-online

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/2000-gehen-gegen-npd-auf-die-strasse-aid-1.5058648

RP-online

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/2000-menschen-protestieren-gegen-npd-demo-aid-1.5056943

Presseportal/Polizeipresse

http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/30127/3011409/pol-mg-fazit-der-polizei-nach-den-demonstrationen-in-moenchengladbach

Jusos Mönchengladbach

http://jusos-mg.de/jusos-gehen-auf-distanz-zur-jungen-union/#more-2004

Bilderstrecken

Klarmann

http://unklarmann.blogsport.de/2015/05/03/fotos-npd-aufmarsch-und-teile-des-gegenprotestes-am-1-mai-in-moenchengladbach/

RP-online

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/npd-demo-in-moenchengladbach-mobilisiert-gegendemonstranten-bid-1.5056944

Video

RP-online

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/die-npd-zieht-durch-moenchengladbach-vid-1.5057370

057370

Text des gemeinsamen Aufrufes

Am 1.Mai wollen Nazis in Mönchengladbach gegen Asylbewerber*innen hetzen. Die NPD hat eine Demonstration gegen angeblichen Asylbetrug angemeldet und mobilisiert landesweit nach Mönchengladbach.


Wir sagen ganz klar: Da haben wir keinen Bock drauf!FlyerDemo1Mai2015 Weder die menschenverachtenden Ansichten der NPD noch ihr Rassismus und Nationalismus hat etwas inMönchengladbach verloren. Wir wollen ganz klar Stellung beziehen gegen die Hetze der NPD gegen
Asylbewerber*innen ‐ Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, haben Schutz verdient! Wir werden Flüchtlinge gegen Rassist*innen und Rechtsradikale jeglicher Couleur verteidigen!
Nicht nur, weil wir das Gedankengut der NPD in Mönchengladbach nicht dulden werden, sondern auch, weil die Wahl des Termins ‐ dem internationalen Tag der Arbeit ‐ eine klare Provokation gegenüber den Gewerkschaften und anderen Verbänden und Gruppen aus der Arbeiter*innenbewegung darstellt, werden wir am 1. Mai deutlich zeigen, dass Nazis hier nicht willkommen sind.
Aus diesem Grund rufen wir dazu auf, sich am 1. Mai an den Gegenaktionen zum NPD‐Aufmarsch zu beteiligen.
Nur gemeinsam können wir uns dem Aufmarsch entgegenstellen und den Tag zu einem Desaster für die NPD und ihre Anhänger*innen machen.
Kein Fußbreit den Faschisten!

Bisherige Unterzeichner*innen des Aufrufes:

Pfarrer Ulrich Clancett
Regionaldekan Mönchengladbach im Bistum Aachen
Pfarrer Dietrich Denker
Superintendent Kirchenkreis Gladbach‐Neuss
Pfarrer Johannes van der Vorst
Bezirkspräses der Schützenbruderschaften


Edmund Erlemann, Pfarrer i.R.
• Antifaschistische Aktion Mönchengladbach
• Arbeitslosenzentrum Mönchengladbach
• AStA Hochschule Niederrhein
• Attac Mönchengladbach
• Barbara Gersmann, Bezirksvorsteherin Mönchengladbach‐Süd
• BAUM Bürger‐Aktion Umweltschutz Mönchengladbach e. V.
• Bezirksschüler*innenvertretung
• Bündnis „Aufstehen! Für Menschenrechte – Gegen Rechtsextremismus“
• Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Mönchengladbbach
• Bündnis für Menschenwürde und Arbeit
• DGB Mönchengladbach
• Die LINKE Mönchengladbach
• Die PARTEI Mönchengladbach
• Eintagsfliege – Kultur und Konzertgruppe
• Fanprojekt De Kull e.V.
• Förderverein Stiftung Volksverein Mönchengladbach e.V.
• Gesellschaft für Christlich‐jüdische Zusammenarbeit Mönchengladbach e.V.
• GEW – Die Bildungsgewerkschaft Mönchengladbach
• HORST Musik‐ und Kulturförderung e.V.
• IG Metall Jugend Mönchengladbach
• Initiative Gründerzeitviertel e. V.
• IPPNW‐Regionalgruppe MG/KR ‐ Ärzte für die Verhinderung des Atomkriegs/in sozialer Verantwortung
• Jusos Mönchengladbach
• Katzenstein e.V.
• Mönchengladbacher Karnevals Verband e.V.
• Philippakademie Kirchenkreis Gladbach‐Neuss
• Piratenpartei Mönchengladbach
• SJD Die Falken Mönchengladbach und Nordrheinwestfalen
• SPD Mönchengladbach
• Stadtjugendring
• Theo‐Hespers‐Stiftung
• Transition Town Initiative Mönchengladbach
• Ver.di‐Jugend Linker Niederrhein
• Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes ‐ Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Mönchengladbach‐Grenzland
• Volksverein Mönchengladbach

 

8. Februar 2014 - Demonstrationstag gegen Neofundamentalismus und Extremismus

P1010061

Zeit: 15:00 Uhr

Ort: Alter Markt, 41061 Mönchengladbach

Stellungnahmen: Ferdinand Hoeren (Bündnissprecher), Norbert Bude (Oberbürgermeister), Wolfgang Funke (Katholische Kirche)

Pressenachberichterstattung und Fotoreportage und Videos

Stellungnahmen

Ferdinand Hören

(Bündnissprecher)

Ferdinand Hoeren begrüßte im Namen des Mönchengladbacher „Bündnis: Aufstehen! – Für Menschenwürde – Gegen Rechtsextremismus“ alle, besonders die anwesenden Mandatsträger unserer Stadt herzlich. Er erklärte:

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

wir demonstrieren hier heute, weil Pierre Vogel und seine Salafisten gegenüber von uns eine Veranstaltung durchführen.

Diese Veranstaltung trägt die Überschrift: „Islamophobie in Mönchengladbach“.

Diese Überschrift betrachten wir als eine böswillige Beleidigung.

Denn sie unterstellt, dass alle Mönchengladbacher an Angst vor dem Islam neurotisch erkrankt sind. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Wir stehen auf für ein friedliches Miteinander aller, jenseits ihrer Zugehörigkeit zu Religionen, Kulturen und Ethnien.

Aber wir stehen auch auf gegen einen propagandistischen Salafismus, der die friedlichen Ziele des Islam verrät und mit militanten Mitteln unsere demokratischen Grundrechte missbraucht.

Drüben auf der Hindenburgstraße demonstriert Pro NRW.

Sie sind menschenverachtende Populisten aus der rechten Szene.

Sie sind angelockt durch die Salafisten wie Schmeißfliegen, um gegen alle Muslime zu hetzen.

Für beide gilt der Artikel 1 des Grundgesetzes der Bundesrepublik.

Ich zitiere:

„Wer die Freiheit der Meinungsäußerung (…) die Lehrfreiheit, die Versammlungsfreiheit, die Vereinigungsfreiheit (…) zum Kampf gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung missbraucht, verwirkt diese Grundrechte (…).“

Wir, das Mönchengladbacher Bündnis, widersprechen allem Gedankengut und treten allen Bestrebungen entschieden entgegen, seien sie antisemitischer, chauvinistischer, diktatorischer, fremdenfeindlicher, nationalsozialistischer oder sozialdarwinistischer Art.

Wir wollen in Mönchengladbach weder islamistische Neofundamentalisten oder rechte Populisten noch deren Veranstaltungen.

Wir wollen ein friedliches, demokratisches und tolerantes Zusammenleben, das die Menschenwürde aller achtet."

Danach übergab Ferdinand Hoeren das Wort an Oberbürgermeister Norbert Bude.

Stellungnahmen

Norbert Bude

(Oberbürgermeister)

Bild: Redner Funke, Bude, HoerenDer Oberbürgermeister erklärte, es gebe keine Islamophobie in Mönchengladbach und deshalb sei es gut, wenn das Mönchengladbacher Bündnis gegen diese Unterstellung demonstriere.

"Islamfeindlichkeit bezeichne die Feindseligkeit und kategorische Abwertung und Benachteiligung von Muslimen.

Aber das Gegenteil sei der Fall. Denn das Integrationskonzept für die Stadt Mönchenglabdach und dessen Fortschreibung von 2012 – 2016 sei dafür der Beweis.

Das vorliegende Konzept vertritt die Meinung, dass eine Vielfaltsgesellschaft im Wesentlichen das Ziel der Integrationspolitik sein muss. Eine Vielfaltsgesellschaft steht für ein friedliches und respektvolles Zusammenleben unterschiedlicher ethnischer Gruppen, ohne dass einzelne Gruppen ihre Identität, Kultur und Wertevorstellungen aufgeben müssen. Dabei gibt die Aufnahmegesellschaft die politischen, rechtlichen sowie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor."

Integration ist individuell

"Jeder nach Mönchengladbach zugewanderte Mensch brachte seine Geschichte, seine Werte und Vorstellungen, Ängste und Erwartungen mit. Migration ist sehr individuell.

Hinter jeder Zuwanderung steht eine Geschichte, ein Weg, gepflastert mit Zweifeln, Entscheidungen und Hoffnungen. Daher bedarf gerade die interkulturelle Arbeit hoher Sensibilität, Geduld und Toleranz. Lebensziele der meisten Migranten unterscheiden sich kaum von Lebenszielen der Mehrheit in der Aufnahmegesellschaft.

Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und damit auch eine gesamtstädtische Aufgabe. Die gesamte Bevölkerung der Stadt zählt zur Zielgruppe dieses Konzeptes.

In Mönchengladbach leben Menschen aus mehr als 150 Nationen mit unterschiedlichen Sprachen, Kulturen, Religionen und Erfahrungen. Eine entscheidende Gemeinsamkeit verbindet sie jedoch: Sie alle sind Mönchengladbacher und identifizieren sich mit unserer bunten und liebenswerten Stadt."

Gemeinsamkeiten führen uns zusammen, Unterschiede führen uns weiter!

"Es gibt keine Islamophopie in Mönchengladbach. Wir setzen in unserer Stadt auf den Interreligiösen Dialog. Wir beten miteinander während der interkulturellen Woche, die Moscheen öffnen sich besonders am Tag der deutschen Einheit, in zahlreichen Veranstaltungen begegnen sich Menschen unterschiedlichster Religionen mit gegenseitigem Respekt.

Wer weiter behauptet, es gibt eine Islamophobie in unserer Stadt, der sagt nicht die Wahrheit. Der ist nicht willkommen in Mönchengladbach. Im Gegensatz zu den rund 55.000 Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kamen. Sie sind willkommen."

Nach dem Oberbürgermeister sprach Wolfgang Funke im Namen der Kirchen.

Wolfgang Funke

(Katholische Kirche)

Liebe Mönchengladbacherinnen und Mönchengladbacher!

Vor einigen Jahren wurde in der Citykirche die Mönchengladbacher Erklärung unterzeichnet.

Die Mönchengladbacher Erklärung ist die Präambel des Integrationskonzeptes der Stadt Mönchengladbach.

Im Integrationskonzept haben der Stadtrat, der Integrationsrat, Parteien, Gewerkschaften, Sozialverbände, viele ausländische Vereine und die Religionsgemeinschaften festgelegt, wie wir in Mönchengladbach unser Zusammenleben zwischen Menschen aus rund 150 Ländern und zahlreichen Religionsgemeinschaften gestalten wollen.

Ganz klar ist: Grundlage unseres Zusammenlebens ist ohne Wenn und Aber das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland.

Hierzu gehört im Zusammenhang mit den Salafisten auch der Hinweis auf die gleiche Würde und die gleichen Rechte von Mann und Frau!

Ich bin um einen Beitrag bei dieser Veranstaltung heute gebeten worden als  jemand, der im Dialog der Religionen in Mönchengladbach lange engagiert ist, und kann ich bezeugen:

Ja, es gibt in unserer Stadt einen guten, einen lebendigen Dialog der Religionen!

Dialog bedeutet: einander begegnen, zuhören und Gehör finden, miteinander ins Gespräch kommen, Kontakte knüpfen und pflegen.

Dabei soll das Gemeinsame und das Verbindende herausgestellt und das Trennende nach Möglichkeit so erklärt werden, dass die gegenseitige Verständigung voranschreitet.

Im Folgenden nenne ich einige Begegnungen zwischen Menschen verschiedener Religionsgemeinschaften:

Im vergangenen Herbst gab es zum wiederholten Mal die ‚Nacht der offenen Gotteshäuser‘, an der sich neben der Synagoge auch mehrere Moscheen sowie zahlreiche christliche Kirchen beteiligt haben.

Es gibt regelmäßige gegenseitige Einladungen zu religiösen Festtagen!

Viele Male bin ich mit weiteren Gästen in den unterschiedlichen Moscheen zu Aschura-Feiern oder Iftar-Essen eingeladen gewesen und ich habe die Gastfreundschaft genossen.

Dankbar denke ich an den Besuch einer großen muslimischen Delegation mit ihrem Hodscha und dem kompletten Vorstand der Moschee im Gottesdienst am Hl. Abend um 24.00 Uhr in der Citykirche!

Das Straßenfest zur Auftakt der Interkulturellen Woche beginnt jedes Jahr mit einem Gebet der Religionen.

Regelmäßig gibt es zudem auch ein christlich – muslimisches theologisches Gespräch in einer der Moscheen.

Ein interreligiöser Arbeitskreis hat auch für das Jahr 2014 wieder einen Kalender herausgegeben, in dem die Festtage der Religionen verzeichnet sind, die sich auf Abraham als Stammvater ihres Glaubens berufen. Ein ausführlicher Flyer erläutert  die Feste. 6000 Exemplare wurden gesponsert, die Kalender sind in jede Schulklasse unserer Stadt gegangen.

Schülerinnen und Schüler des Berufs-kollegs Rheydt-Mülfort für Wirtschaft und Verwaltung haben mit Unterstützung der Stadt Mönchengladbach ebenfalls einen reich bebilderten und informativ gestalteten interreligiösen Kalender herausgegeben.

Zur Wiedereröffnung der Citykirche im vergangenen Herbst wurde dort eine umfangreiche interreligiöse Ausstellung mit dem Titel ‚Kinder Abrahams‘ gezeigt.

Dies alles sind kleine Beispiele für den alltäglichen Dialog der Religionen.

Ich meine also: Wer will, der kann wirklich ein Einblick in das Leben der unterschiedlichen Religionen gewinnen.

Dies gilt auch und besonders für den christlich- muslimischen Dialog.

Die Religionsgemeinschaften unserer Stadt werden den Dialog mit allen Menschen guten Willens auch in Zukunft unbeirrt fortsetzen!

Zum Dialog gibt es keine Alternative!

Von einer Islamphobie, wie sie die Salafisten beschreiben, kann in Mönchengladbach keine Rede sein!

Wir werden den Fanatismus der Salafisten nicht mit Fanatismus beantworten, wohl aber das Grundgesetz mit aller Entschiedenheit zur Geltung bringen!

Wir werden uns auch durch die rechtsextremen Parolen von PRO NRW nicht beirren lassen, wohl aber allem rechtem Gedankengut in der anstehenden Kommunalwahl eine deutliche Abfuhr erteilen!

Wir werden jedem politischen Extremismus, jedem religiösen Fundamentalismus und allen populistischen Fanatikern mit Entschiedenheit entgegentreten!

Dabei ist es nicht so, dass bei uns alles in Ordnung wäre!
Es kann durchaus sein, dass wir als Stadtgesellschaft unseren Einsatz verdoppeln müssen im Blick darauf, jungen Menschen in unseren Jugendeinrichtungen und in den Schulen noch bessere Perspektiven für einen gelingenden Start ins Berufsleben zu ermöglichen.

Es kann sein, dass wir den Dialog des Lebens, das Teilen von Freude, Leid und Sorgen, in unseren Parteien und Netzwerken, in Initiativen und Nachbarschaften, in Vereinen und Religionsgemeinschaften verstärken müssen.

Es kann sein, das wir den Dialog des Handelns zwischen den Religionen auf allen Ebenen verstärken müssen und mit Entschiedenheit noch mehr Schritte aufeinander zu tun müssen.

Aber ich bin überzeugt: Wer in der Mitte unserer Gesellschaft seinen Platz gefunden hat, wer eine gute Ausbildung, wer Brot und Arbeit hat, der fällt weder auf die Salafisten noch auf die Neonazis herein.

Wir brauchen weder die einen noch die anderen in unserer weltoffenen und liebenswerten Stadt Mönchengladbach!

Politische oder religiöse Extremisten und Fundamentalisten bieten in unserer kompliziert gewordenen Zeit und Gesellschaft schnelle und einfache Lösungen an. Menschen, die unter Druck stehen, die keine Perspektive für ihr Leben haben, die an einem Wendepunkt stehen, sind für die von Extremisten oder Fundamentalisten angebotenen Lösungen oft ansprechbar.

Ich bin überzeugt: Wer einen Platz im Leben und in unserer Gesellschaft gefunden hat, der sucht keinen extremen Ausweg.

Für Menschen, die aus welchen Gründen auch immer in extremistische oder fundamentalistische Kreise geraten sind, bietet das Mönchengladbacher Netzwerk ‚Riskante Wege‘ Hilfe an.

Ein Expertenteam aus den christl. Kirchen, aus den muslimischen Moscheevereinen, aus Jugendverbänden, Polizei,  Stadtverwaltung und Beratungsstellen steht Menschen aus M‘gladbach und Umgebung bei, die von einem ‚riskanten Weg‘ in die ‚normale Gesellschaft‘ zurück finden möchten.

Die Beratungsstelle steht auch für Angehörige, Familienmitglieder, Lehrer, Freundinnen und Freunde derjenigen zur Verfügung, die einen riskanten, extremistischen oder fundamentalistischen Weg eingeschlagen haben oder in Versuchung sind, ihn zu wählen.

Weisen Sie gerade junge Menschen, die oft besonders leicht verführbar sind, gerne auf das Netzwerk ‚Riskante Wege‘ hin. Die Kontaktdaten finden Sie im Internet.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Pressenachberichterstattung

RP-Online: Polizei drängt Störer ab

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/polizei-draengt-stoerer-ab-aid-1.4021209

RP-Online: Drei Stunden Ausnahmezustanden in der City

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/drei-stunden-ausnahmezustand-in-der-city-aid-1.4022769

WZ-Newsline: Lauter Protest gegen die Salafisten

http://www.wz-newsline.de/lokales/moenchengladbach/lauter-protest-gegen-die-salafisten-1.1550923

Presseportal der Polizei: Abschlussmeldung zu den demonstrativen Veranstaltungen in Mönchengladbach

http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/30127/2659704/pol-mg-abschlussmeldung-zu-den-demonstrativen-veranstaltungen-in-moenchengladbach

WDR: Salafistendemo

http://www1.wdr.de/themen/politik/salafistendemo104.html

"links eröm" - Das Blog der Jusos Mönchengladbach: Islamophobie oder Islamismus beides Scheiße

http://blog.jusos-mg.de/2014/02/10/islamophobie-oder-islamismus-beides-scheisse/

Vice.com - Livestyle und Jugendmagazin: Chaotischste Demo Deutschlands

http://m.vice.com/de/read/die-chaotischste-demo-deutschlands/?utm_source=vicefb

Fotoreportage

RP-Online: Salafistenkundgebung und Gegendemos in Mönchengladbach

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/salafistenkundgebung-und-gegendemos-in-moenchengladbach-bid-1.4021473

WZ-Newsline: Salafisten-Demo in Gladbach

http://www.wz-newsline.de/lokales/moenchengladbach/salafisten-demo-in-gladbach-1.1549897

Videos

WDR.de: Sendung - WESTPOL

http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/westpol/videowestpol226-videoplayer_size-L.html

WDR.de: Sendung - WESTPOL

http://www1.wdr.de/fernsehen/regional/westpol/sendungen/salafisteninterview100.html

CityVision.de / Stadtfersehen auf Facebook: Salafistenkundgebung empört Gladbacher Bürger

https://www.facebook.com/photo.php?v=686022438086995

von den "Salafisten" aufgenommen:

http://www.youtube.com/watch?v=nI25ySMKLSQ

Interessante Vorberichterstattung

WDR.de

http://www1.wdr.de/themen/politik/salafistendemo102.html

 

27. Januar 2014 - Tag des Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus (Münsterbasilika)

Zeit: 19:00 - 19:50 Uhr

Ort: Münsterbasilika, Abteiplatz 1, 41061 Mönchengladbach

Gedenkrede: Ferdinand Hoeren (Bündnissprecher)

Teilnehmer: 90

Gedenkansprache von

 Ferdinand Hoeren (Bündnissprecher)

Bild: MünsterbasilikaSehr geehrte Damen und Herren,

Bundespräsident Roman Herzog hat den 27. Januar zum Tag des Gedenkens an alle Opfer des Nationalsozialismus erklärt, um „eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt und jeder Form der Wiederholung entgegenwirkt“.

Auch die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat diesen Tag 2005 zum internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt, dem Tag der Befreiung im Konzentrationslager Auschwitz.

Deshalb wollen auch wir heute aller Opfer des Nationalsozialismus  gedenken  und dabei besonders der Opfer, die aus unserer Stadt stammen.

In den 12 Jahren der Hitlerdiktatur haben die Nazischergen  in ihren Vernichtungslagern – den sogenannten Konzentrationslagern - mehr als 6 Millionen Jüdinnen und Juden – darunter rund 1,5 Millionen Kinder – systematisch ermordet. Sie wurden gedemütigt, gequält, zu Tode geprügelt, erschossen, vergiftet und vergast und mit ihnen Hundertausende Roma und Sinti. Aber auch an anderen Orten haben sie unzählige unschuldige Opfer zu Tode gebracht.

„Gedenken“ heißt aber auch „begreifen“, allerdings nicht im oberflächlichen Sinne von „verstehen“, sondern im Sinne von „mitfühlen zu können“. Weil ich das für wichtig halte, wenn es um unseren Blick nach vorne geht, um Gefahren und gefährliche Entwicklungen in unserer Gesellschaft rechtzeitig zu erkennen und abzuwehren.

Wir haben alle schon den Satz gehört: „Wer die Geschichte nicht kennt, ist verdammt dazu, sie zu wiederholen.“ Nicht als ob in der Geschichte Dasselbe noch einmal geschehen werde – gewiss nicht – nicht einmal das Gleiche. Aber die Geschichte lehrt uns, dass Ähnliches in neuem Gewande durchaus geschieht.

Deshalb lohnt sich der Blick in die Geschichte.   

Hitler hatte seine „Weltanschauung“ und seine „Ziele“ in seinem Buch „Mein Kampf“ offen gelegt. Im Mittelpunkt steht seine „Rassenlehre“. Danach gäbe es höherwertige und minderwertige Rassen. Nur die „arische“ Rasse hätte in der Geschichte die großen Leistungen erbracht. Der Kern dieser „arischen“ Rasse seien die Germanen, aus denen als Kernvolk die Deutschen hervorgegangen wären. Aus dieser Gleichstellung „arisch-germanisch-deutsch“ leitete Hitler einen Anspruch der Deutschen auf eine Führungsrolle in der Welt ab. Immer drohe die Gefahr einer Vermischung der Rassen. Deshalb sei es wichtig, das „Rassenbewusstsein“ zu pflegen, das „deutsche Blut rein zu halten“, damit die „arische“ Rasse auch künftig bestehen und ihren Herrschaftsanspruch durchsetzen könne.

Die größte Gefahr für die „arische“ Rasse sei jedoch die „semitische“. Im Judentum seien die Kräfte des Bösen und Zerstörerischen verdichtet. Dort säßen die großen Kulturzerstörer in Geschichte und Gegenwart. Es gäbe eine „jüdische Weltverschwörung“. Ihre Waffen seien Demokratie, Parlamentarismus, Marxismus, Kommunismus, Pazifismus und Liberalismus. Mit ihnen betreibe sie die „Zerstörung“ des deutschen Volkes. An allem Negativen wären die Juden schuld.

Seinen „Lebenskampf“ könne das deutsche Volk nur bestehen, wenn es dafür den notwendigen „Lebensraum“ habe. Diesen könne es nur im Osten finden, wo es rassisch minderwertige Völker – die Slawen – gäbe, die als Sklavenvölker für die deutschen „Herrenmenschen“ bereitstünden.

Aus dieser menschenverachtenden und irrigen Ideologie erklärt sich das gesamte verbrecherische Verhalten des Diktators Hitler und seiner Naziherrschaft.

So begann schon wenige Tage nach der Regierungsübernahme durch Hitler am 30. Januar 1933 die absolute Machtergreifung.

Am Abend des 27. Januar 1933 brannte der Reichstag. Hitler ließ sofort verkünden, die Kommunisten hätten den Brand gelegt als Signal für den Umsturz. Noch in derselben Nacht trat die Notverordnung „zur Abwehr kommunistischer Gewaltakte“ in Kraft und setzte die wichtigsten Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft. Nun konnten Zeitungen, Radiosendungen und Versammlungen verboten, Briefe geöffnet, Telefongespräche abgehört und alle Gegner und Kommunisten rechtmäßig verhaftet werden. Die Kommunistische Partei wurde verboten und es begann ihre systematische Verfolgung. Sie wurden in so genannte „Schutzhaft“ genommen, gefoltert und bei weiterer politischer Betätigung zu Freiheitsstrafen verurteilt oder in Konzentrationslager überführt. Das ist auch in unserer Stadt so geschehen, und 5 von ihnen sind dabei ermordet worden. Sie waren die ersten Opfer.

Am 23.März 1933 brachte Hitler das „Ermächtigungsgesetz“ im Reichstag ein. Es ermächtigte Hitler, ohne die Mitwirkung der Abgeordneten Gesetze zu erlassen. Das war die Abschaffung der Demokratie, der Totenschein der Weimarer Republik. Nur die SPD-Abgeordneten stimmten dagegen. Daraufhin wurde auch die SPD verboten und wie die Kommunisten verfolgt, was auch in unserer Stadt für alle führenden Sozialdemokraten gilt. Die restlichen Parteien lösten sich selbst auf. Es blieb nur noch die NSDAP

Der 1. Mai wurde zum Feiertag erklärt und groß gefeiert. Aber am 2. Mai wurden die Gewerkschaftshäuser besetzt – auch in unserer Stadt – die Gewerkschaften zerschlagen, ihr Vermögen beschlagnahmt und ihre Funktionäre verhaftet.      .

Dadurch war die Gleichschaltung der gesamten Bevölkerung eingeleitet.

Es folgte am 10. März 1933 die Bücherverbrennung und kurz danach die Beschlagnahmung der so genannten „Entarteten Kunst“.

Der Weg in die Barbarei hatte begonnen.

Trotz Abschluss des Reichskonkordates im Juni 1933 wurden sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche bespitzelt und in ihrer Arbeit zunehmend eingeengt.

Dies galt besonders für Mönchengladbach, dem Sitz des Volksvereins für das katholische Deutschland. Spätestens nach dem Volksvereinsprozess im Dezember 1933 regte sich katholischer Widerstand. Im Lauf der Jahre wurden aus Mönchengladbach rund 100 Katholiken – fast ausschließlich Priester, Nonnen und Mönche – verhaftet. 10 von ihnen wurden ermordet.

Bei den Protestanten ging der Widerstand von der Bekennenden Kirche aus, die ab Juli 1934 ebenfalls von den Nazis konsequent verfolgt wurde. Die Bekennende Kirche hat 15 Mönchengladbacher Todesopfer zu beklagen.

Ab 1935 nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht gerieten die „Zeugen Jehovas“ ins Blickfeld der Gestapo, da sie grundsätzlich den Wehrdienst verweigerten und weder die Verbote noch die Gebote des NS-Staates anerkannten. Sie wurden von den Nazis gnadenlos verfolgt. In unserer Stadt gab es 17 Zeugen Jehovas, die alle verfolgt und bestraft worden sind. 4 von ihnen bezahlten mit ihrem Leben.

Von Anbeginn der Naziherrschaft wurde gegen die Juden und alles Jüdische öffentlich gehetzt, sie wurden diffamiert und in ihrem alltäglichen Leben eingeschränkt. Ihre Situation verschärfte sich deutlich ab 1935 nach Verabschiedung der Nürnberger Rassengesetze und verschlimmerte sich immer mehr bis 1938. Mit dem 9. November 1938, der Pogromnacht, setzte dann die offene und brutale Gewalt ein. Auch in Mönchengladbach brannten die Synagogen.

In unserer Stadt lebten 1933 rund 1 200 deutsche Juden. Manche von ihnen sind in den Jahren bis Kriegsbeginn weggezogen zum Beispiel wegen Arbeit oder Heirat. Viele von ihnen sind ab 1935 und zunehmend ab 1938 ausgewandert. Ab 1941 wurden aus unserer Stadt in sechs Transporten 610 deutsche Juden in die Todeslager deportiert. Von ihnen haben nur 27 überlebt. Der Holocaust hat aus unserer Stadt mindestens 583 Todesopfer gefordert. Es ist die größte Opfergruppe.

Die Zweitgrößte Gruppe sind die Euthanasieopfer. Das griechische Wort bedeutete in der Antike „der schöne leichte Tod durch einen Arzt für unheilbar Kranke“. Für die Nazis jedoch war es die Vernichtung von so genanntem „unwerten Leben“ im Sinne der Rassenhygiene. Betroffene waren Deutsche, nach Nazidefinition geistig, körperlich oder sozial Behinderte, hauptsächlich Kinder und Jugendliche. Ihre Ermordung begann ab 1939. Es waren aus Hephata 180 und aus dem Josefshaus 357, also 527 insgesamt.

Die drittgrößte Gruppe war die der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie der Gefangenen zuerst nach Kriegsbeginn im Herbst 1939 aus Polen und ab Sommer 1941 hauptsächlich aus Russland. Sie mussten bei mangelhafter Ernährung in unhygienischen Unterkünften als  „Untermenschen“ schwere sogenannte Sklavenarbeit verrichten. Von den in unsere Stadt Deportierten sind hier 222 zu Tode gekommen.

Die Gruppen der Roma und Sinti sind ebenfalls von den Nazis verfolgt worden. und zu weit über 50 % in Konzentrationslager gekommen, wo auch sehr viele von ihnen ermordet worden sind. Über sie gibt es für Mönchengladbach leider keinerlei Unterlagen oder Zahlen.

Hinter dem Begriff „Volksopposition“ verstecken sich zum Beispiel Frauen und Männer, die Witze über, gehässige Bemerkungen zu oder Beleidigungen von Hitler, anderen Nazigrößen oder der Partei geäußert haben sowie Hilfen für Juden oder Zwangsarbeiter getätigt haben. Dazu gab es in unserer Stadt rund 80 Strafverfahren, viele mit Haftstrafen, einige mit Einweisung in Konzentrationslager und 3 Todesopfer.

Als Einzelpersonen aus Mönchengladbach sind noch zu nennen: Der kritische deutsche Dichter Gottfried Kapp, der in der Gestapo-Haft ermordet worden ist und der Widerstandskämpfer Theodor Hespers, der Mordopfer der Nazis in Berlin-Plötzensee wurde.

Wir haben in oder aus unserer Stadt mindestens 1 371 Todesopfer der beispiellosen, menschenverachtenden und verbrecherischen NS-Diktatur zu beklagen. Von ihnen wurden 39 wegen ihrer religiösen, weltanschaulichen oder politischen Überzeugung ermordet, alle anderen 1 332 aus rein rassistischen Gründen.

Wir erinnern uns heute an sie und gedenken ihrer Leiden.

Orte des Gedenkens in unserer Stadt sind:

Die Gedenktafel der Stadt für alle Opfer des Nationalsozialsozialismus am ehemaligen Sitz der NSDAP-Kreisleitung, Ecke Albertus- und Kaiserstraße,

die 222 Gräber der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter auf dem städtischen Hauptfriedhof, auf dem städtischen Friedhof in Rheydt und auf dem alten Friedhof in Rheindahlen,

auf dem städtischen Hauptfriedhof die 18 Gräber von KZ-Opfern und das Ehrengrab für Theo Hespers,

die Gedenkstätten am Ort der ehemaligen Synagogen in Mönchengladbach, Rheydt und Odenkirchen

sowie die bisher weit über 200 Stolpersteine am letzten Wohnsitz der jüdischen Holocaust-Opfer in unserer Stadt.

Theo Hespers hat in seiner Widerstandszeitschrift „Kameradschaft – Schrift junger Deutscher“ 1939 in seinem Artikel „So wollen wir Deutschland“ geschrieben: „Die Erneuerung der Lebensverhältnisse ist aber nur dann praktisch durchführbar, wenn ihr eine neue Gesinnung zu Grunde liegt.“

Diese Gesinnung legten die Vereinten Nationen 1948 in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte fest und Deutschland 1949 im Grundgesetz, dessen erster Artikel mit dem Satz beginnt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Der deutsche Dichter Bertolt Brecht hat uns gewarnt mit seinen Ausspruch: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem es kroch.“

Und so mussten wir schon einmal Ende der sechziger bis Anfang siebziger Jahre erleben, dass die NPD in viele Gemeinderäte und einige Landtage einzog. Das war ein Erfolg der alten Nazis, der Ewiggestrigen. Diese Bewegung hat sich aus Altersgründen biologisch erledigt.

Doch ab 1990 nehmen rechtsextreme Parolen, rechtsextreme Gruppierungen und rechtextreme Gewalttaten zu. Seit 1990 müssen wir leider bundesweit laut Amadeu-Antonio-Stiftung 157 Todesopfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt beklagen. Hinzu kommen die 10 heimtückischen Neonazi-Morde des NSU, die wir nicht vergessen wollen. Und neuerdings 753 Morde, die neu untersucht werden, weil der Verdacht besteht, dass sie einen rechtsextremen Hintergrund haben: Für bisher 2 Fälle scheint dies erwiesen.

In den letzten Jahren verbreiten sich rechtsextreme Parolen nicht nur bei uns immer mehr sondern auch in großen Teilen Europas. In einigen Ländern sind sie gepaart mit erschreckenden Wahlergebnissen.

Bundespräsident Roman Herzog wollte das Gedenken als eine Form des Erinnerns, das der Wiederholung entgegenwirkt.

Wir müssen erkennen, dass Menschenrechte und Demokratie keine Naturgesetze sind sondern, dass jede Generation in ihrem Land sie immer wieder pflegen und bewahren muss.

Von den Römern stammt die Aufforderung: „Wehret den Anfängen“.

Das Mönchengladbacher Bündnis: „Aufstehen! – Für Menschenwürde – gegen Rechtsextremismus“ stellt sich dieser Aufgabe und tritt allem Gedankengut und jeglichen Bestrebungen entschieden entgegen, seien sie antisemitischer, chauvinistischer, diktatorischer, fremdenfeindlicher, nationalsozialistischer oder sozialdarwinistischer Art. Wir fordern unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger auf, uns dabei zu unterstützten.

Für alle aufrechten und wehrhaften Demokratinnen und Demokraten bitte ich bei ihrem Eintreten für die Menschenwürde aller an diesem Ort um Gottes Beistand.

 

22. Januar 2014 - Extremismus - Eine Gefahr für unsere Demokratie (Podiumsdiskussion mit NRW-Innenminister Ralf Jäger)


Zeit:
18:00 - 20:00 Uhr
Ort: Hauptpfarrsaal, Abteistraße 38, 41061 Mönchengladbach
Moderation: Dieter Weber (Rheinische Post)
Gäste: Ralf Jäger (NRW-Innenminister), Martin Heinen (CDU), Bundestagsabgeordneter Andrej Hunko (Die Linke), Shariar Parvizi (Bündnis90/Die Grünen)
Teilnehmer: 80
Nachberichterstattung: www.mg-heute.de
 

Begrüßung

Ferdinand Hoeren

Bild: Podium und AuditoriumSehr geehrte Damen und Herren,

 

die rechte Szene in Deutschland wird immer breiter.

Zuerst waren es nur die altbekannten: „NPD“, „Republikaner“ und „DVU“.

Dann kam geradezu eine Flut:

Erst „Pro Köln“, „Pro NRW“ und „Pro Deutschland“ dann „Die Rechte“,„Die Freiheit“, die „Identitäre Bewegung“, die „Maskulisten“ und „Der Dritte Weg“ und schließlich noch die „AfD“.

Zusätzlich treiben noch religiöse Fanatiker in Deutschland ihr Unwesen: Hier in unserer Stadt erneut wieder die „Salafisten“.

Sie alle nutzen schamlos die Freiheiten unseres Grundgesetzes aus, um menschenverachtende oder verfassungsfeindliche Parolen zu verbreiten.

Wir, das Mönchengladbacher Bündnis: Aufstehen!, wollen mit unserer heutigen Veranstaltung unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger informieren und auf die Europawahl und Kommunalwahl im kommenden Frühjahr vorbereiten.

Denn diese Gruppierungen werden während des Wahlkampfes - ich will es keineswegs herbeireden -in unserer Stadt auftreten. Den Auftakt werden wir schon am Samstag, 8. Februar, nachmittags haben.

Da haben sich schon die Salafisten angemeldet zum Thema „Islamophobie in Mönchengladbach“ und „Pro NRW“ zu einer Gegendemonstration.

Selbstverständlich haben wir als Bündnis dazu ebenfalls schon beim Polizeipräsidenten unsere Veranstaltung angemeldet.

Wir bitten unsere demokratischen Mitbürger, sich gemeinsam mit uns zu wehren, indem wir dieses Treiben nicht unwidersprochen hinnehmen, sondern dagegen aufstehen.

Außerdem bitten wir unsere demokratischen Mitbürger, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen und nur demokratischen Parteien und ihren Kandidatinnen und Kandidaten ihre Stimmen zu geben. 

Rede

Minister Ralf Jäger MdL

anlässlich einer Veranstaltung des „Mönchengladbacher Bündnis: Aufstehen! - Für Menschenwürde - Gegen Rechtsextremismus“ Thema der Rede: „Extremismus - eine Gefahr für unsere Demokratie“ am 22. Januar 2014 in Mönchengladbach

— Es gilt das gesprochene Wort —

Sehr geehrte Damen und Herren!

vor einigen Jahren kam eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zu einem Ergebnis: viele Menschen fürchten den eigenen Abstieg, und die meisten machen das System, in dem sie leben, dafür verantwortlich.

Aus diesen Ergebnissen kristallisierte sich ein Begriff heraus:

„Demokratiemüdigkeit“.

Dieses Wort wurde in den Folgejahren immer mal wieder angeführt, wenn es um Wirtschaftskrisen oder um geringe Wahlbeteiligungen ging.

Ich persönlich finde ihn erschreckend, alarmierend.

Denn erstens ist Demokratie kein Selbstzweck. Sie ist eine Staatsform, die sich aus wichtigen Teilen zusammensetzt, die uns allen, den Bürgerinnen und Bürgern, zugute kommen:

Dazu zählen freie Wahlen. Grund- und Menschenrechte. Gewaltenteilung.

Zweitens ist Demokratie kein System, das von heute auf morgen aus dem Boden geschossen ist. Die Demokratie in Deutschland ist gewachsen. Sie hat in ihrer Entstehung eine schreckliche, folgenschwere Niederlage erlitten, aber sie wurde verteidigt - auch unter dem Einsatz von Leib und Leben. Und sie hat sich durchgesetzt.

Drittens ist Demokratie kein fertiges Produkt, niemals. Wir können uns zu keinem Zeitpunkt hinstellen uns sagen: So, jetzt haben wir sie, worum kümmern wir uns als nächstes?

Sie muss gepflegt werden, sie muss vor allem geschätzt werden.

Wenn dann die Rede davon ist, dass Menschen der Demokratie überdrüssig sind - dann muss uns das zu denken geben. Mehr noch, dann ist es allerhöchste Zeit zu handeln.

Nun könnte man die These aufstellen: Wer demokratiemüde ist, geht gegen sie vor. Das wäre aber zu einfach, und es entspricht auch nicht der Realität.

Ich sage: Wir müssen diese Menschen davon überzeugen, was Demokratie wert ist. Wir müssen konkret benennen, was ihr Kern ist.

Tun wir das nicht, dann nehmen wir einen Prozess in Kauf, der schreckliche Folgen haben kann:

Im schlimmsten Fall wendet sich derjenige, der von der Demokratie nicht überzeugt ist, nämlich von den Werten, von den Prinzipien ab, die sie ausmachen: Toleranz. Respekt. Mitmenschlichkeit. Um nur drei zu nennen.

Wer das tut, der sucht Alternativen, der braucht Antworten.

Und wenn eine Antwort lautet: „Werde aktiv, geh radikal und mit Gewalt gegen den Staat vor, gegen friedliche Bürgerinnen und Bürger!“ - dann ist das der worst case.

Dann müssen wir uns eingestehen: Das ist eine Niederlage für die Demokratie.

Ich finde, das dürfen wir nicht tatenlos hinnehmen. Wir müssen das in jedem Einzelfall verhindern. Gelingt es uns nicht, dann dürfen wir nicht mit den Schultern zucken - dann müssen wir nach Wegen suchen, diese Menschen zurück auf den richtigen Weg zu bringen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Radikalisierung ist ein Prozess.

Dieser Prozess kann zur Überschreitung einer Grenze führen, die nicht überschritten werden darf: der Grenze hin zu Gewalt.

Radikalisierung hat Wurzeln.

Meistens ist die Anwendung von Gewalt das Ende eines schwierigen Kapitels im Leben eines Menschen.

Wer diese Grenze übertritt, schlägt aber auch ein neues Kapitel auf.

Dieser Abschnitt ist in keinster Weise geprägt von Toleranz, Respekt oder Verständnis. Sondern vielmehr von Hass, von Gewalt und von Tod.

Was treibt einen Menschen dazu, dieses Tabu zu brechen?

Was bringt Menschen dazu, im schlimmsten Fall sogar einem anderen Menschen das Leben zu nehmen?

Es wäre zwar einfach, die Gründe in Hautfarbe, Sprache oder Religion zu suchen. Es wäre auch einfach, die Gründe bei schlechter Erziehung, oder geringer Bildung zu suchen. Doch das wäre erstens dumm und zweitens ist es auch falsch.

Religion bringt keine Menschen um. Ein ausländischer Pass, ein Akzent bringt keine Menschen um. Und auch eine schlechte Erziehung oder ein geringer IQ nicht.

Menschen bringen Menschen um.

Wir müssen also den Menschen betrachten, sein Umfeld, seine Probleme.

Dann wird eine Sache schnell deutlich: Es kommt oft überhaupt nicht auf die Nationalität, auf die Herkunft oder die Bildung an. Sondern auf die Probleme, die gerade junge Menschen haben.

Radikale Menschen haben ihre ganz eigenen Gründe dafür, die aus unserer Sicht abwegig klingen. Und sie sind es auch.

Für diese Menschen sind ihre Gründe manchmal sogar wichtiger als das eigene Leben.

Diese Gründe sind aber in Wirklichkeit nur vorgeschoben, die Ursache liegt meistens viel tiefer.

Diese Ursachen müssen wir erforschen, dort müssen wir den Hebel ansetzen. Wir müssen die Probleme der Jugendlichen erkennen und lösen.

Anrede,

als Vater weiß ich, dass Jugendliche ständig Probleme haben, dass sie an sich zweifeln und manchmal auch verzweifeln.

Das ist in den meisten Fällen völlig normal und erst mal kein Grund zur Panik.

Denn viele junge Menschen haben um sich rum ein ausgewogenes soziales Netz, das sie dann auffängt: Eltern, Geschwister, Freunde, Lehrer.

Ein "social network", wenn Sie so wollen, das nicht virtuell, sondern in der Realität existiert.

Dieser Schutzschild ist nicht nur wichtig, er ist elementar. Und er muss schon ganz früh funktionieren.

Leider ist das nicht immer der Fall. Leider sind es manchmal die falschen Kontakte, die in schwierigen Phasen aktiviert werden.

Wer Fragen hat, sucht Antworten. Das ist natürlich und auch richtig so.

Gefährlich wird es, wenn junge Menschen auf komplexe Fragen Antworten finden, die völlig einleuchtend und simpel klingen, aber falscher nicht sein könnten.

Das sind nämlich die einzigen Antworten, die Rechtsextremisten oder radikale Salafisten liefern können.

Es sind Antworten, die nicht auf den Verstand, sondern auf Gefühle abzielen.

Wenn an dieser Stelle das soziale Umfeld versagt, dann kann das ein erster Schritt sein in Richtung Radikalisierung.

Das gilt besonders dann, wenn junge Menschen unsere Demokratie als Ganzes infrage stellen.

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

die schlechte Nachricht ist:

Dieser Weg, den ich gerade beschrieben habe, ist nur einer von vielen.

Das ist eine Wahrheit, die die meisten von uns kennen, und es ist eine bittere Wahrheit.

Das heißt für uns: Wir müssen an vielen Stellen ansetzen. Wir müssen Kinder schon früh und vor allem altersgerecht auf die Gefahren einer möglichen Radikalisierung hinweisen.

Das gleiche gilt für die Eltern. Auch hier müssen wir Hilfe leisten und aufklären, damit zumindest dieser Schutzschild funktioniert.

Genauso dürfen wir nicht diejenigen vergessen, die bereits die Grenze der Gewalt überschritten haben, irgendwann aber merken, dass das ein Fehler war. Ganz gleich, ob das Kinder, Jugendliche oder Erwachsene sind.

Denn es gibt Menschen, die irgendwann feststellen: so kann es nicht weitergehen, ich will hier raus.

Die irgendwann zweifeln, aber nicht wissen, wie sie den Absprung schaffen sollen. Weil sie zu tief drin stecken.

Weil sie von ihren Kameraden abhängig sind. Oder weil sie einfach Angst haben.

Diesen Menschen müssen wir als Staat einen Ausweg bieten. Wir müssen genau diese Menschen zurückholen in unsere Gesellschaft.

Das Aussteigerprogramm Rechtsextremismus, das wir in NRW anbieten, ist genau dazu da. Und so gefragt wie nie zuvor:

2012 hat sich die Zahl der Neuzugänge gegenüber dem Vorjahr verdoppelt, rund vierzig Personen werden aktuell im Programm betreut.

Jede Person, die wir aus dem braunen Sumpf herausgeholt haben, ist ein Gewinn für unsere Gesellschaft, begeht zu fast 90 % keine Straftaten mehr, fügt deshalb kein Leid mehr zu und ist ein Schlag ins Kontor der Rechtsextremisten.

Geschätzte Zuhörer und Zuhörerinnen,

Prävention ist wichtig und wertvoll, aber nur ein Baustein von vielen. Unser 8-Punkte-Programm in NRW geht noch weiter.

Es beinhaltet auch repressive Maßnahmen, die wir konsequent umsetzen. Ich finde, diese beiden Seiten können und müssen sich auch ergänzen.

Ein Baustein, der immer wieder kontrovers diskutiert wird, sind Vereinsverbote. Hier wird häufig entgegengesetzt: "Verbote ändern keine Menschen. Die Gesinnung bleibt."

Ich kann diesen Gedanken verstehen, teile diese Einschätzung aber nicht in ihrer Absolutheit:

Natürlich sind Vereinsverbote in erster Linie dazu da, bestehende Strukturen, Netzwerke zu zerschlagen.

Mit einem Verbot reißen wir den Vereinigungen auf einen Schlag den wirtschaftlichen Boden unter den Füßen weg.

Wir sammeln Beweise und stellen Waffen sicher. Dadurch können wir rechtsextreme Versammlungen – wie danach in Dortmund und in Stolberg geschehen – leichter verhindern. Das ist der Hauptzweck von Verboten.

Die Meinung, dass Vereinsverbote keine Gesinnungen ändern können, teile ich übrigens nicht.

Der ständige Druck hat die rechtsextremistische Szene verunsichert. Ein Teil der Szene zieht sich daraus zurück. Ein anderer Teil wendet sich an unser Aussteigerprogramm.

Dies zeigt: Prävention und Repression müssen miteinander einhergehen.

Und die unbelehrbaren Nazis, die sich z. B. hinter dem Schutzschild des Parteienprivilegs in die Partei DIE RECHTE verkriechen, denen werden wir auch zukünftig bei jeder sich rechtlich bietenden Gelegenheit auf die Füße treten.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

wir brauchen ein ganzheitliches Konzept. Und mit "wir" meine ich uns alle: Den Staat und die Bürgerinnen und Bürger. Gemeinsam, auf einer Seite.

Jeder muss seinen Teil beitragen. Weil wir nur so unsere Chancen erhöhen können, um die Entstehung von Gewalt bereits im Vorfeld zu verhindern.

Da müssen wir hin: Wir müssen es schaffen, dass Hass und Gewalt überhaupt keine Alternativen mehr darstellen.

Das wird uns nicht von heute auf morgen gelingen. Es wird immer schnelle, kleine Erfolge geben, aber damit dürfen wir uns nicht zufrieden geben. Wir müssen vor allem versuchen, langfristig zu wirken.

Deshalb ist es umso wichtiger, an vielen Hebeln anzusetzen, und zwar nicht halbherzig, sondern mit voller Kraft.

Deshalb wäre eine Unterstützung von Bundesregierung und Bundestag beim NPD-Verbotsantrag wichtig gewesen.

Nicht, um das Verbot zu erwirken. Sondern um ein gemeinsames Signal zu geben.

Ich glaube auch nicht, dass wir damit das Verfahren und die damit verbundene Berichterstattung die NPD in irgendeiner Form aufwerten. Ganz im Gegenteil:

Mein Eindruck ist: Diese Diskussion - macht ein Verbot Sinn oder nicht - hat dazu beigetragen, öffentlich das Bewusstsein zu schärfen. Auch, was den Wert unserer Demokratie angeht:

Ja, es gibt eine Partei, die unsere Demokratie abschaffen will. Sie ist nicht nur in Ostdeutschland, sondern bundesweit aktiv.

Und ihr Einfluss lässt sich nicht am Abschneiden bei Wahlen festmachen, sondern an Taten und den Auswirkungen ihrer Hetze.

Diese Taten haben wir dokumentiert und dem Bundesverfassungsgericht vorgelegt. Wir haben nachgewiesen, wie menschenverachtend und rassistisch ihre krude Ideologie ist. Ich bin zuversichtlich, dass es zu einem Verbot kommen wird.

Aber ich sage ganz klar: Kommt es nicht zu einem Verbot, dann ist das nicht das Ende im Kampf gegen den Rechtsextremismus.

Genauso, wie ein Verbot nicht auf einen Schlag den Rechtsextremismus aus der Welt schafft.

Ein Verbot der NPD wäre wichtig, aber es wäre nur ein Etappensieg, einer von vielen Erfolgen, die wir als Staat auch in Zukunft erreichen müssen.

Aber zur Wahrheit gehört immer auch: Der Staat kann viel bewegen, er kann den Anstoß geben.

Der tatsächliche Ruck muss aber durch die Bürgerinnen und Bürger erfolgen. Ohne Signale aus der Bevölkerung geht es schlicht und einfach nicht.

Das fängt damit an, dass Eltern ihren Kindern Werte vorleben müssen. Ganz normale Situationen, in denen Kinder und Jugendliche erleben, was Demokratie im Alltag bedeutet: nämlich, anderen mit Respekt zu begegnen.

Es geht damit weiter, den Ausdruck "Zivilcourage" mit Leben zu füllen.

Zum Beispiel dann, wenn unterschwellig Vorurteile gestreut werden:

Ausländerfeindliche Witze zum Beispiel. Ein lockerer Spruch unter Freunden ist schnell gesagt.

Ich finde, da sind wir alle aufgerufen zu sagen: Stopp, das geht zu weit!

Zeichen setzen heißt auch, über Probleme nicht nur zu reden, sondern sie auch aktiv anzugehen.

Friedliche Gegendemos zum Beispiel, wenn Nazi-Aufmärsche angekündigt werden.

Das ist mittlerweile fast immer der Fall, auch hier bei Ihnen in Mönchengladbach.

Liebe Mönchengladbacher,

die Verteidigung unserer Demokratie muss eine Aufgabe sein, der sich ein Staat, der sich eine Regierung gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern stellt.

Dazu gehört auch ein modernes, weltoffenes Menschenbild. Zum Beispiel eine Zuwanderungsgeschichte nicht als Hürde, sondern als Chance für alle zu begreifen.

Wir müssen auch Europa im Blick behalten. Es macht mir Sorgen, wenn in ganz Europa Parteien Bündnisse schließen. Diese Gefahr dürfen wir nicht unterschätzen.

Viele Parteien verstecken ihre rechten Botschaften in Programmen, die auf Populismus ausgerichtet sind.

Sie nutzen die Krise in Europa aus, und wollen nach dem bekannten Schema menschenverachtende Antworten geben, scheinbar einfache Alternativen bieten:

Dazu zählt zum Beispiel der Vorschlag, Flüchtlingsboote aus Nordafrika auf ihrem Weg nach Europa im Meer zu versenken.

Ich finde, Europas Demokraten sind gefragt, hier enger zusammenzurücken. Wir dürfen diese kruden Ideen nicht belächeln, sondern müssen sie ernst nehmen.

Und auch, wenn Europa für uns einzelne fern erscheint, haben wir selbst Möglichkeiten, für unsere Demokratie einzutreten:

Indem wir am 25. Mai unsere Stimme abgeben. Indem wir uns aktiv für demokratische Parteien, und gegen rechte Parteien entscheiden.

Ich wünsche mir, dass wir den Weg hin zu einer Willkommenskultur weiter gemeinsam gehen.

Herzlichen Dank.

Zitate bei Bedarf:

„Es gibt drei Dinge, die sich nicht vereinen lassen: Intelligenz, Anständigkeit und Nationalsozialismus.

Man kann intelligent und Nazi sein. Dann ist man nicht anständig.

Man kann anständig und Nazi sein. Dann ist man nicht intelligent.

Und man kann anständig und intelligent sein. Dann ist man kein Nazi.“

- Gerhard Bronner, österr. Autor

„Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer. Darum – besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.“

-Willy Brandt

"Wir deutschen Sozialdemokraten bekennen uns in dieser geschichtlichen Stunde feierlich zu den Grundsätzen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit, der Freiheit und des Sozialismus. Kein Ermächtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht, Ideen, die ewig und unzerstörbar sind, zu vernichten. […] Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht."

- Otto Wels

  AUSSTEIGERPROGRAMM >>> http://www.aussteiger.nrw.de/wp/

30. August 2013 - Demonstrationen gegen "Pro Deutschand" und "Die Rechte

120 bis 140 Demokraten sind dem Aufruf des Mönchengladbacher Bündnis: "Aufstehen! - Für Menschenwürde - Gegen Rechtsextremis" gefolgt und versammelten sich am Freitag, 30.09.2013 um ab 9:30 Uhr unseren Protest kundzutuen. Der Grund war die Anreise der rechtspopulistischen Kleinpartei "Pro Deutschland" , die auf ihrer "Propaganda-Tour" Halt an der „Bilal Moschee“ auf der Nordstraße machte. Im Gegensatz zu uns sind nur sechs Agitatorenvon "Pro Deutschland" anwesend. Eine Nachberichterstattung, einen Filmbeitrag vom Stadtfernsehen CityVision und unser Aufruf neben Fotos finden sie auf dem Informationsportal der Theo-Hespers-Stiftung e.V.

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16. März 2013 - Gegen den Auftritt der rechtspopulistischen Pro NRW Bewegung "Aus der Geschichte lernen (1933-2013)" | Demonstration

Mönchengladbach steht auf und stellte sich quer! Wann: Am Samstag, dem 16. März 2013, zwischen 10:30 Uhr und 13:00 Uhr Wo: Flüchtlingsunterkunft Luisental, Mönchengladbach-Geistenbeck 1933: Vor genau 80 Jahren bereiten die Nationalsozialisten mit Mord und Terror den Boden zur Zerstörung der demokratischen Grundlagen in Deutschland und zu ihrer eigenen Machtergreifung. Krieg und millionenfacher Mord sind die Folgen. 6 Millioneneuropäische Juden fallen in deutschen Vernichtungslagern dem rassistischen Wahn der Nazis zum Opfer. 1943: Genau 70 Jahre ist es her, dass von Anfang März im Gefolge des sogenannten „Auschwitz-Erlasses“ von Heinrich Himmler Sinti und Roma in 29 Transporten aus ganz Deutschland ins „Zigeunerlager“ Auschwitz-Birkenau deportiert und dort umgebracht werden. Der Nazi-Vernichtungsmaschinerie fallen 500 000 Sinti und Roma zum Opfer.In diesem Jahr findet auch das Leben eines deutschen Flüchtlings ein gewaltsames Ende. Der Gladbacher Theo Hespers wird nach 17 Jahren Kampf und Widerstand gegen die Nazis und ihre Willkürherrschaft in Antwerpen verhaftet, zum Tode durch Erhängen verurteilt und am 9. September in Berlin-Plötzensee ermordet. 1945: Nie wieder Faschismus ! Nie wieder Krieg ! Es sieht so aus, als hätten alle Deutschen ihre historische Lektion gelernt. Sie legen mit ihrem Grundgesetz vom Mai 1949 eine verlässliche Basis für ein gesellschaftliches Zusammenleben in Freiheit und Menschenwürde und schaffen mit dem Recht auf Asyl ein „Mahn- und Denkmal gegen Hass und Völkermord“ (Christoph Hein). 1993: Seit dem Jahr der Grundgesetzänderung, die das Recht auf Asyl auf die vermeintlich begrenzte Aufnahmekapazität der Bundesrepublik und auf wirtschaftliche Interessen des Landes zurückschneidet, mehren sich rechtsradikale Übergriffe auf Flüchtlinge und ihre Wohnungen in Deutschland. Im Haus der Familie Geng in Solingen sterben bei einem Brandanschlag 5 Menschen. Weitgehend ungestört durch deutsche Sicherheitsorgane, braut sich eine Terrorszene im Untergrund zusammen, die über zwei Jahrzehnte hinweg eine Blutspur mit mehr als 150 Toten quer durch unser Land zieht. 2013: Wie schon wiederholt in Mönchengladbach, treten die Rechtsextremisten der „Bürgerbewegung Pro NRW“ auch in diesem Wahljahr an die Öffentlichkeit, um unter dem Deckmantel bürgerschaftlichen Engagements mit populistischen Parolen die unausrottbare braune Brühe auf ihre Mühlen zu leiten. Waren es vorher der Islam und die Salafisten, die sie zu bekämpfen vorgaben, so haben sie jetzt ein neues Ziel für ihre rassistische Hetze ausgemacht: Die Asylbewerber in unserem Land. In 21 nordrhein-westfälischen Städten wollen sie vor „Brennpunkten des Asylmissbrauchs“ demonstrieren, in Mönchengladbach am 16. März vor dem Flüchtlingswohnheim Luisental. Wir werden den Rechtsextremisten die Schleichwege zurück in die faschistische Barbarei verlegen. „Wir glauben“, um den Aufruf der Antifa Niederrhein zur Gegenkundgebung aufzugreifen, „an eine offene und vielfältige Gesellschaft, in der man unabhängig von Glauben, Herkunft, sexueller Orientierung, Geschlecht und Alter gleichberechtigt und frei miteinander leben kann und in der Asylsuchende und Flüchtlinge Schutz vor Verfolgung erhalten. Wir wollen Begegnung statt Abgrenzung und Miteinander statt Gegeneinander.“ Auch die neue Partei "Die Rechte"...(gespickt mit Überläufer aus der NPD und den verbotenen Kameradschaften agitierte ebenfalls am Samstag, 16. März in Mönchengladbach. Sie war mit zwei Bussen (80 bis 100 Personen) aus dem Raum Aachen mit Halt in Mönchengladbach nach Düsseldorf gefahren. Sie hatten ihre rassistischen Parolen zwischen 14-15 Uhr auf dem Europaplatz am Vitus-Center verbreitet. Wir sind auch dafür aufgestanden und haben uns quer gestellt.

13. Februar 2012 - Pressemitteilung zur bundesweiten Schweigeminute

Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände haben die Menschen in Deutschland zu einer Schweigeminute am Donnerstag, 23. Februar 2012, um 12 Uhr aufgerufen. Zeitgleich findet in Berlin der zentrale Staatsakt statt, den die Verfassungsorgane des Bundes am 23. Februar in Berlin zum Gedenken an die Opfer der fremdenfeindlichen Mordserie begehen. Die Stadt Mönchengladbach und der Integrationsrat schließen sich dem Aufruf zu einer Schweigeminute an und bitten alle Bürgerinnen und Bürger sowie die Mönchengladbach Unternehmen, sich an diesem stillen Gedenken zu beteiligen. Die öffentlichen Gebäude der Stadtverwaltung werden an diesem Tag eine Trauerbeflaggung tragen. Oberbürgermeister Norbert Bude und Gülistan Yüksel, Vorsitzende des Integrationsrates: "Wir bitten die Mönchengladbacher, sich an der Schweigeminute zu beteiligen und innezuhalten, damit wir als Stadt ein deutliches Zeichen gegen Fremdenhass, Rassismus und Gewalt setzen." Erste Zusagen, sich an der Aktion zu beteiligen, gibt es bereits von Mönchengladbachs Taxifahrerinnen und Taxifahrern, die am 23. Februar mit Trauerflor an den Fahrzeugen fahren, und von der NEW AG, die um 12 Uhr alle Linienbusse für eine Minute anhalten wird.

19. Dezember 2011 Gedenkstunde der Opfer rechtsextremer Gewalt in Deutschland

Begrüßung Ferdiand Hoeren | Ansprache Reinhold Schiffer | Ansprache Dr. Probst Albert Damblon | Gedicht Petra Lambrich | Ansprache Adnan Özden

 

 

Foto: Gedenkstunde der Opfer rechtsextremer Gewalt

Wacht Auf! Wenn nicht jetzt wann dann?

Bewegende Gedenkfeier für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt

Dem Aufruf des Mönchengladbacher Bündnisses „Aufstehen! Für Menschenrecht – Gegen Rechtsextremismus“ folgend fanden sich in der Citykirche etwa 150 Menschen am Dienstagabend zu einer bewegenden Gedenkfeier für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt in Deutschland ein.

Rechtsradikale Denkmuster, Alltagsrassismus und Chauvinismus fressen sich vom rechten Rand in die Mitte der Gesellschaft hinein und bieten von dort dem braunen Terror Nahrung. Gegen diese verhängnisvolle Entwicklung und gegen alle Versuche der Verharmlosung rechtsextremistischer Gewalt haben die Besucher der Gedenkstunde auch in unserer Stadt ein deutliches Zeichen gesetzt.

Ferdinand Hoeren, Sprecher des Bündnisses und Vorsitzender der Theo-Hespers-Stiftung, brachte seine Bestürzung darüber zu Ausdruck, dass seit 1990 in unserem Land 157 Menschen dem rechten Terror zum Opfer fielen und rief die Anwesenden zu einer Schweigeminute auf.

Reinhold Schiffers, Bezirksvorsteher des Stadtbezirks Nord, betonte, dass die rechte Gewalt nicht eine Frage von wenigen Tätern sei, sondern dass wir alle uns nicht mit gesellschaftlichen Bedingungen wie etwa der hohen Jugendarbeitslosigkeit abfinden dürften, die den Nährboden für braunes Gedankengut bilden.

Besonders eindringlich waren die Worte von Propst Dr. Albert Damblon, der in Anlehnung an das bekannte Adventslied ausrief: „Wachet auf! Steht auf für die Menschenwürde aller! Wenn nicht jetzt wann dann? Und wenn nicht wir, wer dann?“

Denn, so zitierte Frau Petra Lambrich, Vertreterin der Christlich-Jüdischen Gesellschaft, Hanns Dieter Hüsch: „Nur wenn wir eins sind überall / dann gibt es keinen neuen Fall / von Auschwitz bis nach Buchenwald / und wer's nicht spürt, der merkt es bald. / Nur wenn wir in uns alle sehn, / besiegen wir das Phänomen. / Nur wenn wir alle in uns sind, fliegt keine Asche mehr im Wind.“

Auch Adnan Özden, Vorbeter der der Moschee Neusser Strasse, wünschte sich ein friedvolles und vor allem angstfreies Miteinander der Menschen in Deutschland. Pfarrer Dietrich Denker würdigte das Engagement des Bündnisses und warnte davor, die rechtsextreme Gewalt zu verharmlosen.

Willi Hütz begleitete diese Veranstaltung durch eindrucksvolle musikalische Beiträge.

Ferdinand Hoeren (Bündnissprecher)

Begrüßung

Foto: Ferdinand Hoeren - BündnissprecherGuten Abend, meine Damen und Herren,

ich begrüße Sie im Namen des Mönchengladbacher Bündnis: Aufstehen!-Für Menschenwürde-Gegen Rechtsextremismus. Wir haben uns heute hier versammelt, um der Opfer rechtsextremistischer Gewalt zu gedenken. 10 Menschen aus unserer Mitte sind in den letzten 10 Jahren heimtückisch ermordet worden. 8 muslimische Mitbürger, 1 griechischer Mitbürger und 1 deutsche Polizeibeamtin.

Bis vor wenigen Wochen waren diese Morde ungeklärt. Lange hat die Polizei fälschlicher weise im Umfeld der Opfer, ihrer Angehörigen und Freunde ermittelt nach Verdächtigen gesucht.

Und dann müssen wir mit erschrecken feststellen, dass zwei Neonazis diese Morde planmäßig durchgeführt haben, zwei rechtsextremistische Täter, die in steter Verbindung standen mit einem rechtsextremen Netz thüringischer NPD-Leute.

Wir trauern um diese Mitbürger und drücken unser Mitgefühl aus mit deren Verwandten und Freunden.

Entsetzt sind wir über die täglichen Meldungen bezüglich der dilettantischen Arbeitsweise unseres Verfassungsschutzes, der V-Leute und deren Bezahlung, der Waffenbeschaffung der Neonazis im Umfeld der Bundeswehr.

Aber wir trauern auch heute um die 147 Toten rechtsextremistischer Gewalt seit 1990 in Deutschland, also um mindestens 158 Opfer Rechtsextremistischer Gewalttaten, derer wir heute Gedenken.

Wir wollen, dass diese rechtsradikale Entwicklung in unserem Lande, deren immer weitere Vernetzung und diese Blutspur ein Ende finden.

Dazu sind unsere staatlichen Organe nicht nur aufgefordert sondern verpflichtet laut Artikel 1 unseres Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Erfolgreich können wir jedoch nur dann sein, wenn sich die gesamte Zivilgesellschaft dafür einsetzt.

Wir in Mönchengladbach wollen unser Mögliches dazu tun.

Meine Damen und Herren, ich bitte Sie, sich zu einer Schweigeminute für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt von Ihren Plätzen zu erheben.

Ich danke Ihnen.

Reinhold Schiffers

Bezirksvorsteher Mönchengladbach Nord

Foto: Reinhold Schiffer - Bezirksvorsteher NordGut, dass wir hier heute zusammen gekommen sind.

Danke, dass das „Bündnis – Aufstehen für menschenwürde – gegen Rechtsextremismus„ uns aufruft ein Zeichen zu setzen, ein Zeichen dafür, dass wir einstehen für die Achtung der Menschenwürde – überall, ein Zeichen dafür, dass uns der Mord an menschen, die als brave Bürger unter uns lebten nicht ungerührt lässt.

Aber Vorsicht!

Wir sind heute – trotz der guten Resonanz – nicht die Mehrheit. Wir sind eine kleine Gruppe. Die öffentliche Diskussion konzentriert sich fälschlicherweise auf die rechte Terrorszene. Die ist aber nur die Spitze eines Eisbergs. Fremdenfeindliche Gedanken und Äußerungen sind längst in die Mitte der Gesellschaft angekommen. Hier reicht ein blick in die Bestsellerlisten und Leserbriefspalten als Beleg.

Die fortschreitende Teilung der gesellschaft – auch hier in MG – nährst Rassismus und Chauvinismus.

Wir haben uns schon zu sehr daran gewöhnt, dass Menschen, die auf staatliche Hilfe angewiesen sind behördlichen Misstrauen und kleinlichem Papierkrieg ausgeliefert sind.

Wir haben uns schon zu sehr daran gewöhnt, dass wir seit Jahrzehnten einem Viertel der Jugendlichen Warteschleifen, statt Perspektiven anbieten.

Was wundert uns dann noch, wenn wir viele dieser Menschen verlieren, dass sie diesen Staat nicht attraktiv finden, dass sie die versprechen von Extremisten jedweder Couleur attraktiver finden.

Es ist gut, dass wir hier sind.

Es ist gut, wenn wir gemeinsam daran arbeiten, wenn wir morgen wieder an die Arbeit gehen, dass unsere Gesellschaft, unser Staat – auch hier in MG – wieder attraktiver wird, attraktiver als die verführerischen Versprechen, die solche Mordtaten hervorbringen.

Probst Dr. Albert Damblon

Foto: Probst Dr. Albert DamblonIhr Bürgerinnen und Bürger wacht auf. Es ist Zeit!

Die Zeit vor Weihnachten heißt in der christlichen Tradition Advent und hat einen besonderen Charakter. Eines der in unserem Land bekanntesten Adventslieder fordert auf, aufzuwachen.

„Wachet auf!“

In der Gedenkstunde für die Mordopfer des rechtsextremen Terrors gebe ich den Liedvers weiter. Es ist Zeit, wacht auf!

Wer nach 158 Ermordeten immer noch nicht wach ist, verkennt die mörderische Gefahr für viele unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Es berührt eigenartig, wie in den letzten Jahren unsere Sicherheitsbehörden Schläfer waren, in einem anderen Sinn als wie der Begriff bei Geheimdiensten normalerweise gebraucht wird. Sie waren Verschlafene, die erst durch zehn aktuelle Morde aufgewacht sind.

Aber auch wir, die Bürgerinnen und Bürger von Mönchengladbach, verschlafen das, was sich im rechtsextremen Milieu tut. Leichtgläubig stolz behaupten wir, dass im Rat unserer Stadt nur ein NPD-Mitglied sitzt. Uns interessiert nicht, welche Gruppen es unterstützt und wer zu seinen Unterstützern zählt. Als die Salafisten auftauchten, waren wir hellwach. Der braune Sud köchelt unbemerkt weiter.

Es ist an der Zeit. Wacht auf!

Die deutsche Geschichte hat eindrücklich bewiesen, wohin das Verschlafen führt. Die Ereignisse des 9.Novembers 1938 haben die Mehrheit der Bevölkerung nicht aufgeweckt.

Ich stehe hier als Kirchenvertreter und bekenne: Damals wurde zwar in unseren Kirchen kräftig „Wacht auf“ gesungen, aber gleichzeitig haben die deutschen Katholiken tief geschlafen. Dadurch ist die katholische Kirche schuldig geworden, mögen einzelne Christinnen und Christen hellwach gewesen sein. Die Kirche würde heute schuldig, falls sie die Morde an unseren Mitbürgern verschläft.

Nach dem katholischen Theologen Johann Baptist Metz heißt wachen aufwachen, die Augen öffnen und genau hinschauen. Der christliche Glaube ist nichts anderes als eine Sehschule. Als Glaubender lerne ich, mit wachen Augen in das Antlitz des Anderen, des Fremden zu schauen und es lieb zu gewinnen. Wach sein heißt sehen.

Unser Mitbürger, der jüdische Philosoph Hans Jonas hat einmal formuliert: „Sieh hin und du weißt.“ Sieh wach auf den Menschen und du weißt.

Wir können nicht mehr in das geschundene Antlitz der Opfer sehen. Die Mörder hätten es sehen können, sie haben es kaltblütig gezielt übersehen. Wir dürfen in das Antlitz der zurück gebliebenen Frauen, Kinder und Eltern sehen. Dann sehen wir ihre Tränen wie die Tränen von Geschwistern. Sie weinen um ihren Mann, um ihren Bruder, um ihren Vater, um ihre Tochter.

Wir, Christinnen und Christen, haben zu weinen, weil wir nicht wach gewesen sind. Unser Herz sollte sich zart rühren, wie es Hermann Hesse beschrieben hat: „ Dass Gott in jedem von uns lebt,… dass das Wissen um diese göttliche Einheit alle Trennung in Rassen und Völkern, … als Spuk und Täuschung entlarvt, das ist der Punkt, auf den wir zurückkehren, wenn …zarte Rührung unser Herz wieder liebesfähig gemacht“ hat. Ja, es ist an der Zeit, wacht auf!

In Abwandlung eines bekannten Ausspruchs schließe ich:

Glaubenslose gehören zu Mönchengladbach, Christinnen und Christen gehören zu Mönchengladbach, Jüdinnen und Juden gehören zu Mönchengladbach, Muslimas und Muslime gehören zu Mönchengladbach, Rechtsextreme gehören niemals in unsere Heimatstadt.

Petra Lambrich

Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V.

Foto: Petra Lambrich -Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit„Nur wenn wir eins sind überall / dann gibt es keinen neuen Fall / von Auschwitz bis nach Buchenwald / und wer's nicht spürt, der merkt es bald. / Nur wenn wir in uns alle sehn, / besiegen wir das Phänomen. / Nur wenn wir alle in uns sind, fliegt keine Asche mehr im Wind.“

von Hanns Dieter Hüsch

Adnan Özden

Vorbeter der der Moschee Neusser Strasse

 
Foto: Adnan Özden - Vorbeter der Moschee Neusser StraßeSehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

Der Grund, warum wir heute Abend hier zusammengekommen sind, ist wahrlich kein erfreulicher. Es wurden Menschen, allein aufgrund ihrer Herkunft ermordet. Und dies, über Jahre hinweg.

Ich möchte gegenüber den Angehörigen, den Hinterbliebenen dieser Mordserie mein tiefstes Beileid bekunden. Ich wünsche ihnen die Kraft, nach jahrelanger Ungewissheit, dem „warum“, dem „wieso“ ein Antwort zu geben und endlich einen Schlussstrich ziehen zu können.

Ich weiß nicht, wie ich meine Gemütslage beschreiben soll. Soll ich verstört darüber sein, dass Menschen mit so viel Hass erfüllt sein können?

Soll ich wütend darüber sein, dass sie jahrelang eine blutige Spur durch Deutschland gezogen haben? Unschuldige Menschen, allein aufgrund ihrer Herkunft ermordet haben, hingerichtet haben?

Soll ich fassungslos darüber sein, dass sie dies ungehindert und unentdeckt tun konnten?

Oder soll ich verängstigt darüber sein, dass auch wir hier konkret als Mönchengladbacher Moscheegemeinde auf der langen Liste genau dieser Terrorgruppe standen?

Ich habe mir noch kein abschließendes Urteil erlaubt. Aber eins ist sicher, ich möchte nicht ängstlich sein müssen in einem Land, was ich als meine Heimat bezeichne. Ich möchte mich nicht verstecken oder wegducken müssen, nur weil ich eine andere Herkunft habe.

Und genau deswegen, ist jetzt von Seiten der Justiz und der Politik eine lückenlose Aufklärung gefragt. Die Menschen dürfen nicht in eine Angstspirale verfallen gegenüber Gewalt, egal ob diese von rechts, links oder einer anderen Richtung kommt.

Auf der einen Seite dürfen wir nicht den Fehler machen den rechtsradikalen Rassismus zu bagatellisieren und als Einzeltaten zu verharmlosen.

Auf der anderen Seite ist es jedoch ebenso Wichtig sich nicht abzuschotten und zu verallgemeinern.

Ich habe mit Hochachtung vor einigen Monaten nach Oslo, nach Norwegen geschaut und habe gesehen, dass sich die Menschen durch einen schrecklichen und menschenverachtenden Terrorakt nicht einschüchtern liesen, dass in seiner Brutalität mit der Mordserie in Deutschland nicht zu vergleichen ist. Im Gegenteil, sie haben jeglichem Rassismus und Unmenschlichkeit eine Absage erteilt und für noch stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalt, für gegenseitigen Respekt und Toleranz und für einen dauerhaften gesamtgesellschaftlichen Frieden geworben. Ich finde den „Norwegischen Weg“ den richtigen.

Mitfühlen, eigene Fehler aufspüren und abstellen, aufklären, und die Täter und deren Komplizen der gerechten Strafe zuführen…. „JA“.

Angst haben, sich verkriechen, in Resignation verfallen und das Vertrauen in den Rechtsstaat und seine Organe verlieren…. „NEIN“.

Lassen Sie uns, meine Damen und Herren, gemeinsam an dem friedlichen Zusammenleben in unserem Land unbeirrt weiterarbeiten.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Schluss

Foto: Ferdinand Hoeren (Schlussrede)Meine Damen und Herren,

ich danke Ihnen für Ihre Teilnahme und Ihre Mitwirkung.

Während des abschließenden Musikbeitrages bitte ich Sie aufzustehen und sich an die Hände zu nehmen als Symbol der Solidarität für die Menschenwürde aller.

Ich selbst möchte zum Schluss ein sehr kleines Gedicht vortragen, ein Gedicht des Dichters Rainer Maria Rilke, die letzten Verse, die er Geschrieben hat, und die auf seinem Grabstein stehen.

"Rose, oh! Reiner Widerspruch, Lust, aber niemandes Schlaf zu sein unter so viel Lidern."

 

 

 

Juli 2011 Öffentliche Stellungnahme zum Mönchengladbacher Salafistenkonflik

Sehr geehrter Mitbürger! Vielen Dank für ihr Schreiben vom 05. April 2011 an unser Bündnis. Wir teilen Ihre Sorge bezüglich der Risiken, die von dem Verein EZP ausgehen und verurteilen, wie Sie, jegliche Form des Extremismus. Einige der, dem Bündnis angeschlossenen Mitglieder haben im Rahmen ihrer eigenen Gremien in Parteien, Kirchen, Vereinen und Initiativen selbst zum Teil sehr zeitnah bereits im Herbst 2010 Erklärungen bzw. Stellungnahmen verabschiedet. Insbesondere die Unfähigkeit zum Dialog und die damit verbundene Ausgrenzung des radikalen Salafismus aus dem gesellschaftlichen Diskurs wurde dort bereits auf unterschiedliche Weisen formuliert. Eine Form des Widerstandes, nämlich die Information über die Gedanken, Ziele, politische und religiöse Implikationen des Salafismus wurde auf breiter gesellschaftlicher Basis auch mit Unterstützung der hiesigen Presse geleistet. Solche Bildungsarbeit befähigt zum kritischen Umgang mit den populistischen Redensweise der Salafisten. Insbesondere im Bereich der Jugendarbeitenden in unserer Stadt ist diese Bildungsarbeit zum Teil trotz Widerständen aus dem Umfeld der Salafisten geleistet worden und wird auch weiter geleistet. Dem Verfassungsschutzbericht und den verschiedenen Presseartikeln zum Salafismus in unserer Bundesrepublik haben Sie sicherlich entnommen, dass sowohl unsere Gesellschaft als auch die Politik und der Verfassungsschutz mit großer Wachsamkeit die Umtriebe, das Umfeld und die Hintergründe salafistischer Extremisten in unserem Land beobachten. Wir alle tun das auf dem Boden unserer Verfassung und nach Recht und Ordnung. Ein Generalverdacht gegen den Salafismus ergibt sich aus dem Verfassungsschutzbericht des Bundesministeriums des Innern von 2010. Unsere Stadt, die Vertreter des Bündnisses wie auch unsere Verfassungsorgane und die politischen Parteien haben deshalb je und je im Einzelnen darauf geschaut, was für Risiken und Gefahren von einem extremistisch gelebten Salafismus ausgehen. Insbesondere die Bürgerinnen und Bürger in Eicken haben neben diesem wachsamen Blick auf Risiken und Gefahren auch dem Bürgerprotest auf die je eigene Weise Form und Gestalt gegeben. Unser Bündnis hat die Gefahren eines radikalisierten salafistischen Islam als eine weitere Stimme des gesellschaftlichen Chores im „Laufband“ auf unserer Homepage deshalb ausdrücklich auch darauf Bezug genommen. Nun sind erste Früchte dieser vielfältigen Auseinandersetzung mit dem Salafismus sichtbar geworden. Staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, nicht genehmigte Baumaßnahmen, die Überlegung des Verbotes des Vereins und eine Ächtung des extremistischen Salafismus durch die Vertreter von Moscheegemeinden und Kirchen habe ihr Übriges dazu beigetragen. Die Gefahr einer schleichenden Unterwanderung unserer demokratischen Gesellschaft ist damit zwar nicht endgültig gebannt, aber unsere Gesellschaft erweist sich als stark und wachsam genug, mit den ihr möglichen Mitteln auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufzubringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen, wie Sie schon Carlo Schmidt zitiert haben: "Soll diese Gleichheit und Freiheit völlig uneingeschränkt und absolut sein, soll sie auch denen eingeräumt werden, deren Streben ausschließlich darauf geht, nach der Ergreifung der Macht die Freiheit selbst auszurotten? Also: Soll man sich auch künftig so verhalten, wie man sich zur Zeit der Weimarer Republik z.B. den Nationalsozialisten gegenüber verhalten hat? Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es nicht zum Begriff der Demokratie gehört, dass sie selber die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft: Demokratie ist nur dort mehr als ein Produkt einer bloßen Zweckmäßigkeitsentscheidung, wo man den Mut hat, an sie als etwas für die Würde des Menschen Notwendiges zu glauben. Wenn man aber diesen Mut hat, dann muss man auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen." Wir weisen noch zusätzlich auf Artikel 18 unseres Grundgesetzes hin: „Wer die Freiheit der Meinungsäußerung, insbesondere die Pressefreiheit (Artikel 5 Abs.1), die Lehrfreiheit (Artikel 5 Abs.3), die Versammlungsfreiheit (Artikel 8), die Vereinigungsfreiheit (Artikel 9), das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis (Artikel 10), das Eigentum (Artikel 14) oder das Asylrecht (Artikel 16a) zum Kampfe gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung missbraucht, verwirkt diese Grundrechte. Die Verwirkung und ihr Ausmaß werden das Bundesverfassungsgericht ausgesprochen.“ Eine unmittelbare Gefahr der Unterwanderung unserer Demokratie besteht, solange dieser Mut gegeben ist, unseres Erachtens nicht. Als Wächter und Hüter unserer freiheitlichen Grundordnung tragen wir all auf die uns gegebene Weise an der Verteidigung und dem Erhalt unserer Demokratie bei und vermögen radikalistische und extremistische Strömungen in die Schranken zu weisen. Damit dies so bleibt, laden wir alle engagierte Demokraten ein, sich in unserer Gesellschaft auf ihre Weise einzubringen und zu Wort zu melden. Unsere Demokratie ist so stark, wie die Menschen, die sie durch ihr Handeln und Reden tragen. +++ Der Salafistenverein "Einladung zum Paradis" (EZP) hat sich im August 2011 aufgelöst! +++

 

27 Januar 2011 - Tag des Gedenkens an alle Opfer des Nationalsozialismus | Citykirche

Bundespäsident Roman Herzog hatte den 27. Januar zum Tag des Gedenkens an alle Opfer des Nationalsozialismus erklärt, um „eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt und jeder Form der Wiederholung entgegenwirkt“.

Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust

Am Donnerstag, den 27. Januar 2011 um 19.00 Uhr begrüßte Propst Dr. Albert Damblon (Katholische Kirche) im Namen des Mönchengladbach Bündnis: "Aufstehen! - Für Menschenwürde - Gegen Rechtsextremismus" die zahlreich gekommenden Mitbürgerinnen und Mitbürger Mönchengladbachs in der City-Kirche am Alter Markt. Erschiehnen waren u.a. auch Vertreter des Stadtrates, der Sozialverbände und anderen Instutionen. Aus technischen Gründen musste die Veranstaltung direkt nach Beginn in das Lese-Cafe der City-Kirche verlegt werden. Jedoch konnte durch das dortige Zusammenrücken auch dort, dem Gedenkttag entsprechend, eine spürbare Atmosphäre entstehen. Großen Anteil hieran hatten die Mezzo-Sopranistin Nina Schneider und die Pianistin Natascha Soboljva. Lesen Sie nun die Gedenkansprachen von Propst Dr. Albert Damblon und Pfarrer Wolfgang Hess (Evangelische Kirche) und das bemerkenswerte Referat von Ferdinand Hoeren (Bündnissprecher und Vorsitzender der Theo-Hespers-Stiftung e.V.).

21.12.2010 - Vorweihnachtliche Friedensveranstaltung als Gegenveranstaltung zur vom NPD-Ratsherr angemeldete Veranstaltung zur Wintersonnenwende in Mönchengladbach

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

das Mönchengladbacher Bündnis: "Aufstehen`! - Für Menschenwürde - Gegen Rechtsextremismus" lud herzlich zur Veranstaltung am Dienstag, 21. Dezember 2010 um 19.00 Uhr auf dem Eickener Marktplatz in Mönchengladbachein. Grund war, dass der Ratsherr und NPD-Vorsitzende Manfred Frenzen für die Germanisch-Mythologische Glaubensgemeinschaft Rheinland eine Veranstaltung angemeldet hatte. Diese fand zeitgleich auf der Krall´schen Wiese statt.

Bild: Gerd Windelen am Akkordejon

Bei kostenlosem heißen Glühwein und Kakao begrüßte Ferdinand Hoeren mit einer kurzen Ansprache über die Beweggründe der Zusammenkunft alle Anwesenden.

Das feiern der Wintersonnenwende und das Berufen auf die germanische Mythologie sei eine alte Nazi-Tradition sagt Bündnissprecher Ferdinand Hoeren. Damit zeigten die Veranstalter ihre rechte Gesinnung und menschenverachtende Einstellung. Weihnachten sei jedoch ein christliches Fest der Liebe und Toleranz und nicht der Ausgrenzung so Hoeren: "Gegen ihren Antisemitismus, Chauvinismus, Sozialdarwinismus und Ausländerfeindlichkeit setzen wir Freiheit, Frieden, Demokratie und Rechtstaatlichkeit.

Es war erfreulich, dass viele der gut 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Bitte folgten und ein Licht mitbrachten – Laterne, Windlicht oder Martinsfackel waren gewünscht da Weihnachten das Lichtfest ist – aber keine Pechfackel, denn das war Nazibrauch.

Manch einer/eine hielt selbst eine Anreise von mehreren Kilometer z.B. aus Düsseldorf nicht von einer Teilnahme ab. Hochachtung für dieses Engagement.

Anschließend, bei guter Stimmung, wurden Friedenslieder und Weihnachtslieder gesungen, die von Gerd Windelen am Akkordeon begleitet wurden. Pfarrer Edmund Erlemann nahm unsere Einladung dankend an und unterstrich mit seiner zwischendurch gehaltenen Rede die Notwendigkeit sich für soziale Gerechtigkeit sowie gegen die Gewalt in unserer Gesellschaft - speziell von Rechts - einzusetzen.

Der ein oder andere wollte sich nur langsam von dieser stimmungsvollen Abendveranstaltung und dem heißen Glühwein in der Hand in Richtung TIG verabschieden. Dort im Theater im Gründerhaus in Eicken trug Robert Peters noch eine Weihnachtsgeschichte von Wolfgang Borchert "Die drei dunklen Könige" vor.

Nachberichterstattung

www.wz.de/lokales/moenchengladbach/gegendemo-als-lichtfest

 

 

9. Oktober 2010 - Demonstation gegen Pro NRW - Veranstaltungen: Kirche Maria Rosenkranz | Kaiser-Friedrich-Halle | Schillerplatz | Platz der Republik

Erklärung

zu den Auseinandersetzungen um die Islamschule in Eicken - Pastoralteam der Pfarre Sankt Vitus

"Seit vielen Jahren gibt es gute und verlässliche Kontakte zwischen der Kath. Kirche in der Region Mönchengladbach und verschiedenen Gladbacher Moscheevereinen. Der Cityseelsorger Pastoralreferent Wolfgang Funke hat einen bischöflichen Auftrag für das Gespräch zwischen den Religionen. Er hält regelmäßig Kontakt zu den verschiedenen Religionsgemeinschaften und lädt zum interreligiösen Gespräch immer auch Vertreter der Moscheen und der jüdischen Gemeinde ein. Das letzte größere Gespräch fand im Juni in der Citykirche statt in Anwesenheit unseres Diözesanbischofs Dr. Heinrich Mussinghoff.

Dabei wurde noch einmal deutlich: Der Dialog der Religionen ist ohne Alternative.

Neben diesen Kontakten gibt es viele Beziehungen zu muslimischen Familien durch unsere Kindertagesstätten, durch die Hausaufgabenbetreuung und die Ferienspiele. Schüler und Schülerinnen des muslimischen Glaubens begegnen dem christlichen Glauben in den Grundschulen und auch im Schulgottesdienst. Muslimische Jugendliche besuchen christliche Kirchen, christliche Jugendliche sind zu Gast in uns gut bekannten Moscheen Es gibt eine gute, verständnisvolle Nachbarschaft zwischen Muslimen und Christen, die auf jeden Fall erhalten bleiben muss.

Zu der Moschee in Eicken haben Gemeindereferent Wolfgang Mahn und Pfarrer Wolfgang Bußler Anfang Juli bei einem Sommerfest erste Kontakte geknüpft. Die gegenwärtige Entwicklung durch den Plan, eine Islamschule durch den Verein "Einladung zum Paradies" einzurichten, die nach Presseberichten schon in Braunschweig vom Verfassungsschutz beobachtet wurde, hat uns wie alle Bürgerinnen und Bürger überrascht und bereitet uns Sorge.

Wir Christinnen und Christen treten aktiv für die Freiheit der Religionsausübung und für die Würde des Menschen ein und wir erwarten dies auch für uns Wir fordern insbesonders die gleiche Würde und die gleichen Rechte von Frau und Mann ein und den Respekt vor der Menschenwürde

Wir erwarten, dass unsere politischen Behörden die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger, die Religionsfreiheit und die Gleichberechtigung von Frau und Mann durchsetzen. Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland gilt für alle Menschen, die hier leben.

Wir wünschen uns einen fairen Dialog, der von Toleranz geprägt ist, und weiterhin Respekt vor dem Anderen, „gleich welcher Religion, Rasse und Geschlecht er angehört:" (s. Erklärung der Menschenrechte)

Für das Pastoralteam Wolfgang Bußler, Pfarrer

Regionaldekan Ulrich Clancett für die Region Mönchengladbach

regionaldekan"Der Regionalpastoralrat der katholischen Region Mönchengladbach beobachtet aufmerksam und besorgt die konflikthafte Entwicklungen in Eicken.

Wir wollen unbeirrt am kontinuierlichen Dialog der Religionen fest halten. Dazu gibt es keine Alternative.

Wir suchen ihn mit allen Menschen guten Willens, die sich wie wir Christinnen und Christen selbstverständlich zur Religionsfreiheit und zu einem Leben auf dem Boden des Grundgesetzes bekennen. Wir fordern insbesondere die gleiche Würde und die gleichen Rechte von Frau und Mann ein und den Respekt vor der Menschenwürde.

Wir verstehen die Sorgen von Anwohnern, die um ein friedliches Miteinander in ihrem Stadtteil fürchten.

Wir nehmen einen zunehmenden Druck auf muslimische Mitbürger und Mitbürgerinnen in unserer Stadt wahr, weil oft undifferenziert alle zu Unrecht mit Islamismus in Verbindung gebracht werden.

Wir haben Respekt vor dem hohen Integrationswillen vieler Menschen mit Migrationshintergrund.

Wir befürchten, dass sich auch andere Gruppen zu Wort melden und den entstandenen Konflikt für ihre Zwecke funktionalisieren, die wir nicht gutheißen können. Eine fundamentalistische Auslegung jeglicher Religion und politisch extreme Positionen verurteilen wir scharf.

Wir appellieren an alle Christen und Christinnen in dieser Stadt, sich im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten für ein gutes Zusammenleben aller zu engagieren."

Evangelischer Kirchenkreis Gladbach-Neuss

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"Das Phänomen" (Autor: Hanns Dieter Hüsch) vorgetragen von Pfarrer Wolfgang Hess

 

"Was ist das für ein Phänomen

Fast kaum zu hören kaum zu sehn

Ganz früh schon fängt es in uns an

Das ist das Raffinierte daran

Als Kind hat man's noch nicht gefühlt

Hat noch mit allen schön gespielt

Das Dreirad hat man sich geteilt

Und niemand hat deshalb geheult

Doch dann hieß es von oben her

Mit dem da spielst du jetzt nicht mehr

Das möcht ich nicht noch einmal sehn

Was ist das für ein Phänomen

Und ist man grösser macht man's auch

Das scheint ein alter Menschenbrauch

Nur weil ein andrer anders spricht

Und hat ein anderes Gesicht

Und wenn man's noch so harmlos meint

Das ist das Anfangsbild vom Feind

Er passt mir nicht er liegt mir nicht

Das ist das nicht und find ihn schlicht

Geschmacklos und hat keinen Grips

Und ausserdem sein bunter Schlips

Dann setzt sich in Bewegung leis

Der Hochmut und der Teufelskreis

Und sagt man was dagegen mal

Dann heisst's: Wer ist denn hier normal

Ich oder er du oder ich

Ich find den Typen widerlich

Und wenn du einen Penner siehst

Der sich sein Brot vom Dreck aufliest

Dann sagt ein Mann zu seiner Frau

Guck dir den Schmierfink an die Sau

Verwahrlost bis zum dorthinaus

Ja früher warf man die gleich raus

Und heute muss ich sie ernähr'n

Und unsereins darf sich nicht wehr'n

Und auch die Gastarbeiterpest

Der letzte Rest vom Menschenrest

Die sollt man alle - das tät gut

Spießruten laufen lassen bis auf's Blut

Das hamwer doch schon mal gehört

Da hat man die gleich streng verhört

Verfolgt gehetzt und für und für

Ins Lager reingepfercht und hier

Hat man sie dann erschlagen all

Die Kinder mal auf jeden Fall

Die hatten keinem was getan

Was ist das für ein Größenwahn

das lodert auf im Handumdrehn

Und ist auf einmal Weltgeschehn

Denn plötzlich steht an jedem Haus

Die Juden und Zigeuner raus

Nur weil kein Mensch derselbe ist

Und weiß und schwarz und gelbe ist

Wird er verbrannt ob Frau ob Mann

Und das fängt schon von klein auf an

Und wenn ihr heute Dreirad fahrt

Ihr Sterblichen noch klein und zart

Es ist doch eure schönste Zeit

voll Phantasie und Kindlichkeit

Lasst keinen kommen der da sagt

Dass ihm dein Spielfreund nicht behagt

Dann stellt euch vor das Türkenkind

dass ihm kein Leids und Tränen sind

Dann nehmt euch alle an die Hand

Und nehmt auch den der nicht erkannt

Dass früh schon in uns allen brennt

Das was man den Faschismus nennt

Nur wenn wir eins sind überall

Dann gibt es keinen neuen Fall

Von Auschwitz bis nach Buchenwald

Und wer's nicht spürt der merkt es bald

Nur wenn wir in uns alle sehn

Besiegen wir das Phänomen

Nur wenn wir in uns alle sind

Fliegt keine Asche mehr im Wind"

Auftaktveranstaltung: Kaiser-Friedrich-Halle (12.00 Uhr)

Redebeitrag: Reimund Strauß/IG Metall MG (es gilt das gesprochene Wort)

demo_201020101009_0017"Die freien Gewerkschaften waren eines der ersten Opfer der Nazi Diktatur, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter wurden verhaftet, gequält und auch ermordet. Am 2. Mai 1933 besetzten die braunen Horden die Gewerkschaftshäuser um freie Arbeitnehmervertretungen zu zerschlagen. Diese Erfahrungen mahnen uns, immer und überall den Anfängen zu wehren. Sie verpflichten uns, in unseren alltäglichen Begegnungen genauso wie in der politischen Auseinandersetzung rassistischem und fremdenfeindlichem Gerede und Handeln und der Diskriminierung von Menschen entgegenzutreten. Hierfür geben vor allem die Aufmärsche alter und neuer Nazis Anlass.

Wir stellen uns ihnen überall entgegen. Wir streiten dafür, dass im Gewand von Biedermännern daherkommende Faschisten wie - Pro NRW - Grenzen aufgezeigt bekommen. Pro NRW wird seit einigen Jahren durch den Verfassungsschutz beobachtet.

Eine bezeichnen Gemeinsamkeiten mit den Wirrköpfen die sich in Eicken unter dem Deckmantel einer religiöser Gemeinschaften einzurichten suchen.

Das hauptsächliche politische Anliegen von pro NRW ist eine radikale Ablehnung des Islam und eine extreme, rassistisch motivierte und über eine vermeintliche christliche Kultur hergeleitete Islamkritik.

Wir wehren uns gegen das schüren von rassistische und fremdenfeindliche Ressentiments. Faschismus ist keine Meinung, Faschismus ist ein Verbrechen.

Und so wie Verbrechen verboten sind, so gehört auch die NPD und andere in diesem Dunstkreis verboten. Es muss endlich Schluss sein mit der Ungeheuerlichkeit, dass Gerichte den Feinden der Demokratie genehmigen, ihre menschenverachtende und demokratiefeindliche Gesinnung auf die Straßen zu tragen. Demokratische Freiheit kann nicht heißen, auch denjenigen diese Freiheit zu geben, die die Demokratie abschaffen wollen.

Aktuell sehen wir uns aber nicht nur durch erklärte Neonazis, sondern auch durch die rassistischen Aussagen des ehemaligen Bundesbank-Vorstandmitglieds Thilo Sarrazin herausgefordert. Diesen Mann können und dürfen wir nicht einfach als einen geltungssüchtigen Populisten abtun, der mit seinen Provokationen Verkaufsförderung für sein neues Buch betreibt. Das wäre zu billig, liebe Kolleginnen und Kollegen. Wie Sarrazin über Muslime in Deutschland urteilt, das ist gemeingefährlich. Er schürt Vorurteile und Ängste gegenüber dem Islam und baut ein religiöses Feindbild auf, das nicht mit einem weltoffenen, durch Religionsfreiheit geprägten Gemeinwesen vereinbar ist. Sarrazin rüttelt wie Pro NRW - so an den Grundfesten unserer Demokratie. Er offeriert von Arbeitslosigkeit und Bildungsnotstand Betroffenen den Islam als Sündenbock. Seine pseudowissenschaftlichen Äußerungen über die Gene bestimmter Volksgruppen und Menschen jüdischen Glaubens hauchen einer längst überwunden geglaubten Rassentheorie neues Leben ein. Sie sind Steilvorlagen für alte und neue Vertreter nazistischer Ideologie. 

Ich stimme der Aussage von Bundespräsident Wulf zu Der Islam gehört zu Deutschland - JA

Wobei mir - persönlich ...- weniger die religiöse Ausrichtung wichtig ist sondern den kulturellen Hintergrund der Menschen.

Bei der IGM sind mehr als 10 % der Mitglieder - Menschen mit Mingrationshintergrund. Sie haben gemeinsam mit der hiesigen Bevölkerung diese Land aufgebaut und auch durch die Vielfalt lebenswert gemacht. Ob zu dieser Vielfalt auch Vertreter der Salafisten gehören, die unsere Werte des

Zusammenlebens und Grundzüge unserer Verfassung ablehnen und verachten - kann man in der Tat in Zweifel ziehen.

Als Gewerkschafter masse ich mir nicht an in „Glaubensdingen“ die letzte Wahrheit zu kennen - aber mir sind immer Vertreter der absoluten Wahrheiten - ein Graus. Ob aus islamischer, christlicher oder einer anderen Religionsausrichtung.

Ansonsten sage ich gilt die alte „Rheinische Weisheit“ „Jede Jeck es anders“. Aber wir werden gemeinsam unser Gesellschaftsmodel von Freiheit,

Gleichberechtigung und Beteiligung - auch wenn es nicht perfekt ist - verteidigen. Wir müssen deutliche Grenzen ziehen und nicht jeder Merkwürdigkeit Raum bieten.

Nur Empörung ist zu wenig.

Die Demokratie und damit wir alle, müssen sich gegen solche Angriffe von Rechtsradikalen und intoleranten religiösen Eiferern wehren.

Deshalb ist es gut so das Mönchengladbach „Aufsteht - für Menschenwürde und gegen Rechtsextremismus.“

Verlesen der Stellungnahme des Integrationsrates (16.09.2010) zur derzeitigen Situation in Eicken von Gülistan Yüksel

demo_201020101009_0035"Integration unter Bewahrung der eigenen kulturellen Identität findet nicht in einem überschaubaren Zeitraum statt, sondern ist ein andauernder, bleibender Prozess der kleinen Schritte in allen Lebensbereichen.

Es ist daher das Interesse des Integrationsrates, alle Menschen mit ausländischen Wurzeln in die Mönchengladbacher Bürgerschaft einzugliedern.

Er setzt sich seit vielen Jahren für ein gleichberechtigtes Zusammenleben Aller sowie für Toleranz und Akzeptanz auf allen Ebenen des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Lebens ein

In dieser Stadt leben über 140 Nationalitäten, deren kulturelle- und religiöse Zugehörigkeiten breit gefächert sind.

Basis des Zusammenlebens ist das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, das im Artikel 2 die persönlichen Freiheitsrechte definiert.

„Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte Anderer verletzt."

Der Integrationsrat nimmt die Ängste der Bürgerschaft ernst, auch die der vielen ausländischen Mitbürger.

Der Integrationsrat unterstützt deshalb alle Maßnahmen, die der Verständigung, Toleranz und praktischen Solidarität dienen und lehnt extreme Gruppierungen ausdrücklich ab.

Wer sich ein eigenes Bild über die Vielfalt der Kulturen in Mönchengladbach machen möchte, ist sehr herzlich eingeladen, die Veranstaltungen im Rahmen der Interkulturellen Woche zu besuchen."

Zwischenkundgebung: Schillerplatz (13.30 Uhr)

Im Namen des Bündnis begrüßt Ferdinand Hoeren alle Demonstranten:

demo_201020101009_0037"Sehr geehrte Damen und Herren,

ich heiße Ferdinand Hoeren und begrüße Sie herzlich im Namen des Mönchengladbacher Bündnis: Aufstehen! – Für Menschenwürde – Gegen Rechtsextremismus. Besonders begrüße ich unsere Eickener Mitbürgerinnen und Mitbürger sowie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den beiden Auftaktveranstaltungen aber auch die Polizei, die unsere Demonstration schützend begleitet, sowie die Vertreter der Medien, die unsere Demonstration angekündigt haben.

Ich freue mich, dass Sie alle gekommen sind, obwohl der Anlass kein erfreulicher ist.

Wir demonstrieren heute für Menschenwürde und gegen Rechtsextremismus.

Ausgangssituation ist, dass die Salafisten und der Verein „Einladung zum Paradies“, die eine kleine aber radikale Minderheit unter den Millionen Musliminnen und Muslimen in Deutschland sind, eine Islamschule in Eicken errichten wollen.

Davor fürchten sich die Eickener Bürgerinnen und Bürger. Und das ist damit ein Problem aller Mönchengladbacher. Niemand von uns weiß bisher, wie und wann dieses Problem gelöst wird. Aber wir alle wollen möglichst schnell eine Lösung und zwar eine rechtsstaatliche und friedliche Lösung.

Auslöser für unsere Demonstration ist, dass „Pro NRW“ mit Unterstützung anderer rechtsextremistischer Gruppen und Einzelpersonen landes- und bundesweit für heute nach Eicken eingeladen haben. Dabei interessieren sie sich weder für die Sorgen und Befürchtungen unserer Eickener Mitbürgerinnen und Mitbürger noch für das friedliche Zusammenleben in unserer Stadt noch für eine rechtsstaatliche Lösung. Sie wollen Hass schüren, um mit ihren Parolen die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt für ihre fragwürdigen politischen Ziele zu missbrauchen.

Es ist eben nicht dasselbe, „Pro NRW“ landesweit zu einer Demonstration nach Eicken aufruft, oder zigtausend Fußballfans aus ganz Deutschland zu einem Heimspiel unserer Borussia – früher nach Eicken – und heutzutage in den Borussenpark kommen. Das Letztere begrüßen wir sehr. Gegen das Erste wehren wir uns mit aller Kraft.

Das Mönchengladbacher Bündnis hat für den heutigen Tag eine Erklärung verfasst, die ich Ihnen nun vorlesen will:

'Die Menschen in Eicken haben Sorgen, sie befürchten, dass sich in ihrem Stadtteil religiöser Fanatismus ausbreitet. Diese Entwicklung stört seit Wochen das nachbarschaftliche Verhältnis.

Wir, die Mitglieder des Bündnisses, verstehen die Verunsicherung unserer Eickener Mitbürgerinnen und Mitbürger, die schon zu ersten ernsten Verwerfungen geführt hat.

Toleranz bedeutet für Demokraten jedoch friedliches Zusammenleben, wie es schon immer in Eicken und in unserer Stadt gelebt wird. Dafür stand und steht das Bündnis und dafür stehen wir alle heute hier in Solidarität mit den Menschen in Eicken.

Rechtsextremisten versuchen, heute in Eicken aus den Sorgen der Bürgerinnen und Bürger Kapital zu schlagen und dadurch das

Zusammenleben massiv zu stören. Wir lehnen jedoch jedes intolerante Verhalten ab. Unter einem bürgerlichen Deckmantel wollen diese Rechtsextremisten mit populistischen Forderungen und Parolen die Bürger für ihre Zwecke missbrauchen. Aber Verführung durch falsche Forderungen bringt uns nicht weiter.

Unser gemeinsames Vertrauen gilt den demokratischen und rechtstaatlichen Institutionen sowie dem demokratischen Engagement der Bürgerinnen und Bürger.

Das Mönchengladbacher Bündnis verteidigt die Menschenwürde aller und fordert alle Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt auf, gemeinsam gegen Rechtsextremisten aufzustehen'."

anschl. gemeinsamer Demonstrationszug zur

Abschlusskundgebung auf dem Platz der Republik (14.30 Uhr) 

Es sprach der Oberbürgermeister Norbert Bude !Video folgt!

17. August 2009 - "Was machen wir gegen die Rechtsextremisten in unserer Stadt?" - Podiumsdiskussion

Bild: Podium - Norbert Post (CDU, Norbert Bude (Oberbürgermeister), Karl Sasserath (Bündnis90/Die Grünen), Moderatorin Ursula Gormanns (Radio 90,1), Joachim Stockschläger (FDP), Erich Oberem (FWG), Rolf Flören (Die Linke)Den Fragen der Redakteurin von Radio 90.0 stellten sich die Oberbürgemeisterkandidaten Norbert Post (CDU), Norbert Bude (SPD), Karl Sasserath (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Anno Jansen-Winkeln (FDP), Erich Oberem (FWG) und der Spitzenkandidat von DIE LINKE Rolf Flören. Die Zuhörer konnten sich ebenfalls mit Fragen an der zweistündigen Podiumsdiskussion Bild: Infofalttblattbeteiligen. Vorn weg, alle Teilnehmer waren sich einig, dass man den Rechtsextremisten den öffentlichen Raum nicht überlassen werde. Fünf der sechs Parteien waren für ein NPD-Verbot. Gerade der Zulauf junger Menschen in die rechte Szene, welche diesen durch "atraktive" Freizeitgestaltung das Gefühl von Zusammenhalt, leicht macht, muss alle dazu auffordern, etwas mehr für die Freizeitgestaltung (Jugendklubs odgl.) zu tuen und nicht wie derzeit Fördermittel zu streichen und somit das Schließen von Einrichtungen zu provozieren bzw. das entstehen dieser zu
verhindern. Angemahnt wurde aber auch, das in größerem Maße vorhandene rechte Gedankengut bei älteren Mitbürgern. Dies hat zur Folge, dass die rechte Gesinnung an die nächste Generation weitergeben wird. Soziale Schwierigkeiten geben den Rechtsextremisten leider Rückenwind - deren vermeintliche und banalen Lösungen führen jedoch nicht in die Zukunft sondern in die dunkelste Vergangenheit unserer Geschichte. Am Beispiel einer derzeit laufenden Ausstellung in Mönchengladbach, in der eine Person mit Nazivergangenheit nicht differenziert dargestellt wird, ist jedem klar geworden, dass Aufklärungsarbeit Not tut. Hierzu bedarf es der Anstrengung aller.

Infofaltblatt

Nachbericht: www.bz-mg.de

29. Mai 2009 "Wir feiern unsere Demokratie" - Bürgerfest

PDF_Sonderausgabe Bürgerfest - Wir feiern unsere DemokratieUnsere Demokratie hatte einen langen, schwiergen und steinigen Weg vor sich, bis diese sich in einer "gefestigten" Struktur wiederfand. Das Demokratieverständnis der Menschen, die sich ganz der Demokratie verschrieben haben und manches Leid dadurch erfahren mussten, sorgte dafür, dass wir nun in Freiheit und ohne Kriegsbedrohung leben können. Ein richtiger Grund an historische Ereignisse der Demokratie mit einer Rückblende feierlich zu erinnern. Bekannte Pesönlichkeiten aus unsere Stadt schlüpften in die Rolle damaliger Protagonisten. Sie wurden dargestellt, indem deren Worte wiedergegeben wurden: Aus den Zeiten des Wartburgfestes von 1817 der Dichter und Student Wilhelm Müller, des Hambacher Festes von 1832 der Bürger Philip Jakob Siebenpfeiffer, der Nationalversammlung in der Paulskirche von 1849 der Abgeordnete und Dichter Ernst Moritz Arndt, der ersten Republik (Weimarer Verfassung) von 1919 die Reichstagsabgeordnete Toni Pfülf, der Verabschiedung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland von 1949 die Bundestagsabgeordnete Elisabeth Selbert und des Mauerfalls von 1989 die Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen Dr. Regine Hildebrand. Den Untergang der 1. Republik und die verbrecherische Diktatur des 3. Reiches skizziert der Mönchengladbach Regionaldekan. Nach dieser Erinnerung legte sich die Remember Band wieder richtig ins Zeug und als Borussias Maskottchen Jünter als Überraschungsgast auf der Bühne auftrauchte, kleine Geschenke verteilte, war der Höhepunkt erreicht. Hervorzuheben ist noch die Beköstigung durch Mitgliedsorganisationen des Integrationsrates. Es reiten sich kulinarische Köstlichkeiten aneinander. Dies ist auch ein Zeichen der Vielfalt, welche nur eine lebendige Demokratie zu bieten hat. Zum Schluß sei noch angemerkt, dass Sie die Dokumentation zu unserer Veranstaltung mit den historischen Reden als PDF hier herunter laden können >>> Sonderausgabe zum Bürgerfest "Wir feiern unsere Demokratie"

10. - 23. Mai 2008 Aktionswochen für Freiheit und Menschenrechte

cover AW2008Eine in dieser Form noch nie dagewesende Veranstaltungsreihe. Laden Sie sich die dazu bereitgestellte Dokumentation "Zeitzeugnisse - SONDERAUSGABE" zu den Mönchengladbacher Aktionswochen auf Ihren Rechner, um sich ein umfassendes Bild der Veranstaltungsreihe für Freiheit und Menschenrechte zu machen. Sie erhalten die Sonderausgabe zu den Aktionswochen als PDF mit einem Klick hier

21. Juli 2007 Demonstration gegen die NPD

Der Anlass der Demonstration war eine "Mahnwache" der NPD in unserer Stadt mit dem Aussage die Todesstrafe für Kinderschänder wieder einzuführen. Gleichzeitig die Motivation das Mönchengladbacher Forum "aufzutanken" und fort nun an als Mönchengladbacher Bündnis jeglichen Demokratiefeinden weiterhin die Stirn zu zeigen. Wir haben uns im Rahmen der Auseinadersetzung mit der NPD um fast das doppelte an Mitgliederorganisationen verstärkt. Die Demonstration, die vom ehemaligen Theatervorplatz an der Hindenburgstraße bis zum Kapuzinerplatz zur Abschlußkundgebung führte, hatte das Ziel der Öffentlichkeit zu zeigen sich gegen dem erneute mißbrauchen der Opfer durch die NPD zu Propagandazwecken zu stellen.

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2005 Fair Play im Stadion / in der Gesellschaft | Talk-Runde

Blick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland hat das Mönchengladbacher Forum in Kooperation mit dem Mönchengladbacher FanProjekt - Supporters Club in der Sportbar des neuen Stadions der Borussia im Nordpark die Veranstaltung Fair Play im Stadion / in der Gesellschaft ausgerichtet. Schwerpunkt war eine Talk-Runde zwischen Fans, Vertreter Borussias und dem Forum, der katholischen Kirche, der Polizei um den zunehmenden Gewalttaten und der zunehmenden Brutalität in den Fußballstadien als auch der Zunahme des Rechtsextremismus im Allgemeinen bzw. den Planungen der Rechtsextremisten um den 8. Mai entgegenzutreten

19.11.-13.12.2002 Tatort Stadion - Rassismus und Diskriminierung im Fußball | Ausstellung

Eine aussergewöhnliche Austellung fand im Jahr 2002 vom 19.11 bis 13.12 im Mönchengladbacher BIS an der Bismarckstraße statt. Das Mönchengladbacher Forum, stellvertretend für den gewünschten Ausrichter Borussia Mönchengladbach, die unter der DFB-Präsidentschaft von Gerhard Mayer-Vorfelder ausgebremst wurden, war Ausrichter vor Ort der Wanderausstellung Tatort Stadion. Die Wanderausstellung wurde vom Bündnis Aktiver Fußballfans initiiert und hielt Station in unsere Stadt. Auf mehreren Etagen wurde die Unterwanderungs- und die Rekrutierungsbemühungen der Rechtsextremen am Bökelberg und bundesweit aufgezeigt. Dr. Adalbet Jordan, damaliger Präsident von Borussia Mönchengladbach ließ es sich nicht nehmen die Schirmherrschaft der Ausstellung zu übernehmen. Zu der Wanderausstellung ist ein aufdeckendes und aufschlussreiches Begeleitheft erschien, dass dem Mönchengladbacher Bündnis noch in geringer Anzahl und zu Studienzwecken vorliegt.

Tatort Mönchengladbach Von „Was soll denn die Ausstellung in Mönchengladbach? Hier ist doch alles okay.“, „Politik und Fußball sollte man trennen.“ oder „Was will denn der Linksradikale schon wieder?“ bis „Toll, das ist hier besonders nötig“, „Als Frau bleibe ich an Heimspieltagen Borussias lieber zu Hause.“ und „Fans sind doch blödes Volk.“ reichte die Palette an Reaktionen in der Vorarbeit zur Mönchengladbacher Station unserer Ausstellung. Borussia Mönchengladbach, Brutstätte neonazistischer Umtriebe und latenter Diskriminierungsgefahr oder Vereinsidyll menschenverbindender Fußlümmelei? Die Wahrheit liegt wie immer auf’m Platz und wohl irgendwo dazwischen: mehr zu Mönchengladbach>>>www.tatort-stadion.de/ausstellung/gladbach

2002 - Die menschenwürdige Großstadt - Wirklichkeit und Anspruch | Symposium

Dieses Symposium fand in der Gesamtschule Volksgarten Mönchengladbach statt. Eingeleitet wurde es durch den damalige Bürgermeister Michael Schroren mit einer Rede, der Begrüßung von Ferdinand Hoeren, Vorsitzenden der Theo-Hespers-Stiftung e.V. als Veranstalter für das Forum und dem tiefgründigen Referat von Professor Marco Riege über eine menschenwürdige Großstadt. Die Wortbeiträge wurden jeweils durch Lieder, vorgetragen von Birgit Dohmen, eingerahmt, bevor die vorgesehenen acht Arbeitskreise (AK 1: "Armut der Stadt und ihre Einwohner", AK 2: "Arbeit - Zeit - Leben", AK 3: "Stadtkultur - Kulturstadt", AK 4: "Mönchengladbacher - aus aller Welt", AK 5: "Unsere Stadt und ihre Flüchtlinge", AK 6: "Sicherheit und Ordnung", AK 7: "Zukunftsforum", AK 8: "Die Jugend als Zukunft") ihre Arbeit aufnahmen

2000 Demonstration gegen Rechtsextremismus

Der Anfang unseres Bündnis (damals noch als Mönchengladbacher Forum) aus vielen Bereichen der Gesellschaft.

Foto: Demonstrationszug 2000 gegen Rechtsextremismus in Deutschland 02 03 04 05 06 07

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